Sonntag, 29. Mai 2011 - 22:01 Uhr

Am Ende dieses langen Tages im Borussia-Park war das Ergebnis dermaßen eindeutig, dass selbst der Kölner EXPRESS, in den letzten Monaten so etwas wie das boulevardeske Sprachrohr der „Initiative Borussia“, eine derbe Niederlage eingestehen musste. „Effe brutal abgewatscht“, titelte das Blatt in seiner Online-Ausgabe, nachdem die Mitglieder von Borussia Mönchengladbach die ‚Revoluzzer‘ mit Pauken und Trompeten aus dem Stadion verjagten, ohne dass Stefan Effenberg auch nur einen Piep von sich gegeben hatte. Ganze 335 stimmberechtigte Mitglieder sprachen sich für den Antrag von Kox & Co aus, 165 enthielten sich und satte 4269 waren dagegen. Von der erforderlichen 2/3 Mehrheit war die „Initiative“ damit meilenweit entfernt, das Ergebnis ist für sie ein absolutes Desaster.
Dass die „Initiative“ letztlich über ihre unglaublich dilettantische Vorgehensweise gestolpert ist, hat TF im Vorfeld schon thematisiert [Initiative keine Alternative]. Wer es nicht schafft, mit einem dicken Budget im Rücken bei einem sportlich angeschlagenen Verein und einem Präsidenten, den kaum jemand mag, gehaltvollen Wahlkampf zu betreiben – wie sollen die dann den Verein führen? Wer die wahren Kaninchenzüchter sind, steht nicht erst seit heute unzweifelhaft fest.
Dennoch wäre es zu kurz gedacht, nach der ‚Versenkung‘ der „Initiative“ einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen. Am Sonntag wurde lediglich den Anträgen der „Mitgliederoffensive“, den Vorsitzenden des Fanprojekts im Ehrenrat zu installieren und Vereinsanteile nur mit Zustimmung der Mitgliederversammlung zu veräußern, entsprochen. Eine für die aktuelle Vereinsführung relativ unbedeutende Veränderung.
Doch die auf der Mitgliederversammlung von einem Großteil der Anwesenden offen zur Schau getragene Unzufriedenheit mit der Person Rolf Königs verbietet eigentlich ein ignorantes ‚weiter so‘. Zwar hat sich Königs, wie erwähnt, in seinem öffentlichen Auftreten als lernfähig erwiesen, doch bietet die sportliche Entwicklung in seiner Amtszeit tatsächlich keine Bühne für Schulterklopfer. Die Strukturen hat er mit seinem Team geschaffen, das Ergebnis auf dem Platz ist eher bescheiden. So darf man feststellen, dass das aktuelle Konzept der Nachhaltigkeit, vorangetrieben von Max Eberl und gestützt von Rainer Bonhof, für das derzeitige Präsidium die letzte Chance ist. Sollte auch dieses Unterfangen scheitern, wird ein kompletter Neubeginn unausweichlich werden.
In diesem Jahr sind Königs & Co mit einem blauen Auge davon gekommen. Weil die Opposition sich selbst ins Knie schoss und Lucien Favre mit seiner Mannschaft das ‚Wunder Klassenerhalt‘ schaffte und die Borussen-Gemeinde in den letzten Monaten ganz eng zusammenrücken ließ. Doch auf derart glückliche äußere Umstände kann man sich nicht immer verlassen. Es wird ganz wichtig sein, die Lehren aus den zurückliegenden Monaten zu ziehen und Strömungen im und um den Verein genau im Blick zu behalten.