Mittwoch, 27. Juli 2011 - 16:22 Uhr
Es gibt dankbarere Aufgaben für einen Erstligisten, als die erste Runde im DFB-Pokal zu bestreiten. Gegen den unterklassigen Gastgeber kann der Bundesligist eigentlich kaum zu Ruhm und Ehren kommen. Das Weiterkommen wird vorausgesetzt, schon leichtere Schwierigkeiten auf dem Weg zum einkalkulierten Sieg bringen kritische Töne mit sich. Und heftig wird es, wenn das Ziel verfehlt wird. Ein Ausscheiden im Pokal bei einem klassentieferen Gegner hat schon so manche Vorbereitung konterkariert.
Das soll Borussia Mönchengladbach am Freitag in Regensburg nicht widerfahren. Dass es gegen einen Drittligisten und nicht irgendeinen Dorfverein geht, dürfte für die Konzentration und Ernsthaftigkeit auf Gladbacher Seite gut sein. Und da ist ja auch noch Borussias Trainer Lucien Favre, der ohnehin in jedem Spiel hohe Ansprüche an seine Spieler stellt.
»Die dritte Liga ist sehr gut«, warnt der Schweizer seine Mannen. »Ich habe Regensburg gegen Augsburg, Ajax Amsterdam und Babelsberg gesehen. Sie haben viel Qualität, spielen ein 4-4-2 manchmal flach, manchmal mit einer Raute. Sie spielen viel nach vorne, dass machen sie gut. Manchmal verteidigen sie aber auch mit 9 oder 10 Spielern, wie gegen Babelsberg. Deshalb bin ich bereit für alles«.
Das dürfte auch für seine Spieler gelten, denn niemand darf sich vor dem Bundesligastart einen Durchhänger erlauben. »Ich denke, die Mannschaft ist bereit«, sagt Favre. »Die Pause war sehr kurz, wir haben sehr hart gearbeitet. Die Freundschaftsspiele waren am Anfang nicht so gut, aber im Laufe der Vorbereitung haben wir Fortschritte gemacht«.
Bis auf Juan Arango, der erst am Wochenende zurück nach Deutschland kommt, kann Lucien Favre auf den kompletten Kader zurückgreifen. Auch Neuzugang Yuki Otsu ist eine Alternative. »Es ist möglich, dass er dabei ist. Ich werde mich morgen entscheiden«, so Favre.
Dagegen wird Bamba Anderson, der unter Favre bisher keine Rolle spielte, nicht zum Aufgebot gehören. Der Ex-Düsseldorfer könnte möglicherweise zu Eintracht Frankfurt wechseln. Sportdirektor Max Eberl wollte sich am Mittwoch nicht näher dazu äußern. »Er ist jetzt erstmal die nächsten zwei Tage nicht da und dann schauen wir was dabei heraus kommt. Lassen wir uns überraschen. Es ist wie ein Überraschungsei«*
Keine Überraschung wollen die Borussen in Regensburg erleben. »Das Ziel ist ganz klar eine Runde weiter zu kommen«, sagt Lucien Favre, der »wahrscheinlich« noch Elfmeterschießen trainieren lassen will. »Wir wissen, dass die erste Runde im Pokal immer schwierig ist. Diese Erfahrung habe ich auch mit Hertha BSC schon gemacht. Doch ich freue mich, wieder anzufangen. Freundschaftsspiele und Vorbereitung, das ist gut und schön. Aber jetzt kommt ein wenig mehr die Wahrheit«.
*Update 27.07.11 18.10 Uhr: Das Überraschungsei ist geknackt. Bamba Anderson wird für ein Jahr zu Eintracht Frankfurt ausgeliehen. Deren Trainer Armin Veh suchte händeringend einen Innenverteidiger, bei Borussia weiß man, dass Bamba Anderson dringend Spielpraxis braucht. In einem Jahr wird man weitersehen.