Mittwoch, 29. Juni 2011 - 18:21 Uhr
Auf den ersten Blick verwundert es, wenn ein Nationalspieler mit 25 Jahren von einem Klub, der gerade nach einer überrangenden Saison Meister geworden ist und in der Championsleague spielt, zu einem Verein wechselt, der so eben dem Absturz in die Zweitklassigkeit entgangen ist.
Für Oscar Wendt ist sein Wechsel von Kopenhagen nach Mönchengladbach jedoch keinesfalls ein Rückschritt. Im Gegenteil. »Ich will mich weiterentwickeln, deshalb der Wechsel«, erklärt der Schwede im Trainingslager von Borussia Mönchengladbach. Die Begründung schiebt er nach: »In Dänemark sind vielleicht vier, fünf Spiele in der Saison auf einem hohen Level. In der Bundesliga gibt es jede Woche eine wirkliche Herausforderung. Der will ich mich stellen«.
Dafür tauscht er sogar die höchste europäische Eliteklasse ein. »Bundesliga ist wie Champions-League – nur die Musik ist anders«. Allein die vollen Stadien sind für Wendt ein Argument. »In Dänemark kommen manchmal nur 5.000 Zuschauer, hier spielst du jede Woche vor einer riesigen Kulisse«.
Dass er den FC Kopenhagen nach fünf erfolgreichen Jahren verlassen wird, stand lange fest. »Schon vor der Saison habe ich gesagt, dass ich im Sommer gehen werde«. Er spielte mit Kopenhagen eine überragende Runde, wurde mit großem Abstand dänischer Meister. »Es ist der perfekte Augenblick für einen Wechsel«, sagt Wendt.
Unter mehreren Optionen fiel seine Wahl auf Borussia Mönchengladbach. »Nach dem ersten Relegationsspiel gegen Bochum war es eigentlich klar«, sagt er. »Borussia ist ein Klub mit Tradition und ich habe das Gefühl, dass es familiär zugeht«.
»Für mich ist der Wechsel in die Bundesliga der Sprung auf den nächsten Level«, meint Wendt. »Ich will mich jede Woche auf höchstem Niveau messen«.
Bei Borussia sieht er dazu offensichtlich eine gute Perspektive, selbst wenn er sich seinen Platz im Team erst erkämpfen muss. »Ich sehe mich als Linksverteidiger, da habe ich fast meine gesamte Karriere gespielt«. Bewusst ist er sich der Tatsache, dass er für diese Position Kapitän Filip Daems verdrängen muss, der bisher in der Vorbereitung einen Top-Eindruck hinterlässt. »Klar, er ist mein Konkurrent. Aber ich will mich entwickeln und du brauchst Konkurrenz, um besser zu werden. So musst du jeden Tag alles geben, damit du letztlich spielst«.
Das will der schwedische Internationale fraglos und damit in die Spuren der ‚Schweden-Tradition‘ in Mönchengladbach treten. »Martin Dahlin und Patrick Andersson kennt in Schweden jeder«, weiß Wendt um seine großen Landsleute mit Mönchengladbacher Vergangenheit. »Seit der WM 1994 sind sie Helden in unserem Land«.
Und ähnlich großen Namen möchte sich Oscar Wendt auch gerne machen. Zum Schritt in die Bundesliga hat ihm auch Marcus Berg (HSV) geraten. »Wir sind gute Freunde und haben natürlich darüber gesprochen«.
Gesprochen hat er bei seiner Anreise ins Trainingslager auch mit Håvard Nordtveit. Ob das Training hart werde, wollte er vom Norweger wissen. 50:50 hatte Nordtveit die Chancen abgewogen. Noch trainiert Wendt mit den übrigen Nachzüglern weitestgehend separat. »Die Intensität wird Schritt für Schritt gesteigert«, weiß er.
Damit er seine Wunschrückennummer 17 (»Die habe ich schon seit vielen Jahren und auch in der Nationalmannschaft«) beim Auftaktspiel in München tragen kann, wird er noch ordentlich schwitzen müssen. Dass es bei seiner möglichen Bundesligapremiere ausgerechnet zu den Bayern geht, ist für Oscar Wendt ein zusätzlicher Ansporn. »Ich finde das fantastisch. Für solche Spiele bin gekommen«, sagt er beim Blick auf das Auftaktprogramm.
Nach der Rückkehr aus dem Trainingslager will er sich zusammen mit seiner Verlobten erstmal um eine Wohnung in Mönchengladbach kümmern und das Hotelleben so schnell wie möglich beenden. Aktuell teilt er sich das Hotelzimmer mit Matthias Zimmermann. »Ich kann kein Deutsch, er nicht so gut Englisch. So kann der eine vom anderen lernen«, lacht der Blondschopf.
Oscar Wendt macht einen unkomplizierten und sympathischen Eindruck und er wird mit seiner Art wohl wenig Eingewöhnungszeit benötigen. Wie es auf dem Platz aussehen wird, bleibt abzuwarten. Die ersten Ansätze sind jedenfalls durchaus vielversprechend. Gut möglich, dass Borussia mit dem neuen ‚Schweden-Happen‘ einen guten Fang gemacht hat.