Dienstag, 09. August 2011 - 07:30 Uhr
Marc-André ter Stegen: Der 19-Jährige zeigte bei seinem ersten Auftritt in der Allianz-Arena keinerlei Nervenflattern – im Gegenteil. Er wirkte betont ruhig und beherrscht, alle Aktionen waren wohlüberlegt und er führte sie mit der nötigen Konsequenz durch. Er spielte aufmerksam (und beidfüßig) mit, war der Borusse mit den meisten Ballkontakten und hielt das, was auf sein Tor kam. Sowohl vor der Halbzeit den Kopfball von Gomez, als auch den Kroos-Schuss im Nachfassen. Nach der Pause – in der er von Uwe Kamps noch warmgeschossen wurde – mit einem starken Reflex beim Gomez-Kopfball und mit Klasse-Rettung nach Robbens Flachschuss. Schweinsteigers Knaller vor dem Abseitstor parierte er sehr gut und ballte dann ganz im Stile von Oliver Kahn vor der bayerischen Südkurve die Siegerfaust. Eine wirklich beachtlich abgeklärte Leistung. Note 1,5.
Tony Jantschke: Hatte viel Arbeit auf seiner rechten Seite, da die Bayern vor allem im ersten Durchgang fast alle Angriffe über den linken Flügel vortrugen, wo sich Thomas Müller versuchte. Zwei, drei halbwegs gefährliche Flanken des Nationalspielers vermochte Jantschke nicht zu unterbinden. Ansonsten schaffte er es meist frühzeitig, seinen Gegenspieler soweit abzudrängen, dass dieser zu keiner klaren Aktion kam. Jantschke spielte positionell ganz stark und war überaus geschickt im Zweikampfverhalten. Dabei vermied er durchweg unnötige Foulspiele. Mit einer energischen Grätsche rettete er, als der Ball im Strafraum eher zufällig bei Müller landete. Erstaunlich die stoische Ruhe, mit der er auch in engen Situationen zu ter Stegen zurückspielte. Ob per Fuß, Brust oder Kopf – das war fast schon mega-cool. Als Ribéry in der letzten halben Stunde kam, löste Jantschke auch diese Aufgabe mit Geschick. In den letzten Minuten musste er nach einem Schlag auf die Wade verletzt raus. Note 2,0.
Roel Brouwers: Eigentlich eine undankbare Aufgabe für den Niederländer, ausgerechnet in so einem Spiel Martin Stranzl ersetzen zu müssen. Doch Brouwers schien es nichts auszumachen, denn er absolvierte einen sehr ordentlichen ‚Vertretungsjob‘. Er räumte einiges ab, klärte hier und da mit Flugkopfbällen im eigenen Strafraum und ging beherzt in die Zweikämpfe. Wenn es nötig wurde, packte er auch mal die ‚Axt‘ aus. Nicht ganz glücklich sah er bei einer Kopfballverlängerung an den eigenen Fünfmeterraum aus, von der Müller fast profitiert hätte. Und eine Kopfballabwehr landete mittig vor den Füßen von Kroos. Ansonsten hatte Brouwers mit viel Willen alles im Griff und gefiel mit umsichtigem Aufbauspiel. Sein Assist zum Tor des Tages war das Produkt seiner defensiven Aufmerksamkeit. Note 3,0.
Dante: Nach seinem Bekenntnis zur Borussia ein erster wichtiger Schritt zurück zur alten Klasse. Er ging kaum ins Risiko und vermied unnötige Showaktionen. Der Brasilianer rückte immer gut raus, wenn Robben sich nach innen orientierte um zum Schuss zu kommen. In diesen Fällen war Dante da, um zu blocken oder den Niederländer abzudrängen. In der Strafraummitte konnte er Gomez nicht ganz ausschalten und ließ u.a. den Pfostenkopfball zu. Dafür bis zum Ende sehr aufmerksam und mit einer eminent wichtigen Aktion, als er in der absoluten Schlusssekunde einen Petersen-Schuss blockte. Note 3,0.
Filip Daems: Wagte schon ganz früh einen Vorstoß in die Hälfte der Gastgeber, konzentrierte sich alsdann jedoch auf seine Kernaufgabe. Im Verbund mit Arango, den helfenden 6ern und dem unterstützenden Dante hatte der Kapitän kaum Probleme, Superstar Arjen Robben fast komplett aus der Partie zu nehmen. Es hatte den Eindruck, als hätte Daems wochenlang die Bewegungsabläufe von Robben studiert. Solide, ruhig, konzentriert und fast mühelos löste er diese Herausforderung. Und er nahm sich sogar heraus, sich ab und an mit nach vorne einzuschalten. Note 2,5.
Håvard Nordtveit: War hauptsächlich damit beschäftigt, den Radius von Schweinsteiger zu begrenzen und im Verbund mit Neustädter die Räume zuzulaufen. Das passte sehr gut, denn sowohl zentral, als auch auf den Seiten oder als zusätzliche Hilfe im Strafraum tauchte Nordtveit auf. Eher ungewohnt die eine oder andere Schwäche am Ball. So spielte er einmal unbedrängt ins Seitenaus oder ließ sich einige Male sehr einfach die Kugel abluchsen. Mit einem unverständlichen und unpräzisen Rückpass schickte er Ribéry auf die Reise und hatte Glück, dass der Franzose die Situation nicht nutzen konnte. Läuferisch und kämpferisch machte es der Norweger erstklassig, besonders in der letzten halben Stunde schien er sich förmlich in einen Rausch zu fighten. Note 3,5.
Roman Neustädter: Der Mann der langen Wege – die Statistik weist mit 13 Kilometern für ihn die längste Laufstrecke aller Akteure aus, was gleichzeitig den Liga-Spitzenwert an diesem Spieltag bedeutete. Er stand selten still und stocherte viele Bälle von den Füßen der Bayern. Das Verschieben und Zustellen der Räume klappte im Verbund mit Nordtveit prima und auch als Unterstützung der Innenverteidiger in der Box tauchte Neustädter auf. Probleme hatte er nach Ballgewinnen bei schnellen Umschaltmomenten, als die Spielfortsetzung nicht immer klappte. Unterlassen sollte er zudem die Dribblings vor dem eigenen Strafraum mit dem Gesicht zum Tor – ein Ballverlust in solch einer Situation könnte tödlich sein. Note 3,0.
Marco Reus: Der Bald-Nationalspieler machte vor allem bei der Umschaltung von Offensive auf Defensive eine sehr gute Partie. Er bremste Philip Lahm in dessen Vorwärtsdrang fast komplett aus und unterstützte zudem Tony Jantschke aufmerksam. Einige Male arbeitete Reus an der eigenen Grundlinie mit. Im Spiel nach vorne setzte er zum ersten Mal zu einem seiner gefürchteten Sprints an, als er mit Arango kurz die Seite getauscht hatte. Einmal schien er relativ einfach in den Sechzehner der Bayern reinlaufen zu dürfen, doch legte er sich den Ball etwas zu weit vor. Stark das direkte Doppelpasszuspiel auf Arango zu dessen Schusschance kurz vor dem Seitenwechsel. Im zweiten Durchgang mit zwei, drei Kontergelegenheiten. Als er nach der Hanke-Herausnahme zentral spielte ging er einmal beherzt auf die Reise, doch gegen drei Münchener verließ ihn dann etwas der Mut, um seinen Lauf durchzuziehen. In der Nachspielzeit unterlief ihm noch eine kleine Nachlässigkeit, die letztlich ohne Folgen blieb. Note 3,0.
Juan Arango: Man merkte dem Venezolaner nicht an, dass er in diesem Jahr fast ohne Pause durchspielt. Müdigkeitserscheinungen waren jedenfalls nicht auszumachen, im Gegenteil. Er arbeitete sehr aufmerksam und laufstark mit nach hinten und war gegen Robben stets frühzeitig da, um ihn abzudrängen. Im Spiel nach vorne der Mann für die fußballerischen Momente. Er versuchte viele Direktweiterleitungen, wobei gerade die mit der Hacke auch Gefahren mit sich bringen. Als er kurzzeitig auf rechts spielte und ein Angriff an der Mittellinie mit einem Ballverlust eines Kollegen endete, blitzte kurz der ‚alte‘ Arango auf, als er kopfschüttelnd stehen blieb. Doch das war die Ausnahme, denn ansonsten zeigte er sich hochmotiviert. Sein toller Außenrist-Lupfer war eine richtig gute Torchance und der Freistoß zum nicht gegebenen de Camargo-Treffer war ebenfalls gelungen. Wie er den nach Gomez-Kopfball vom Pfosten abprallenden Ball ‚tot‘ machte, war ein Genuss. Als ihm in der dritten Minute der Nachspielzeit nach misslungenem Ansatz eines Dribblings ein Ballverlust unterlief, erschrak er über sich selbst. Note 2,5.
Mike Hanke: Ließ sich schon recht früh zurückfallen und agierte bei Ballbesitz der Bayern als zusätzlicher Mittelfeldspieler. Er arbeitete defensiv aufmerksam mit und suchte nach Ballgewinnen den Anschluss nach vorne. Hier war er in Bedrängnis oft unterlegen, die Annahmen waren gut, die Weiterverarbeitungen weniger. Hanke kämpfte um jeden Ball und half wirkungsvoll, die Räume zu verdichten. Zum Ende hin fast der dritte ‚Sechser‘, ehe er in der Schlussphase ausgewechselt wurde. Note 3,5.
Igor de Camargo: Entwickelt sich zum Knipser vom Dienst. Zwar sprachen alle nach dem Spiel nur vom Fehler von Neuer und Boateng, doch muss auch erwähnt werden, dass nur wenige Stürmer in dieser Situation so beherzt hingegangen wären. Hier hat de Camargo einfach ein Näschen, genauso wie bei seinem leider (zurecht) aberkannten Tor nach Arango-Freistoß. Darüber hinaus gab es beim Belgien-Brasilianer jedoch auch eine Vielzahl an Aktionen, bei denen die Abstimmung fehlte oder es Missverständnisse gab. Lobenswert seine große Laufbereitschaft. Da Hanke frühzeitig nach hinten ging, musste de Camargo als vorderster Verteidiger alleine viele Räume zulaufen. Das machte er stetig und sehr ordentlich. Holte sich eine Gelbe Karte, weil er die Ausführung eines Freistoßes für Bayern verhinderte. Note 3,0.
Patrick Herrmann: Kam in den letzten sieben Minuten plus Nachspielzeit für Hanke. Er unterstützte Jantschke auf der rechten Seite gegen Ribéry und grätschte einmal gut gegen Lahm. Zudem gelang ihm ein guter Pass in den Lauf von Reus zu einem Entlastungskonter. Ohne Note.
Thorben Marx: Wurde in der Schlussminute für den angeschlagenen Jantschke eingewechselt. Ohne Note.
Lukas Rupp: Bundesligadebüt in der Nachspielzeit, ohne Ballkontakt aber gleich Mitglied einer legendären Siegerelf. Ohne Note.