Sonntag, 14. August 2011 - 14:10 Uhr
Fraglos war einiges an Sand im Getriebe der Gladbacher Borussen gegen den VfB Stuttgart. Die vielbeschworene Kompaktheit war gegen einen flexiblen und flinken Gegner längst nicht so ausgeprägt, wie noch in der Vorwoche in München. Und das Offensivspiel war, trotz zwei „echten“ Stürmern, letztlich arg harmlos.
»Wir haben vor dem Spiel besprochen, wie wir es machen wollen. Aber es läuft nicht immer so, wie man es sich wünscht«, warb Kapitän Filip Daems anschließend um Verständnis. »Stuttgart ist eine Top-Mannschaft und schwer zu bespielen. Heute haben wir uns ein bisschen schwer getan«.
»In der Defensive hatten wir Probleme«, sagte Daems und Marco Reus fügte an, dass er auch nach vorne »nicht so viele Kombinationen von uns« gesehen habe.
»Die Stuttgarter haben es gut gemacht, es war ein Duell auf Augenhöhe«, befand Reus, der zwei gute Torchancen für den VfL hatte und an einer Schlüsselszene beteiligt war. Ob er nun den Elfmeter bekommen oder ihn herausgeholt hat, darauf wollte sich der ‚immer-noch-nicht-A-Nationalspieler‘ nicht festlegen. »Ich wollte zum Tor laufen, er kommt von der Seite und schiebt mich weg. Der Schiedsrichter hat es so entschieden und man kann es so machen. Wenn nicht, dann nicht«.
Schiedsrichter Manuel Gräfe pfiff und Kapitän Filip Daems verwandelte – wieder einmal – eiskalt. »Beim Elfmeter geht mir wenig durch den Kopf«, sagte der Belgier. »Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals verschossen zu haben«, fügte er an und klopfte danach zweimal ‚auf Holz‘. Sein ‚Geheimnis‘ für die Treffsicherheit vom Elfmeterpunkt ist jedenfalls simpel: »Konzentriert sein und versuchen, das Ding rein zu machen«.
Dass der Führungstreffer, selbst wenn er aufgrund des Spielverlaufs nicht unbedingt hoch verdient war, nicht zum Sieg reichte, ärgerte natürlich die Borussen. Allen voran Keeper Marc-André ter Stegen, der wieder eine ausgezeichnete Partie ablieferte. »Dass das Spiel am Ende 1:1 ausgeht, ist natürlich für uns, die auf der Siegerstraße waren, nicht so prickelnd«. Aber auch der Youngster musste zugeben, dass Stuttgart letztlich den einen Zähler verdient hatte. »Das war ein Gegner, der Qualität hat«, meinte er anerkennend.
Qualität wird auch ter Stegen von allen Seiten bescheinigt. Mit dem Hype, der um ihn gemacht wird, geht er genauso cool um wie mit den Bällen, die durch seinen Strafraum fliegen. Angesprochen auf die Aussage von Jupp Heynckes, der in ihm den Neuer-Nachfolger sieht, blockte ter Stegen ab. »Ich habe andere Sachen, auf die ich mich konzentrieren muss«.
Etwas mehr Konzentration hätte Mike Hanke vor dem Ausgleich benötigt, als er gegen Kvist den Ball verlor. Genauso wie Lukas Rupp, der mit seinem Kopfball in den Lauf von Harnik seinen Kollegen Roel Brouwers in Schwierigkeiten brachte. Das zweite Foul des Niederländers in diesem Spiel brachte ihm gleich die Gelb-Rote Karte. »Wir gehen beide zum Ball und berühren einander«, schilderte Brouwers die fragliche Szene. »Den kann man geben. Das Laufduell hätte ich nie mehr gewinnen können, weil er schon vor mir war«.
Borussia musste die letzten zehn Minuten in Unterzahl spielen und wird Brouwers gleichzeitig am nächsten Freitag in der Heimpartie gegen Wolfsburg ersetzen müssen. Sollte der verletzte Martin Stranzl nicht rechtzeitig fit werden, müsste analog zur Vorsaison schon wieder improvisiert werden. »Vielleicht machen wir es dann so wie heute – Håvard eine Reihe nach hinten«, mutmaßte Filip Daems, der sich vermutlich für eine andere Variante nicht so erwärmen wird: Er selbst nach innen und Oscar Wendt auf die linke Seite.
Doch bis zum Freitag hat Trainer Lucien Favre noch etwas Zeit, eine passende Lösung zu finden. Zunächst gilt es, die Lehren aus dem Stuttgart-Spiel zu ziehen und die Partie dann abzuhaken. »Insgesamt war es okay«, fasste Roel Brouwers die Mannschaftsleistung und das Ergebnis zusammen. »Zunächst denkt man, dass der Sieg verschenkt wurde. Aber am Ende kann man auch sagen, dass wir einen Punkt gewonnen haben«.
»Wenn vorher jemand gesagt hätte, wir holen vier Punkte aus den ersten zwei Spielen, dann hätten das alle unterschrieben«, so Brouwers weiter. Filip Daems ergänzte: »Vier Punkte aus zwei Spielen sind in Ordnung, aber wir dürfen uns natürlich nicht zurücklehnen und ausruhen«.
Dass das nicht passieren wird und sich die Mannschaft gegenüber dem Vorjahr weiterentwickelt hat, steht für Roman Neustädter fest. »Ich glaube, wir sind nicht nur einen, sondern mehrere Schritte weiter«, erklärte der Mittelfeldmann im Brustton der Überzeugung. Schon am Freitag gegen Wolfsburg kann der nächste Nachweis für diese These erbracht werden.