Sonntag, 22. Mai 2011 - 20:05 Uhr
Marc-André ter Stegen: Wieder ein Spiel ohne Gegentor für den 19-Jährigen, der auch gegen Bochum gefiel. Vieles was er macht, sieht sehr routiniert aus, resultiert letztlich jedoch aus dem Vertrauen in das eigene Können. Das zeigte er auch im ersten Relegationsspiel, als er einen Schuss von Maltritz über den Querbalken lenkte und sich bei zwei weiteren Versuchen der Gäste keine Blöße gab. Auch in der Strafraumbeherrschung sicher – hohe Hereingaben sind seine Beute. Nicht ganz glücklich sah ter Stegen bei der Kopfballchance von Yahia in der Anfangsphase aus, als er beim Rückweg ins Tor schon geschlagen war, Daems rettete für ihn. Als mitspielender Keeper auf der Höhe, so rettete er einmal mit gut getimten Kopfball außerhalb des Strafraums. Schmerzhafte Erfahrung machte er mit Ex-Nationalspieler Paul Freier, der im von ter Stegen gewonnen Laufduell durchzog und den Knöchel des Keepers traf. Zum Glück konnte er weiterspielen. Note 3,0.
Tony Jantschke: Hinterließ in der Anfangsphase einen etwas zögerlichen bzw. leicht unkonzentrierten Eindruck. Die flinken Bochumer verwickelten ihn oftmals in Laufduelle und anders als noch am letzten Samstag in Hamburg gegen Elia unterliefen Jantschke diesmal einige Foulspiele. Allerdings wurde auch er richtig hart rangenommen und musste dagegen halten. Dennoch hatte er im ersten Durchgang einige Schwierigkeiten in der Zweikampfführung. Nach dem Seitenwechsel wirkte er gefestigter und schaltete sich nach einer Stunde, als die Borussia anzog, einige Male mit nach vorne ein und machte ordentlich Druck über seine Seite. Note 3,5.
Martin Stranzl: Der Österreicher zeigte auch gegen Bochum, warum er so eine wichtige Größe für die Borussia ist: Kompromisslos, konzentriert, kampfstark – ein echter Krieger. Auch wenn in ein, zwei Situationen das Timing im Stellungsspiel und Zweikampf nicht ganz passte, blieb er ruhig und besonnen. Auch als er sich berechtigterweise an der Bochumer Bank bzw. beim vierten Offiziellen meldete, um die übertrieben aufgebrachten Reklamationen anzuprangern. Fast fehlerlos sein Passspiel, bei dem er absolut kein Risiko geht. Note 2,5.
Dante: Ein paar Mal sorgte der Brasilianer für kollektives Herzrasen, als er hinten zum Dribbling ansetzte oder komplizierte Kombinationen versuchte. Doch es ging stets gut, selbst wenn es Nerven kostete. Dante musste einige Male dazwischenfunken, insgesamt wurden vier Foulspiele gegen ihn gepfiffen. Seine Passquote war nicht ganz so gut wie die von Nebenmann Stranzl, wobei Dante mehr Ballkontakte hatte und mehrere lange Bälle spielen musste, als es keine Anspielstationen gab. In der Schlussphase rettete Dante nach dem Fehler von Arango vor dem Strafraum in höchster Not. Er selbst hatte zwei ausgezeichnete Kopfballchancen nach Ecken: In der ersten Halbzeit war er völlig blank, wuchtete den Ball aus fünf Metern jedoch über das Tor. Und in der Drangphase am Ende setzte er einen Kopfballaufsetzer knapp über den Querbalken. Note 3,0.
Filip Daems: Hatte seine auffälligste Szene gleich zu Beginn, als er nach dem Yahia-Kopfball mit Hilfe der Latte auf der Torlinie rettete. Darüber hinaus mit einem soliden Spiel, wobei er sich fast ausschließlich auf die Defensive beschränkte. Das erledigte er abgeklärt, wenngleich Freier ein paar Mal etwas versuchte. Einmal unterlief Daems ein gefährlicher Fehlpass in die Füße eines Gegners, doch er konnte die Situation selbst wieder bereinigen. Note 3,0.
Roman Neustädter: Die ‚Dauerlaufleistung‘ des 23-Jährigen stimmte wie fast immer. Doch diesmal waren viele vergebliche Wege dabei, denn er lief meist nur hinterher, ohne überhaupt in den Zweikampf zu kommen. Und wenn, dann blieb er oft nur zweiter Sieger. Er versuchte zwar bissig zu stören, kam jedoch meist nicht hin. Sah die Gelbe Karte noch vor dem Pausenpfiff, war danach geschickt genug, sich nicht in die Gefahr eines Platzverweises zu bringen. Sein Passspiel war solange in Ordnung, wie es um die kurze Weiterleitung ging. Offensiv ohne jegliche überraschende Aktion, wobei er schon den Anschluss suchte und sogar zwei Möglichkeiten zum Rebound hatte, hier aber die letzte Entschlossenheit vermissen ließ. Note 4,0.
Håvard Nordtveit: Was sich in den letzten Wochen schon andeutete und zuletzt in Hamburg offensichtlich wurde, zeigte sich auch gegen Bochum: Der junge Norweger geht auf dem Zahnfleisch. Nicht nur körperlich, sondern auch geistig fehlt die Frische. Durch die Überzahl der Bochumer im Mittelfeld bekam er wie Kollege Neustädter kaum Zugriff auf den Gegner. Dazu unterliefen ihm einige seltsame Abspielfehler. In einigen Situationen, als er mit Ball nach vorne ging, vergab er überhastet und entscheidungslos. Doch der 20-Jährige biss auf die Zähne und bewies, dass er trotz Formschwäche zu keinem Zeitpunkt ein Totalausfall ist. Und sein langer Einwurf in der Nachspielzeit brachte diesmal ein zählbares Resultat. Note 4,0.
Marco Reus: Wie schon in Hamburg begann er wie aufgedreht, doch auch die Bochumer hatten sich gut auf Borussias beste Offensivkraft eingestellt. Meist zwei, manchmal auch drei Gegenspieler bearbeiteten ihn, so dass er sich mit seinen Soloversuchen festlief. Dazu war Reus schon früh durch die Muskelverletzung gehandicapt. Ob es schlau war ihn weiterspielen zu lassen bzw. von Reus, weiterspielen zu wollen, wird sich am Mittwoch zeigen. In der ersten Halbzeit rückte er ein paar Mal in die Mitte, tauschte zudem mit Arango die Seite. Nach der Pause zurückhaltend und weitestgehend unauffällig. Trotzdem stieß er einmal in die Lücke und wurde gefoult – was durchaus auch als Notbremse hätte gewertet werden können. Wurde dann in der Schlussphase gegen Matmour ausgetauscht. Hoffentlich reicht es zur ‚Wunderheilung‘ für das Rückspiel. Note 4,0.
Juan Arango: Er ist und bleibt ein Spieler, der den Unterschied machen kann. Zwar gibt es auch solche Aussetzer wie in der Schlussphase, als ihm dieser katastrophale Ballverlust unterlief. Oder der eine oder andere Pass, der im Niemandsland verendet. Doch sind da eben auch die Momente, in der sich die Extraklasse des Venezolaners zeigt. In der exzellenten Ballbehandlung, wenn er selbst schwierige Zuspiele mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit verarbeitet. Oder wenn er plötzlich explodiert, so wie vor der Flanke auf Hanke oder der geistesgegenwärtigen Reaktion in den Schlusssekunden, als er den abgewehrten Ball von der Torausline scharf in den Fünfmeterraum zog. Sechs Torschussvorlagen gegen Bochum sprechen für sich. Und auch nach hinten arbeitete er aufmerksam und energisch mit. Note 2,5.
Mo Idrissou: Ging ein paar Mal wie ein Pfeil nach vorne, leider kamen die anschließenden Flanken nicht mal in die Nähe eines Kollegen. Wo seine Bälle landeten, war weit und breit kein Mensch zu sehen. Auch sonstigen Abspielen fehlte es an Präzision. Der Kameruner machte enorm lange Wege und mit seiner Kopfballstärke bei Standards half er der Mannschaft sehr. Am Ball in Einzelaktionen weiß keiner was kommt. Nicht der Gegner, nicht die Mitspieler und wohl auch nicht Idrissou selbst. Ein steuerloser, intuitiver Stürmer. Manchmal klappt’s, gegen Bochum meistens nicht. Nach 67 Minuten musste er de Camargo weichen. Note 4,0.
Mike Hanke: Das wohl beste Spiel des Winterneuzugangs im Trikot der Borussia. ‚Kippte‘ bereits früh im Spiel ab und ließ sich ins Mittelfeld zurückfallen. Dort als Anspielstation immer wieder gesucht. Entweder ließ er abprallen, oder aber er verteilte die Bälle. Dabei war der Ex-Schalker ungemein ballsicher, kombinationsfreudig und wartete mit richtig guten Ideen auf. Bemüht um Direktspiel wenn es ging, wartend auf nachrückende Mitspieler wenn es sein musste. Und auch wenn die Wege bis zum gegnerischen Tor weit waren, weil er sich so weit fallen ließ, war er der gefährlichste Stürmer mit gleich sechs Torabschlüssen. Dabei machte er alles richtig, wurde jedoch entweder im letzten Moment noch gestört oder scheiterte am über sich hinauswachsenden Bochumer Torwart. Zwei Kopfbälle in Mittelstürmermanier gehörten dazu. Logisch, dass Favre Hanke diesmal durchspielen ließ. Auch in der Schlusssekunde war Hanke da, konnte den Ball allerdings nicht über die Linie bringen. Zum Glück traf de Camargo, sonst wäre Hankes gute Leistung arg getrübt worden. Note 2,0.
Igor de Camargo: Kam für Mo Idrissou und sorgte schon nach wenigen Minuten für bange Blicke, als er sich wieder verletzt zu haben schien. Doch er spielte weiter, sehr bemüht, manchmal etwas schläfrig wirkend als er dem Ball nicht entgegenkam, aber zunächst ohne die passende Aktion. Wieder sehr auffällig, dass er den Schiedsrichter direkt anging. Hier muss er wirklich aufpassen. Sein Tor in der letzten Sekunde war die Erlösung, wobei es schon sehr außergewöhnlich ist, wie er den Ball traf. Dass er nicht lange überlegt und es nur darum geht, zu knipsen, ist durchaus eine Qualität. Ohne Note.
Karim Matmour: Ersetzte Marco Reus in den letzten Minuten und machte mit zwei, drei Antritten und einer schönen Flanke auf Hanke nochmals Musik auf der rechten Seite. Ohne Note.