Dienstag, 17. Mai 2011 - 07:28 Uhr

Marc-André ter Stegen: Kam gut in die Partie und hielt einen tückischen Schuss von Elia sicher fest. Kurz darauf überwand ihn Elia, der Treffer wurde jedoch zurecht nicht anerkannt. Darüber hinaus bei allen Schüssen auf dem Posten. Beim Gegentor mit etwas Pech, vielleicht zögerte er auch einen winzigen Moment zu lange. Allerdings musste er auch auf Dantes Reaktion im Duell mit van Nistelrooy spekulieren. Ansonsten mit einer überzeugenden Präsenz im Strafraum. Der 19-Jährige pflückte alle hohen Bälle mit großer Selbstverständlichkeit und spielte auch aufmerksam mit, so u.a. als er einmal den Ball per Kopf rechtzeitig ins Seitenaus beförderte. Seine Abschläge waren mehr als ordentlich. Note 3,0.
Tony Jantschke: Hatte einen schweren Stand gegen den ‘geradeaus-Dribbler‘ Elia, der oft mit großer Geschwindigkeit auf ihn zulief. In den Laufduellen war er unterlegen, wollte jedoch unbedingt jegliches Foulspiel vermeiden, was ihm auch gelang. Dafür musste er Elia in der einen oder anderen Situation passieren lassen. Darüber hinaus war sein Stellungspiel in Ordnung, am Ball blieb er ruhig und abgeklärt. Vor allem in der ersten Halbzeit ein gutes Verständnis mit Reus. Beim aberkannten Tor von Ben-Hatira mit dem Ellenbogen niedergestreckt, später erwischte auch Elia ihn mit dem Ellenbogen. Nach der Pause, als Hamburg den Druck erhöhte und Borussias Mittelfeld kaum noch Zugriff hatte, sah sich der 21-Jährige mehrmals Elia und dem nachrückenden Aogo alleine gegenüber. Das hätte in dieser Phase ins Auge gehen können. Note 3,5.
Martin Stranzl: Der Österreicher bringt seine Leistungen mit einer erstaunlichen Zuverlässigkeit. Auch in Hamburg blieb er ohne Aussetzer und gewohnt knallhart im Zweikampf. Besonders in den Situationen, wo der Gegner mit dem Rücken zum Tor angespielt wird, kommt Stranzl oftmals blitzschnell mit langem Bein als Erster an den Ball – ohne Foul zu spielen. Nur ein einziges unterlief ihm, als er jedoch zupacken musste und dafür auch die Gelbe Karte sah. Als ‚heimlicher Kapitän‘ auch außerhalb des Platzes mit starkem Auftritt, als er im Anschluss die Leistung in der zweiten Halbzeit kritisierte, um alle vor den Relegationsspielen wachzurütteln. Note 3,0.
Dante: Spielte konzentrierter als zuletzt und verzichtete fast vollends auf riskante Aktionen vor dem eigenen Strafraum. Im Aufbauspiel sehr sicher, nur nach der Pause leistete er sich einen Leichtsinnspass in die Füße des Gegners, der dann freie Bahn hatte. In den direkten Duellen nicht ganz so dominant wie gewohnt, kam er jedoch auch mit nur einem Foul aus. Beim Gegentor wurde der Brasilianer vom langen Ball überrascht und unterschätzte dann etwas die Klasse und den Willen von van Nistelrooy, der sich durchsetzte. Dante hätte die Situation fast noch bereinigt, doch Ben-Hatira staubte ab. Note 3,5.
Filip Daems: Auch Borussias Kapitän hatte keinen einfachen Stand, kam jedoch wie sein Gegenüber Jantscke ohne ein einziges Foulspiel aus. Der Belgier bot insgesamt eine starke Leistung, war immer da und es unterlief ihm kein Aussetzer. Nur ganz am Ende dribbelte er einmal zu lange, nachdem er sich zuvor den Ball erobert hatte und verlor ihn letztlich. Der 32-Jährige klärte ein paar Mal gut zur Ecke und auch im Luftkampf blieb er fast immer Sieger. Vor dem Gegentor köpfte er zu Arango, der jedoch zu langsam reagierte und den weiten Schlag auf van Nistelrooy zuließ. Note 3,0.
Roman Neustädter: Gab in der 2. Minute den ersten Torschuss ab, als er es fast aus dem Stand versuchte. Offensiv war das jedoch die einzige Aktion des 23-Jährigen. Er beschränkte sich ansonsten auf Laufarbeit und plagte sich mit Tesche oder Zè Roberto herum. Allerdings kam er nur sehr selten in einen Zweikampf, von denen er dann nur wenige für sich entscheiden konnte. In der Umschaltung sehr zögerlich und zurückhaltend. Seine Pässe beschränkten sich meist auf den risikolosen Kurzpass, zwei-, dreimal brachte er das Spiel mit einem schnellen Pass ins Rollen. Gegen Ende wirkte Neustädter leicht abwesend, was ihm auch einen Rüffel vom Trainer einbrachte, als er angeschossen wurde und dann ohne Reaktion zuschaute, wie der Gegenspieler sich den Ball schnappte. Note 4,0.
Håvard Nordtveit: Es sieht so aus, als ob der junge Norweger ein leichtes Tal durchläuft. Laufarbeit und Bereitschaft sind nach wie vor gut, doch er wirkt etwas unkonzentriert und nicht ganz frisch. So zögerte er z.B. ohne Grund vor dem aberkannten Tor und brachte Elia so in die gute Ausgangslage zu seinem Antritt. In einigen Situationen wirkte er ungewohnt kopflos, auch der eine oder andere Pass war recht planlos. Nach Balleroberungen sehr zurückhaltend und bei seinen Vorstößen fehlten Dampf und wohl auch die letzte Überzeugung. Nordtveit muss vor den Relegationsspielen nochmal alles mobilisieren. Note 4,5.
Marco Reus: Borussias Mann der letzten Wochen schien durch seine Nominierung für die Nationalelf zusätzlich beflügelt und zeigte sich vor der Pause sehr engagiert. Immer wieder zog er an und suchte den direkten Weg vor das Hamburger Tor. Leider blieb er in letzter Instanz meist irgendwo hängen oder übersah mitgelaufene Mitspieler. Letztlich kam er nur mit einer Direktabnahme zu einem gefährlichen Abschluss. Dennoch mit seiner Bissigkeit und seinen Tempoaktionen der auffälligste und gefährlichste Borusse im ersten Durchgang. Das änderte sich dann nach dem Wechsel, als er zeitweise gänzlich abtauchte und auch in der Arbeit nach hinten nicht mehr ganz so engagiert wirkte. Erst in der letzten Phase des Spiels wieder öfter zu sehen, so u.a. mit einem Klassepass auf de Camargo. Note 3,0.
Juan Arango: Borussias ‚Künstler‘ startete mit einem gelungenen Hackentrick und hatte auch in Hamburg selbst unter Druck wieder Dinge drauf, mit denen nur er rechnet. Das und manche Verlagerung aus dem Fußgelenk sind wirklich außergewöhnlich. Auch seine Defensivarbeit war weiterhin lobenswert, zumindest vor der Pause. Endlich war er mal wieder mit einem Freistoß erfolgreich, diesmal unter Mithilfe von Frank Rost, der die Mauer falsch stellte und dann noch einen Schritt in die falsche Ecke machte. Nichtsdestotrotz ein gut getretener Ball von Arango. Obwohl der eine oder andere lange Pass misslang, war es vor der Pause eine mehr als ordentliche Vorstellung des Venezolaners. Nach dem Wechsel fand er dann kaum noch statt, vor dem Ausgleich war er nach dem Daems Kopfball nicht wach und ließ den langen Ball auf van Nistelrooy zu. In den nächsten beiden Spielen muss Arango zweimal 90 Minuten auf der Höhe sein. Note 3,5.
Mo Idrissou: Machte wieder viele Wege im Sturm, wich immer auf die Seiten aus und beschäftigte die Gegenspieler. Leider blieben die Spielfortsetzungen oft nur Stückwerk, viele Flankenversuche oder Pässe versandeten. Der 31-Jährige arbeitete über die gesamte Spielzeit nach hinten aufmerksam mit und war bei gegnerischen Ecken wieder als Herr der Lüfte im eigenen Strafraum unterwegs. Gegen Ende bekam er seine Torchance, doch sein Kopfball war nicht wuchtig genug. Note 3,5.
Mike Hanke: Borussias zweiter Stürmer machte vor dem Seitenwechsel sehr konstruktiv mit und spielte einige gescheite Pässe. Seine Sicherheit im Abspiel ist bemerkenswert, das Zusammenspiel vor allem mit Reus funktionierte gut. Er selbst konnte sich am oder im Strafraum allerdings nicht behaupten, ein abgefälschter Distanzschuss vor der Pause, der knapp vorbei ging, blieb seine einzige Torchance. Als Konterspieler nach der Pause in zwei Aktionen auf verlorenem Posten. Musste dann in der letzten Viertelstunde für de Camargo das Feld räumen. Note 3,5.
Igor de Camargo: Feierte sein eigentlich nicht mehr erwartetes Comeback. Seine Krankengeschichte gilt es nach der Saison nochmal besonders zu hinterfragen. In Hamburg merkte man ihm an, dass noch einiges an Spritzigkeit fehlt. Das entschuldigt allerdings nicht, dass er den tollen Pass von Reus nicht verarbeiten konnte und in günstiger Position den Ball verspringen ließ. De Camargo bestürmte mehrmals den Schiedsrichter und hatte Glück, dass der ausgesprochen souverän reagierte. In der Relegation muss sich de Camargo diesbezüglich dringend zügeln. Ohne Note.