Montag, 30. Mai 2011 - 21:05 Uhr
Marc-André ter Stegen: Eigentlich hatte der 19-Jährige nicht viel zu tun. An den Kopfball von Maltritz an die Latte kam er nicht ran und beim Gegentor war er machtlos, weil Nordtveit in die Kugel reinlief. Den ansonsten einzigen echt gefährlichen Ball, den Freistoß von Toski von halbrechts, der länger und länger wurde, lenkte er gut über die Latte zur Ecke. Darüberhinaus hauptsächlich als mitspielender Torwart gefragt, weil Dante und Co oft den Rückwärtsgang einlegten. Zweimal kam ter Stegen schnell und rechtzeitig heraus und drosch das Leder weg. In der zweiten Halbzeit musste er eigentlich nur besonders aufmerksam sein, wenn Bochum lange Bälle spielte, die über die Abwehrreihe hinweg flogen und zu fangen waren. Zusammengefasst kann man sagen, dass Borussia inzwischen eine Viererabwehrkette hat, die vom Torwart festgehalten wird. Note 3,0.
Tony Jantschke: Hatte in der ersten Halbzeit einiges an Arbeit zu verrichten und beschränkte sich daher auf seine Grundaufgaben. Er verteidigte meist aufmerksam und kam ohne unnötige Fouls aus. Beim Lattenkopfball von Maltritz versuchte er noch ein wenig zu stören, als Stranzls Timing nicht passte. Beim Gegentor war er allerdings nicht auf der Höhe, als Bochum die Unordnung ausnutzte. Im Spiel nach vorne, bis auf eine Flanke zu Hankes Kopfball im Abseits, sehr zurückhaltend. Nach der Pause machte Jantschke seine Seite absolut dicht und spielte es schon fast abgeklärt runter. Die Ruhe, mit der er als unerfahrener Bundesligaspieler in den letzten Wochen dem Druck standgehalten hat, ist aller Ehren wert. Note 3,0.
Martin Stranzl: Fing schon atypisch an, als er sich in seiner ersten Aktion aufstützte und es sofort Freistoß für Bochum gab. In der Folgezeit wirkte der beständigste Borusse der Rückrunde ungewohnt unsicher. Er sprang bei der Ecke unter dem Ball hindurch und ermöglichte Maltritz den Lattenkopfball und ließ auch in zwei, drei anderen Situationen seine vertraute Sicherheit vermissen. Hinzu kam, dass Bochums Taktik offensichtlich darauf ausgerichtet war, Stranzl den Spielaufbau zu überlassen. Wenn der Österreicher am Ball war, wurden die übrigen Passwege zugestellt und man bot Stranzl die offene Gasse an. Der wirkte in diesen Situationen hilflos, wobei seine Kollegen ihn da auch überhaupt nicht unterstützten. Aus solch einem Aufbauversuch resultierte der Abspielfehler, aus dem der Konter zum Gegentor entstand. Direkt nach der Pause fing Stranzl wieder mit einem Fehlpass an, fand dann jedoch zur gewohnten Sicherheit, auch weil die Mannschaft das Heft in die Hand genommen hatte und der richtige Druck spätestens nach dem Ausgleich nicht mehr aufkam. Note 4,5.
Dante: Von den Bochumer Fans als der Buhmann ausgemacht, wurde Dante von Anfang an bei jedem Ballkontakt gnadenlos ausgepfiffen. Dante meinte später, dass sowas sein Selbstvertrauen nur steigere. Manchmal hatte man jedoch den Eindruck, als würde er mit seiner aufreizend und gespielt langsamen Art die Pfiffe nur provozieren wollen. Letztendlich hatte dies seinen Einfluss auf das überaus träge Aufbauspiel der Borussen. Dante sah schon in der ersten Halbzeit Gelb für ein leichtes Drücken, blieb im Zweikampf jedoch diszipliniert und fast immer Sieger. Sehr oft musste er nicht mehr eingreifen – hier und da ein wenig Aufräumarbeit und nach dem Ausgleich wachsam bleiben. Das schaffte er dann wirklich locker. Note 3,5.
Filip Daems: Der Linksverteidiger warf in der Anfangsphase als einer der wenigen in der Abwehr auch mal den Blick nach vorne. So holte er einen Freistoß in der gegnerischen Hälfte heraus und versuchte mal für etwas Bewegung zu sorgen. Auch im zweiten Durchgang holte er eine Ecke heraus, als er am Anfang und Ende eines guten Angriffs über Hanke und Arango stand. Nach dem erlösenden Reus-Treffer beschränkte er sich richtigerweise auf die Stabilisierung hinten. Von da an reichte Verwaltungsfußball. Note 3,0.
Håvard Nordtveit: War natürlich der Unglücksrabe, weil ihm das Eigentor unterlief. Dabei lag der Fehler weniger darin, den Ball unglücklich über die Linie zu bugsieren, sondern dass er vorher zu spät mitgelaufen war. Wie schon in den letzten Spielen fehlte es dem jungen Norweger ein wenig an der Frische, was vor allem zu Beginn deutlich wurde. Riskant waren ein paar Kurzdrehungen, als die Gegenspieler ganz eng bei ihm waren. In diesen Fällen wäre ein Rückpass besser gewesen, denn bei einem Ballverlust hätte das in dieser Position fatale Folgen haben können. Es ging gut und nach der Pause steigerte er sich, stand u.a. mit seinem Kurzpass an der Basis zum Ausgleichstor. Zudem zeigte er sich wachsam, als er sich mehrmals in die Innenverteidigung fallen ließ, wenn Stranzl sich etwas vorschob. Note 4,0.
Roman Neustädter: Sehr unauffälliges Spiel des Ex-Mainzers, der vor allem vor der Pause gemeinsam mit Nordtveit kaum etwas für den Spielaufbau tun konnte. Er rieb sich in Laufduellen im Mittelfeld auf, zeigte im Gegensatz zum Hinspiel diesmal jedoch eine gewisse Präsenz im Luftkampf gegen Dabrowski. Auch in zwei, drei Zweikämpfen legte er seine Zurückhaltung ab, fuhr ordentlich dazwischen und behauptete sich. Kurz vor dem Pausenpfiff hatte er eine Riesenkopfballchance, als er gut mit eingerückt und am Elfmeterpunkt völlig frei war. Doch er ‚streichelte‘ den Ball nur. Nach dem beruhigenden Ausgleichstreffer spielte er einen unkonzentrierten und schlampigen Fehlpass, der so nicht vorkommen darf. Note 4,0.
Marco Reus: Nach endlosen Behandlungen und mit einigen Schmerzmitteln präpariert konnte Borussias wichtigster Offensivspieler mitwirken. Letztlich hat sich das Risiko gelohnt: selbst ein verletzungsgeschwächter Marco Reus ist wertvoll und kann der entscheidende Mann sein. Sein Tor war absolute Klasse, als er beim doppelten Doppelpass mit de Camargo wie ein heißes Messer durch die Butter glitt und schließlich eiskalt vollstreckte. Zuvor hatte er sich, wie die gesamte Mannschaft, zunächst schwer getan. Zudem schienen die Bochumer eine wilde Jagd auf ihn zu veranstalten, der brutale Tritt von Ostrzolek war absolut rotwürdig. Gegen Ende der ersten Halbzeit wurde Reus aktiver, steigerte sich nach der Pause noch und sorgte schließlich für den erlösenden und krönenden Abschluss. Note 2,5.
Juan Arango: Der Venezolaner konnte auch in Bochum mit seinen fußballerischen Fähigkeiten punkten. Seine Ballverarbeitung ist und bleibt erstklassig. An fast allen Szenen, in denen der Ball richtig gut lief, war Arango beteiligt. Ob am Angriff zur Kopfballchance von Neustädter oder der Kombination Daems-Hanke-Arango-Daems. Seine Ecken waren alle gefährlich und gut in der Höhe, ein Freistoß von rechts verfehlte das Tor. Zum Ende hin spielte er es routiniert herunter, ließ den Ball laufen und war, wie eigentlich in der gesamten Partie, eine gute Hilfe für Daems. Note 3,0.
Mo Idrissou: Hatte große Schwierigkeiten in der ersten Halbzeit, als ihm sehr viele Stockfehler unterliefen. Erst gegen Ende der ersten 45 Minuten kam er besser auf, übersah allerdings einmal einen Kollegen, der in der Mitte völlig blank stand und direkt hätte angespielt werden müssen. Erstes wirkliches offensives Lebenszeichen war sein Lattenkopfball nach Arango-Ecke. In der zweiten Halbzeit war er aktiver und zielstrebiger. Pech hatte der Kameruner, dass Reus nach seinem Fallrückzieher bei der Verlängerung des Balls ins Tor im Abseits stand. In der 68. Minute musste Idrissou für de Camargo weichen. Note 4,0.
Mike Hanke: In der ersten Halbzeit mit ganz schwerem Stand, da kaum verwertbare Bälle nach vorne kamen. Da der Aufbau so langsam erfolgte, war der Stürmer meist gut zugedeckt. Er ließ sich zwar fallen um als Anspielstation zur Verfügung zu stehen, Kombinationen blieben aber Mangelware. Bei seiner einzigen Torchance wurde er wegen Abseits zurückgepfiffen, seine butterweiche Flanke auf Neustädter verwertete dieser leider nicht. Wichtig war der Ex-Hannoveraner dennoch, weil er dagegenhielt und sich nicht den Schneid abkaufen ließ. Das zeigte sich vor allem in Schlussphase, als er intelligent die Bälle hielt und immer nachsetzte, um die Bochumer zu stören. Note 3,5.
Igor de Camargo: Im Hinspiel der Held in der letzten Sekunde, brauchte er diesmal nur vier Minuten, um dem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Sein wunderbarer doppelter Doppelpass mit Marco Reus entschied das Spiel. Dieser Assist war Gold wert. Ohne Note.
Karim Matmour: Marco Reus bekam seinen Sonderapplaus, Karim Matmour durfte in den letzten fünf Minuten noch mitwirken. Die Partie war da allerdings schon durch. Ohne Note.
Roel Brouwers: Kam in der Nachspielzeit, um mit der letzten Wechseloption noch ein wenig Zeit zu gewinnen. Ohne Note.