Dienstag, 24. Mai 2011 - 20:22 Uhr

In jeder Mannschaft gibt es Spieler, die nicht zu ersetzen sind. Weil sie die individuelle Klasse verkörpern, die eben nicht alltäglich ist. Bei Borussia Mönchengladbach gehört fraglos Marco Reus in diese Kategorie. Nach seinem kometenhaften Aufstieg in der vergangenen Saison startete er auch in der am Mittwoch zu Ende gehenden Spielzeit durch. Der allgemein erwartete Einbruch des 21-Jährigen in seiner zweiten Bundesligasaison blieb aus.
Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil Marco Reus das Niveau halten konnte, während um ihn herum die Mannschaft auseinander bröckelte. Als Lucien Favre das Gebilde wieder kittete, drehte Reus noch weiter auf und avancierte zur besten Offensivkraft und mit seinen Toren zur ‚Lebensversicherung‘ im Abstiegskampf.
Deshalb bangten auch alle, dass Reus bloß nicht die zehnte Gelbe Karte erhält und in einem der zahlreichen ‚Endspiele‘ der letzten Wochen fehlen würde. Die gelbe Gefahr bannte Reus, er blieb ohne Verwarnung. Und trotzdem droht er nun im allerletzten Finale dieser verrückten Saison auszufallen.
Ein Muskelfaserriss stoppte ihn im Hinspiel gegen den VfL Bochum. So lautete zumindest die offizielle Diagnose. So ganz sicher waren sich die Beteiligten allerdings nicht, schließlich spielte Reus noch 70 Minuten mit der Verletzung weiter. Und auch Lucien Favre vermochte am Montag nicht genau bestimmen, was Reus denn nun genau fehlt.
Fakt ist, dass die medizinische Abteilung der Borussia seit Tagen auf Hochtouren schuftet, um den flinken Offensivmann für das Spiel in Bochum doch noch hinzubekommen. Am Dienstag gab es beim nicht öffentlichen Abschlusstraining einen Härtestet, dessen Ergebnis zumindest noch hoffen lässt. Es leuchtete zwar kein grünes Licht, doch ging der Daumen auch nicht runter. Marco Reus gehört zum vorläufigen Kader, der zur Sicherheit 19 Mann umfasst. Ob Reus zum endgültigen Aufgebot gehört, wird sich erst kurzfristig entscheiden.
Doch ob nun mit oder ohne Marco Reus – die Vorzeichen für das Spiel im ausverkauften Ruhrstadion sind klar. Die Borussia hat nach dem 1:0-Sieg im Heimspiel alle Trümpfe in der Hand. Ein Remis reicht für den Klassenerhalt und durch die Europapokal-Arithmetik müsste Bochum schon drei Tore für ein Weiterkommen erzielen, sollte Borussia selbst ein Treffer gelingen.
Im Bewusstsein dieses Umstandes darf man wohl einen kämpferischen und etwas offensiveren Gastgeber aus Bochum erwarten, allerdings wird die Funkel-Truppe wohl kaum von Beginn an mit offenem Visier anrennen.
Es dürfte also wieder ein Geduldsspiel werden, bei dem die Borussen die zuletzt gezeigten Qualitäten in die Waagschale werfen müssen: Hochkonzentriert und als Mannschaft gemeinschaftlich arbeiten und die Gefahr vom eigenen Tor fern halten. Und natürlich offensive Nadelstiche setzen und den so wichtigen eigenen Treffer erzielen.
Für diese Spielweise ist Marco Reus prädestiniert, aber im Notfall muss es halt auch ohne den Mann gehen, den die Borussia anscheinend im letzten Jahr selbst für 15 Millionen nicht abgeben wollte.
Beim möglichen Ausfall des baldigen Nationalspielers dürften Karim Matmour oder Patrick Herrmann die Alternativen sein. Ansonsten sind alle Spieler fit und es gibt keinen Grund für Lucien Favre, die zuletzt eingespielte Stammformation zu ändern. Der Siegtorschütze aus dem Hinspiel, Igor de Camargo, dürfte wegen des Trainingsrückstands erneut von der Bank kommen.
Dass letztlich wieder gute Nerven gefragt sein werden, erklärt sich fast von selbst. Was Mannschaft, Trainer und Fans in den letzten Wochen erlebt haben, ist schon hammerhart. Doch gerade aus der Tatsache, dass diese Energieleistung trotz der ungünstigen Voraussetzungen möglich war, sollte dafür sprechen, dass im Ruhrstadion Geschichte geschrieben wird. Die von der endgültigen Auferstehung von Borussia Mönchengladbach.