Freitag, 01. Juli 2011 - 14:49 Uhr

Er ist Kapitän, der dienstälteste Profi im Kader, Borussias zuverlässiger Elfmeterschütze und seine Einsatzstatistik ist beeindruckend. Die Bezeichnung Stammspieler trifft wohl auf niemanden besser zu, als auf Filip Daems. Und dennoch war der 32-Jährige über weite Strecken der verkorksten Hinrunde nicht unumstritten, galt sogar für viele als eine Art ‚Sündenbock‘.
»Es war keine gute Zeit«, sagt der Linksverteidiger rückblickend. »Wir standen auf allen Linien nicht gut und haben zu viele Räume gelassen. Dadurch kamen wir viel zu oft in Schwierigkeiten, ich natürlich auch«.
»Wenn du so weit auseinander stehst, hat der Gegner immer mehrere Optionen«, so Daems weiter. »Du musst darauf reagieren und triffst auch mal die falsche Entscheidung oder kommst den entscheidenden Schritt zu spät«.
In der Rückrunde lief es besser. Schon unter Michael Frontzeck, erst recht aber nach der Übernahme durch Lucien Favre. Der Schweizer beorderte wieder Juan Arango ins linke Mittelfeld und konnte diesem offenbar vermitteln, dass er auch defensiv mitarbeiten muss, um das gesamte Konstrukt nicht zu gefährden. Davon profitierte auch Filip Daems.
»Es ist selbstverständlich einfacher, wenn der Abstand zum Vordermann nicht so groß ist«, sagt der Belgier. »Ich denke, die Rückrunde war bis auf wenige Ausnahmen sehr ordentlich«. Diese Einschätzung teilt auch sein Trainer. »Seit ich da bin, hat Filip gut gespielt und nur sehr wenige Fehler gemacht«, lobt der Schweizer.
Also alles in Butter auf Borussias linker defensiver Seite? Nicht ganz. Denn ausgerechnet für diese Position hat Borussia Mönchengladbach mit Oscar Wendt einen international erfahrenen Neuzugang verpflichtet. Filip Daems weiß um die veränderte Situation. »Klar, bin ich mir bewusst, dass das eine neue Konkurrenzsituation ist. Aber der stelle ich mich«, sagt er.
»Das gehört dazu, ich bin lange genug dabei«, erklärt er. Dass Oscar Wendt als neuer Spieler einen Vorteil hat, sieht Daems nicht. »Ich glaube nicht, dass er einen Bonus hat. Da ist alles offen und letztlich wird der Trainer sich entscheiden«.
Damit diese Entscheidung möglichst zu seinen Gunsten fällt, arbeitet Filip Daems auf Hochtouren. In der ersten Trainingswoche wirkt er voll engagiert und hinterlässt körperlich einen ausgezeichneten Eindruck. Es sieht aus, als sei Filip Daems fit wie nie. »Eigentlich sind Gewicht und Werte wie immer«, sagt er. Und dennoch bleibt der Eindruck, dass der Belgier besonders gut im Saft steht und nicht den Hauch des Verdachts aufkommen lassen will, Oscar Wendt so einfach seinen Platz zu überlassen.
Vielleicht wirkt Filip Daems aber auch so frisch, weil die Erleichterung über den positiven Saisonausgang noch nachwirkt. »Die letzten Wochen waren wirklich der Wahnsinn. Es war unglaublich dass wir den Klassenerhalt noch geschafft haben«. Daems glaubt, dass dieser Erfolg das Team wachsen lässt. »Es war eine intensive und für den Zusammenhalt ganz wertvolle Zeit«.
Als Kapitän will Filip Daems die Mannschaft in die neue Saison führen und quasi die Früchte der Aufholjagd ernten. Trainer Lucien Favre erklärte bereits, dass er keinen Grund sehe, Daems nicht als Spielführer zu benennen. Mit einer Einschränkung: »Wenn er spielt«.
Auf dieses Ziel arbeitet Filip Daems in diesen Tagen hin. Er will Borussias Dauerbrenner bleiben: »Ich hätte nichts dagegen, wenn ich auch in der neuen Saison keine Partie verpasse …«.