Donnerstag, 26. Mai 2011 - 09:47 Uhr
“Wir wollen die Haare sehn“, skandierten die freudetrunkenen Borussenfans im Bochumer Ruhrstadion, nachdem der Klassenerhalt perfekt gemacht wurde und die Spieler vor der Kurve das „Wunder“ feierten. Gemeint war natürlich die Lockenpracht von Dante, der sein Versprechen hielt: Im Falle der Rettung tauscht er seine Haarpracht gegen eine Glatze.
Es dauerte einige Zeit, dann kam Mike Hanke aus der Kabine. Nur in Unterhose und Badelatschen präsentierte einen Teil des „Skalps“ von Dante. Thorben Marx folgte, brachte den johlenden Fans eine weitere Handvoll Locken. Und kurz darauf ließ sich auch der geschorene Dante feiern.
Als sich Borussias Anhänger stimmgewaltig auf den Heimweg machten, wurde Dante in den Katakomben des Ruhrstadions ernst. Die vorangegangenen 90 Minuten waren nicht so leicht los zu werden wie die Haare. »Wir hatten zwar keine Angst, doch wir waren nicht so gut«, gestand Dante. »Wir haben zu ruhig gespielt in der ersten Halbzeit. Aber wichtig ist, was du am Ende geschafft hast«.
Die Bochumer Fans hatten Borussias Innenverteidiger – ohne erkennbaren Grund – als Buhmann ausgemacht und pfiffen ihn bei jedem Ballkontakt gnadenlos aus. »Ich weiß nicht, warum sie das gemacht haben, das ist eine gute Frage«, zeigte Dante sich ratlos. »Aber sowas motiviert mich nur. Ehrlich, ich finde das super. Da wächst mein Selbstvertrauen«.
Nach dem Schlusspfiff ließen die Spieler Trainer Lucien Favre vor der Kurve hochleben. Den Anteil des Schweizers an der Rettung kann man nicht hoch genug einordnen. »Ich habe keine Worte, alle haben es gesehen«, sagte Dante über Favre. »Ich denke, Borussia hat eine sehr gute Entscheidung mit Favre getroffen. Ich will nicht sagen, dass Frontzeck schlecht war, sondern nur, dass Favre weiß, was Gladbach braucht. Er spricht viel, hat uns Selbstvertrauen gegeben. Er ist ein klarer Mann. Ich freue mich über diese Zeit, die wir zusammen hatten«.
Dantes letzter Satz ließ aufhorchen. Hatte er sich nur etwas missverständlich ausgedrückt oder könnte es sein, dass seine Zeit mit Favre und Borussia tatsächlich ein vorzeitiges Ende findet? »Ich bin ein Mann, der immer alles direkt ins Gesicht sagt. Ich habe immer gesagt, dass ich hohe Ziele habe. Aber wir müssen nochmal sprechen, weil ich bin zweieinhalb Jahre hier, bin im besten Fußballeralter und wenn ich einen Schritt nach oben machen will, dann ist es jetzt oder nie mehr. Ich fühle mich sehr wohl hier, super, ich mag alles hier. Aber ich muss mit dem Sportdirektor sprechen, mit dem Verein, denn ich habe auch mein Ziel. Ich habe immer gesagt, ich will nach oben. Wir müssen jetzt klar im Kopf sein«.
Da dürfte in den nächsten Tagen einiges in Bewegung kommen, auch wenn Dante nicht ausschließen will, dass dieser Schritt nach oben auch mit der Borussia möglich ist. »Warum nicht? Aber wir müssen sprechen. Denn dieser Verein, das habe ich auch vor der Saison gesagt, kann nicht immer gegen den Abstieg kämpfen. Wenn man sich die Fans, das Stadion, alles anschaut – das geht nicht. Tut mir leid«.