Mittwoch, 18. Mai 2011 - 07:41 Uhr
Nein, wirklich nötig ist der ‚Nachschlag‘ nicht, den die abgelaufene Bundesligasaison für Borussia Mönchengladbach noch bereithält. Wäre die Spielzeit halbwegs normal verlaufen, würden die Borussen-Profis in diesen Tagen irgendwo die Mannschaftskasse verjubeln, den gesicherten Mittelfeldplatz begießen und mit leicht geschwollenen Augen registrieren, dass sich da irgendwo noch zwei Klubs um den letzten Startplatz in der Ersten Bundesliga duellieren müssen.
Doch normal war in der Saison nun wahrlich nichts. Realistisch betrachtet müssten die Borussen wohl eher den Frust über den dritten Abstieg der Vereinsgeschichte ertränken. Doch weil eben 2010/2011 wirklich nichts normal war, dürfen sie sich in Mönchengladbach über den Relegationsplatz freuen. Haben sie doch damit die Möglichkeit, die lange Zeit ausweglos erscheinende Situation doch noch zu einem Happy-End zu drehen.
Worum es geht, ist vor dem Duell zwischen VfL und VfL klar: ‚Tod oder Gladiolen‘, wie es Louis van Gaal ausdrücken würde.
Borussia kann die beiden finalen Spiele mit einem gewissen Rückenwind angehen. Die Formkurve der letzten Wochen zeigt deutlich nach oben, die Mannschaft hat sich stabilisiert und zuletzt selbst hochkarätige Gegner bezwingen können. Dass dennoch eine Nervenschlacht bevorsteht, ist nicht nur der unterirdischen Bilanz der Borussen aus den letzten Jahren gegen Bochum geschuldet.
»Der Unterschied zwischen dem 16. der Ersten und dem 3. der Zweiten Bundesliga ist so groß nicht«, sagte Borussias Trainer Lucien Favre am Dienstag und wies die Favoritenrolle von sich. »Für mich stehen die Chancen bei 50:50«.
Es lastet großer Druck auf den Borussen, doch gerade das könnte sich als Vorteil erweisen. Schließlich reihen sich seit geraumer Zeit die Endspiele aneinander. »Für uns ändert sich nicht soviel«, bestätigte Favre. »Der Druck war in den vergangen Wochen schon enorm hoch für uns«.
Und so bereitet der Schweizer seine Mannen genauso akribisch auf den VfL Bochum vor, wie auf jeden anderen Gegner. Favre hat die Bochumer im letzten Saisonspiel gegen Duisburg vor Ort beobachtet, hat sich zudem umfangreiches Anschauungsmaterial zusammenstellen lassen und dieses analysiert. »Sie spielen meist im 4-3-3 oder manchmal auch im 4-3-2-1-System, sind aggressiv und sehr gut organisiert«.
Bochums Coach Friedhelm Funkel, in Berlin glückloser Nachfolger von Lucien Favre, ist zudem als pragmatischer Trainer bekannt, der seine Mannschaften zwar nicht attraktiv, aber sehr ergebnisorientiert spielen lässt. Dazu hat er mit Freier, Dabrowski und Co. einige erfahrene Haudegen im Team.
»Es wartet ein hartes Stück Arbeit auf uns«, weiß Lucien Favre. Und diese Erkenntnis hat er auch seinen Profis vermittelt. »Das wissen auch die Spieler«, ist er sich sicher.
Es ist zu erwarten, dass die Bochumer betont defensiv und abwartend im Borussia-Park auftreten werden, um mit einem Konter ein wichtiges Auswärtstor zu markieren. Durch die Europacup-Arithmetik könnte der Zweitligist dann den Vorteil nutzen, dass er im Rückspiel Heimrecht hat.
Von daher ist nicht damit zu rechnen, dass das Spiel morgen mit offenem Visier geführt wird. Auf Gladbacher Seite dürfte Geduld gefragt sein und ganz besondere Konzentration bei der Arbeit gegen den Ball. »Die Null muss immer stehen, da führt kein Weg dran vorbei«, sagte Borussias Keeper Marc-André ter Stegen. »Mit der Unterstützung der Fans im Rücken schaffen wir das und werden uns eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel erarbeiten«, ergänzte der 19-Jährige.
Personell kann Borussias Trainer Lucien Favre aus dem Vollen schöpfen. Die nach dem Hamburg-Spiel leicht angeschlagenen Akteure sind fit, auch Igor de Camargo wird wieder zum Kader gehören. Für einen Einsatz über 90 Minuten reicht es zwar noch nicht, aber »es ist gut, dass er wieder dabei ist«, sagte Borussias Coach.
Nach dosierten Trainingseinheiten in den letzten Tagen findet am heutigen Mittwoch das Abschlusstraining unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Und am Donnerstag steigt dann Teil 1 der Nervenschlacht im restlos ausverkauften Borussia-Park. Weit jenseits jeglicher Normalität …