Dienstag, 26. Juli 2011 - 15:27 Uhr
Als Yuki Otsu vor zwei Wochen das Probetraining in Mönchengladbach beendet hatte und im Flieger in die Heimat saß, verkündete Borussias Trainer Lucien Favre, dass eine Verpflichtung des Japaners nicht erfolgen werde. Der Schweizer befand den Offensivmann zwar als gut, jedoch nicht besser als die Profis, die ihm ohnehin zur Verfügung stehen.
Eine Woche später wurde Yuki Otsu verpflichtet, am Dienstag nach der ersten Trainingseinheit als „echter“ Borusse der Presse vorgestellt. Mit den verwirrenden Aussagen aus Mönchengladbach in Bezug auf seinen Wechsel will sich der 21-Jährige nicht beschäftigen. »Ich weiß nicht genau, wie das abgelaufen ist. Das hat mein Manager für mich geregelt«, lässt Yuki Otsu übersetzen.
Er ist vielmehr froh, dass der Wechsel in die Bundesliga geklappt hat. »Ich freue mich, dabei zu sein«, sagt er. »Ab heute werde ich alles geben, jeden Tag alles zeigen. Jedes Training ist wichtig für mich, ich will sofort fit sein«.
Ein wenig spekuliert er sogar darauf, am Freitag im Pokalspiel in Regensburg dabei zu sein. »Ich weiß es nicht, das muss der Trainer entscheiden«, sagt er.
Borussias Sportdirektor Max Eberl erklärte derweil, dass man Yuki Otsu schon »vor zwei Jahren entdeckt habe« und nun der richtige Zeitpunkt sei, ihn zu verpflichten. Dass der junge Japaner die Qualitäten hat, sich in der Bundesliga durchzusetzen, steht für Max Eberl außer Frage. »Sonst hätten wir ihn nicht geholt«.
»Wir sind der Meinung, dass er hier Fuß fassen und eine richtig gute Verstärkung werden kann. Mit seinen Dribblings und seiner Schnelligkeit wird er der Mannschaft helfen können«, so Eberl weiter.
Die Borussen wissen, dass man sich besonders ins Zeug legen muss, damit Yuki Otsu keinen „Kulturschock“ erleidet. »Wir werden alles dafür tun, dass er sich hier gut einlebt«, bestätigt Max Eberl. Da Yuki alleine ohne Familie aus Japan kommt, stellt ihm der Verein einen persönlichen Betreuer an die Seite. Yu Nishimura (37), gebürtig aus Kobe und zuletzt in Frankfurt wohnhaft, wird dies übernehmen. Der Kontakt kam über die Beraterseite zustande, Nishimura hat für eine japanische Sportzeitung gearbeitet und war zuletzt in einem Restaurant tätig.
Zumindest im kulinarischen Bereich stellte Nishimura schon seine Fähigkeiten unter Beweis, weil Yuki Otsu am Montag gleich mal Leberkäs mit Ei gegessen hat. »Und es hat ihm sogar geschmeckt«, wusste Max Eberl zu berichten.
Yuki Otsu sagt, »ich habe keine Angst vor dieser Situation«. Er ist sich sicher, dass er sich in der für ihn neuen Welt schnell zurechtfinden wird. Orientieren will er sich dabei an einem Landsmann. »Durch den Erfolg von Shinji Kagawa ist es ein bisschen einfacher, in Deutschland Fuß zu fassen. Kagawa hat Erfolg und das ist schon ein Vorbild«, sagt er über den Dortmunder.
Borussias erster Japaner wird mit der Rückennummer 23 auflaufen, die für ihn »keine besondere Bedeutung« hat. Eine solche hat jedoch sein Name. »Yuki bedeutet Mut«, erklärt er. Und den zeigt Yuki Otsu bei seinem Unterfangen, das Abenteuer Bundesliga anzugehen. Hoffentlich wird sein Mut belohnt.