Samstag, 30. Juli 2011 - 11:52 Uhr
Erstrundenspiele im DFB-Pokal sind immer unangenehme Angelegenheiten. Borussia Mönchengladbach löste die Pflichtaufgabe in Regensburg solide. »Das kann man so sagen«, bestätigte Martin Stranzl nach dem Schlusspfiff. Der Abwehrspieler sorgte mit seinem Kopfballtreffer nach 14 Minuten für einen optimalen Start seines Teams. »Das war ein kurioses Tor, auch weil so viele Leute um mich herum waren«, schilderte er seinen Hinterkopf-Rücken-Treffer am kurzen Pfosten. »Aber scheißegal, der Ball war drin. Es war wichtig, dass wir ein frühes Tor gemacht haben«.
»Dass wir in Führung gegangen sind, hat uns natürlich in die Karten gespielt«, so Stranzl weiter. Besonders als Marco Reus nach schönem Solo schon neun Minuten später auf 2:0 erhöhte, schien bereits eine Vorentscheidung gefallen zu sein. Zumindest ergebnistechnisch wurde es durch den Anschlusstreffer nochmals eng. Marc-Andrè ter Stegen verursachte den Strafstoß, den Tobias Schweinsteiger verwandelte. »Ich denke schon, dass es ein klares Foul und ein Elfmeter war«, legte sich Mike Hanke bei der Einschätzung dieser Situation fest. Dass ter Stegen nur mit der Gelben Karte davon kam und nicht wegen vermeintlicher Rotbremse vom Platz geschickt wurde, befand Hanke als die richtige Wertung des Unparteiischen. »Eine Rote Karte wäre nicht berechtigt gewesen, es war keine klare Torchance«.
»Wir haben nach dem Anschlusstreffer so weitergespielt, wie wir angefangen haben«, zeigte sich Martin Stranzl erfreut, dass alle in der Spur blieben. »Viel Ballkontrolle, den Ball nach links und rechts zirkulieren lassen - das sieht von außen nicht so gut aus, weil man meint, da fehlt der Zug zum Tor. Für den Gegner hingegen ist es schwierig, denn sie müssen immer weiter aufrücken«.
»Wir haben das Spiel dominiert und es vor allem in der zweiten Halbzeit clever gemacht«, ergänzte Mike Hanke. »Den Ball laufen lassen und immer wieder ein paar Nadelstiche setzen«.
Einer dieser Nadelstiche führte dann zum dritten Tor, das die endgültige Entscheidung brachte. Igor de Camargo profitierte von einem Stellungsfehler seines Gegenspielers. »Ich war im richtigen Moment in der richtigen Position und habe meine Chance genutzt«, so der Brasilianer zu seinem sehenswerten Lupfer.
Die Borussen spielten solide, große Glanzlichter gab es nicht. Eine Einschätzung, die Trainer Lucien Favre allerdings so nicht stehen lassen wollte. »Ich hoffe, wir haben das gleiche Spiel gesehen«, sagte er im Anschluss an die Pressekonferenz. »Die Mannschaft hat das Spiel gut kontrolliert und der Gegner hatte mit dem Penalty nur eine Torchance. Wir dagegen hatten fünf, sechs klare Tormöglichkeiten. Klar, wir haben noch einiges zu tun, aber wir müssen nicht vergessen, wo wir herkommen. Der Ballbesitz war gut, wir waren fast nie in Gefahr und das ist nicht einfach gegen einen Drittligisten«.
Lucien Favre wollte es mit den kritischen Tönen also nicht übertreiben, seine Spieler waren diesbezüglich etwas offener. »Es gab ein paar positive Ansätze, aber wir müssen weiter an unseren schlechten Punkten arbeiten«, sagte Igor de Camargo. Nicht nur Bayerns Co-Trainer Peter Hermann, der von Jupp Heynckes zur Gegnerbeobachtung nach Regensburg geschickt wurde, dürfte die Schwachstellen der Borussen erkannt haben.
Vor allem die fehlende Präzision im Passspiel war auffällig. Zwar spielten die Favre-Schützlinge durchaus gefällig und schnell mit einem oder zwei Kontakten über mehrere Stationen, doch sehr oft ging der Ball letztlich zu einfach verloren. Das anschließende Umschalten war längst nicht optimal.
»Wir haben versucht, es unter Kontrolle runter zu spielen. Aber es fehlt schon noch was, das wissen wir«, gab Martin Stranzl zu. »Bei den Bayern dürfen uns die ganz einfachen Ballverluste nicht passieren. Da ist eine ganz andere Qualität beim Gegner und die nutzen das sicherlich besser aus«.
»Es sind noch neun Tage bis zum Bayernspiel, es gibt noch viel zu tun«, weiß auch Lucien Favre. »Aber das gilt für jeden Trainer, für jede Mannschaft«.
»Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch nicht bei hundert Prozent«, fasste Martin Stranzl den Stand der Dinge zusammen. »Die ersten zwei, drei Bundesligawochen gehören eigentlich noch mit in die Vorbereitung, bis der Rhythmus wieder drin ist, bis ein Rad ins andere greift. Es wird sich zeigen, wie viel bei uns nächste Woche in München drin ist. Aber das wir da schon die Form haben wie zuletzt in der Liga, das wird wohl noch nicht der Fall sein. Dennoch werden wir uns dort natürlich nach allen Kräften wehren und versuchen, unser Spiel durchzuziehen«.
Mit dem Weiterkommen im DFB-Pokal und solch geerdeten Ansichten sollten die Borussen gut durch die nächste Trainingswoche kommen, die nach zwei freien Tagen am Dienstag beginnt. Wohl auch für Martin Stranzl, der in Regensburg kurz vor Schluss ausgewechselt werden musste. »Wir wollten kein Risiko eingehen«, erklärte der Österreicher. »Ich habe gegen Porto einen Schlag auf die Wade bekommen, doch das war eigentlich weg. Jetzt hat die Wade zugemacht, wobei ich davon ausgehe, dass es nichts Ernsthaftes ist«.