Dienstag, 02. August 2011 - 07:28 Uhr
Marc Andrè ter Stegen: Borussias Keeper verlebte einen relativ ruhigen Pokalabend. Hier und da musste er eine weite Flanke herunter pflücken oder fausten. Das bereitete dem Blondschopf keine Probleme. Bei langen Bällen oder Zufallspässen in die Spitze war er stets zur Stelle. In der Situation, die zum Elfmeter führte, kam er einen Tick zu spät und durfte sich weder über den Elfmeterpfiff, noch über die Gelbe Karte als persönliche Strafe beklagen. Es gibt Schiedsrichter, die eine Notbremse daraus machen und Rot zücken. In Halbzeit zwei düpierte der 19-Jährige sehr schön einen Regensburger per Lupfer und spielte so auf Stranzl. Gefordert wurde ter Stegen nur zweimal: zunächst parierte er einen Flatterball aus der Ferne und in der Schlussphase wurde er mit einem weiteren Distanzschuss geprüft, den er über den Kasten lenkte. Note 3,5.
Tony Jantschke: Wenn Regensburg zu schnellen Gegenangriffen kam, dann meist über Jantschkes Seite. Verursacht wurden diese Lücken zumeist durch die ‚Aufenthaltsräume‘, in denen Marco Reus sich aufhielt. Diese lagen oft weit vorne und so musste Jantschke oft im Mittelfeld weit aufrücken. Dadurch entstanden einige Male Räume auf der rechten Seite. Wirklich nutzen konnten die Gastgeber das nicht und mit einer verbesserten Staffelung nach dem Wechsel hatte Jantschke fortan alles im Griff. Er agierte gewohnt aufmerksam und mit unaufgeregten, schulbuchmäßigen Grätschen, mit denen er aufkommende Gefahr im Keim erstickte. Schlau handelte der 21-Jährige in einer Situation nach der Pause, als er einen Einwurf schnell ausführte und Reus auf die Reise schickte. Note 3,5.
Martin Stranzl: Ebnete den Weg in die nächste Pokalrunde mit seiner Kombination aus Kopfball und Rückenweiterleitung beim wichtigen Führungstreffer. Aus Respekt vor dem gegnerischen Keeper Michael Hofmann, der ein enger Freund von Stranzl ist, hielt er sich mit ausgiebigem Jubel zurück. Richtig viel Arbeit musste der Österreicher in der Defensive nicht verrichten. Meistens stand er gut und konnte sich in Ruhe am Aufbauspiel beteiligen. Kurz vor Schluss wurde er wegen einer Verletzung an der Wade vorsichtshalber ausgewechselt. Note 3,0.
Dante: Auch Borussias zweiter Innenverteidiger verlebte einen verhältnismäßig beschäftigungslosen Abend. In den wenigen Laufduellen fast immer Sieger, oder halt nach durchrutschenden Überraschungsbällen ‚zweiter Sieger‘ im wahrsten Sinne des Wortes. Der Brasilianer schoss einige Freistöße, doch seine Schüsse hatten eindeutig zu wenig Fahrt und stellten den gegnerischen Torwart vor keine Probleme bzw. fehlte es an Präzision, so dass sie neben dem Tor landeten. Für die Liga muss – besonders bei Abwesenheit von Arango – hieran noch gefeilt werden. Note 3,5.
Filip Daems: Der Kapitän ließ auf seiner Seite kaum etwas zu, obwohl auch er, allerdings im geringeren Umfang im Vergleich zu Jantschke, am Problem des scheinbar numerisch unterlegenen Mittelfelds (Rupp und Reus zu oft zu weit vorne) zu knabbern hatte. Einige Male musste Daems korrigierend eingreifen, wenn Rupp den Ball in der Vorwärtsbewegung verlor. Nach der Pause schaltete er sich des Öfteren bei Angriffen mit nach vorne ein, vor allem nach dem dritten Gladbacher Treffer. Note 3,0.
Håvard Nordtveit: War der Spieler, der sich am meisten im Mittelfeld aufhielt. Sicherte neunzig Minuten ab, ob es nun bei den Offensivaktionen von Neustädter oder bei den Vorstößen von Rupp und Reus war, der Norweger blieb seiner Aufgabe treu. Routiniert wirkte sein taktischer Schubser am Mittelkreis, mit dem er einen schnellen Konter der Hausherren unterband. Gegen Ende der Partie wirkte er ein wenig irritiert bei dem einen oder anderen Zweikampf. Negative Emotionen sollte er nicht zeigen, das geht nur auf Kosten seiner Ruhe am Ball. Note 3,5.
Roman Neustädter: Stand an der Basis einiger guter Angriffe. So zum Beispiel an dem, der zur ersten Ecke und letzten Endes zum ersten Tor führte. Neustädter war bemüht, den Ball zügig durch die eigenen Reihen laufen zu lassen. Manchmal wirkten seine Körpertäuschungen, mit denen er sich freidrehen wollte, etwas desorientiert. Zu hoffen ist, dass der 23-Jährige selbst weiß, wo er hin will. Seinen Pass zur Riesenchance von Reus zum 1:3 noch vor dem Pausenpfiff kann unter der Kategorie ‚tödlich‘ eingeordnet werden. Gerne mehr davon. Note 3,0.
Marco Reus: Phasenweise spielte er sehr weit vorne und vernachlässigte so ein wenig seine defensiven Aufgaben im Mittelfeld. Gegen einen solchen Gegner konnte das aufgefangen werden, zumal Reus offensiv mit seiner Schnelligkeit eine permanente Gefahrenquelle darstellte. Bei seinem Treffer zum 2:0 tanzte er scheinbar mühelos durch die Abwehr der Regensburger und nach dem tollen Neustädter-Pass hätte er vor der Pause eigentlich schon für die vorzeitige Entscheidung sorgen können. Auch bei ruhenden Bällen gefährlich – seine Ecke brachte den Führungstreffer und einen Freistoß zirkelte er knapp über das Tor. Im zweiten Durchgang hatte er sicherlich erwartet, mehr Gelegenheit auf Durchgang zu bekommen, doch die Konter wurden nicht konsequent zu Ende gespielt. Immerhin stand er mit seinem Anspiel auf Rupp an der Basis des dritten Tores. Dieser Pass, der Assist per Ecke und sein eigener Treffer kompensieren das etwas zu leichtsinnige Positionsspiel in Halbzeit ein. Note 3,0.
Lukas Rupp: Als ‚Arango-Vertreter‘ agierte der Neuzugang wie erwartet im linken Mittelfeld. Im fußballerischen und technischen Bereich bestätigte er den guten Eindruck der Vorbereitung. Diesbezüglich muss man sich bei ihm keine Sorgen machen, er ist der Herr über den Ball. Der 20-Jährige verbuchte einen Assist vor dem 1:3 und schlängelte sich kurz darauf hakenschlagend frei fast bis zur Grundlinie, sein anschließender Lupfer ging am langen Pfosten vorbei. Im läuferischen Bereich war Rupp fleißig, im Positionsspiel nach anfänglichen Schwierigkeiten verbessert. Allerdings ließ er sich (zu) oft den Schneid abkaufen, wenn der Gegner in die Zweikämpfe kommen konnte. Hier muss er eindeutig zulegen, denn im Stahlbad Bundesliga führen eben solche verlorenen Duelle Mann gegen Mann nicht selten zu gefährlichen Gegenstößen. Das Fazit zu Lukas Rupp erstem Pflichtspiel für Borussia: Läuferisch und technisch gut, im Infight verbesserungswürdig. Note 3,5.
Mike Hanke: In der ersten Halbzeit war der Stürmer eher wenig ins Spiel eingebunden. Ein paar Mal ließ er im Kombinationsspiel den Ball prallen, die Fortsetzung dieser Aktionen versandete meist. Nach der Pause auffälliger und mit einigen guten Direktabspielen. In einer Situation übersah er allerdings den rechts mitgelaufenen Reus, als er sich für einen Distanzschuss entschied. Wenn Hanke am Ball ist, strahlt er die nötige Ruhe und Sicherheit aus und verfällt nie in Hektik. Note 3,5.
Igor de Camargo: Vor der Pause wirkte der Belgien-Brasilianer bei den Kombinationsversuchen wie ein Fremdkörper. Es wollte fast gar nichts gelingen. Zu sehen war de Camargo eigentlich nur, wenn er über selbst noch so berechtigte Schiedsrichterentscheidungen lamentierte. Nach dem Wechsel sah es besser aus und schließlich sorgte er mit seinem Tor für die Entscheidung. Hier profitierte er vom schlechten Stellungsspiel des Verteidigers, aber auch seiner Schnelligkeit und einer guten Portion Durchsetzungsvermögen. Cool, wie er dabei den Lupfer ansetzte. Borussias Nummer 10 macht das, was man von einem Stürmer in erster Linie erwartet: Tore. Note 3,5.
Mathew Leckie: Gab in der Schlussphase sein Debüt, konnte sich aber nicht mehr in Szene setzen. Ohne Note.
Patrick Herrmann: Ersetzte zum Ende hin Lukas Rupp, ging allerdings auf die rechte Seite, während Reus nach links rückte. Herrmann hatte zwei, drei gute Antritte – einmal konnte er nur mit einem Foul gestoppt werden. Im Strafraum war er in einer Aktion zu überhastet. Ohne Note.
Roel Brouwers: Kam in den letzten Minuten für den angeschlagenen Stranzl, das Spiel war da allerdings schon längst gelaufen. Ohne Note.