Donnerstag, 21. Juli 2011 - 07:31 Uhr

Vor ein paar Tagen schien die Sache klar zu sein. Yuki Otsu, der 21-Jährige Offensivspieler aus Japan, wurde nach dem Probetraining bei Borussia Mönchengladbach und einem Einsatz im Testspiel gegen Aberdeen nach Hause geschickt. Mit der offiziellen Botschaft im Gepäck, dass Borussias Trainer Lucien Favre den Japaner zwar für gut, aber keinesfalls für besser als die Spieler hält, die ihm auch so schon zur Verfügung stehen.
Eine Woche später gibt Borussia Mönchengladbach die Verpflichtung von Yuki Otsu bekannt. Anstatt einer Abfuhr erhält der Japaner einen 3-Jahresvertrag beim Bundesligisten. Schon nach dem Spiel gegen Porto hatte Lucien Favre durchklingen lassen, dass seine Absage an Otsu »ein wenig taktisch« begründet gewesen sei. Vermutlich ging es wirklich darum, bei Nachverhandlungen das finanzielle Gesamtpaket in akzeptable Dimensionen zu drücken.
So könnte man den Borussen eigentlich für ihre gewiefte Verhandlungsführung auf die Schulter klopfen. Zumindest dann, wenn Yuki Otsu die dringend benötigte Verstärkung wird. Dass der flinke Japaner allerdings nicht der Wunschspieler von Lucien Favre ist, ließ dieser nicht nur während der Testphase von Otsu in Gladbach, sondern auch nach dem Kauf durchblicken. »Vielleicht ist Yuki eher eine Verpflichtung für die Zukunft«, sagte der Schweizer am Mittwoch. »Aber die Spieler aus Japan sind alle taktisch und technisch sehr gut ausgebildet. Yuki ist zudem läuferisch sehr gut«.
Da Yuki Otsu zudem erst Anfang nächster Woche nach Mönchengladbach kommen und damit beim letzten Test gegen Sunderland fehlen wird, schließt Favre einen Einsatz des Neuzugangs im Pokalspiel in Regensburg aus. Inwiefern der auch als Arango-Ersatz im linken Mittelfeld infrage kommende Akteur zum Ligastart eine Rolle spielen kann, muss abgewartet werden.
Eine gewisse Skepsis ist ohnehin angebracht, wenn man die komplizierte Situation in der aktuellen Transferperiode betrachtet. Lange war nicht klar, für welche Liga die Planungen anzustellen sind, dazu wurden die finanziellen Möglichkeiten durch die – gelungenen – Winterverpflichtungen bereits deutlich eingeschränkt. So mussten Max Eberl & Co mit viel Geschick an die Sache herangehen und auch ein wenig auf das Glück des Tüchtigen hoffen.
Mit Oscar Wendt lotste man einen international erfahrenen Mann in den Borussia-Park, das „KSC-Duo“ Matthias Zimmermann und Lucas Rupp gehört genauso wie der Australier Mathew Leckie – und nun auch Yuki Otsu – zur Kategorie „Talent mit Perspektive“.
Was fehlt, sind noch ein bis zwei gestandene Spieler, die als sofortige Verstärkung einzuplanen sind. Dass die (noch) nicht da sind, hängt zum einen mit der Tatsache zusammen, dass der Markt nur langsam wirklich in Bewegung kommt. Erst einen Monat nach dem Pflichtspielauftakt endet die Transferperiode und bekanntlich geht es erst kurz vor Toresschluss so richtig rund. Es ist also mehr als nur eine Vermutung, dass sich in Gladbach auch in Sachen Zugängen bis zum 31. August noch etwas tun wird.
Dennoch darf attestiert werden, dass in dieser Wechselperiode nicht alles rund läuft für und bei Borussia. Angefangen vom geplatzten Bradley-Verkauf, über die Verletzung von Joshua King bis hin zu den Länderspielverpflichtungen von Juan Arango und Mathew Leckie – mit Blick auf den Saisonstart läuft es alles andere als optimal.
Besonders die fehlenden, aber eingeplanten Mittel aus einem Transfer von Michael Bradley lassen vieles zum Geduldsspiel werden. Da sind vor allem gute Nerven und mehrere Varianten für den ‚Plan B‘ gefragt. Sportdirektor Max Eberl macht den Eindruck, als ob er für diese Situation gewappnet ist. Lucien Favre hingegen wirkt zumindest in den öffentlichen Äußerungen nicht ganz so ruhig. Was wohl auch mit den Erfahrungen zusammenhängen dürfte, die er bei Hertha BSC gemacht hat, als ihm ein ausgedünnter Kader letztlich zum Verhängnis wurde. Das gilt es in Mönchengladbach, bei allem Verständnis für die nicht üppigen finanziellen Möglichkeiten, zu verhindern.