Sonntag, 15. Mai 2011 - 15:18 Uhr
Als Schiedsrichter Manuel Gräfe mit seinem Abpfiff in der Hamburger Arena den 34. Spieltag beendete, fiel der Jubel der Gladbacher Borussen relativ verhalten aus. Denn anders als für den HSV bedeutete das 1:1-Remis nicht den Schlusspunkt der Saison. Die Borussia dagegen muss in die Verlängerung gegen den VfL Bochum.
Doch sind die Relegationsspiele wirklich ein „Muss“ oder nicht vielmehr etwas richtig Positives? »Es ist gerade eine komische Stimmung bei uns. Ein wenig bedrückt«, verriet Mike Hanke in den Katakomben der Hamburger Arena. »Wenn du nochmal so die Kehrtwende schaffst, willst du natürlich auch das Maximale rausholen. Das haben wir nach unseren guten Leistungen in den letzten Wochen heute leider nicht geschafft. Wir haben das Minimalziel erreicht«.
Doch dieses Minimalziel ist weitaus mehr, als die meisten den Borussen vor wenigen Wochen zugetraut hätten. »Ja sicher«, bestätigte Hanke. »Aber wir müssen das alles erstmal verarbeiten. Das war heute auch für uns sehr, sehr viel«.
Die Dramatik des Saisonfinales hing natürlich auch über der Hamburger Arena und die Ereignisse auf den anderen Plätzen hatten schon einen Einfluss auf das eigene Spiel. »Die Situation war nicht einfach mit der Einblendung der Ergebnisse«, erklärte Lucien Favre. »Keine Mannschaft der Welt kann das beherrschen. Das ist nicht einfach«.
Auch der erfahrene Coach schwitzte an der Seitenlinie Blut und Wasser. »Als ich Anfang der zweiten Halbzeit vom 1:0 der Frankfurter in Dortmund hörte, war das ein Schlag«, gab der Schweizer zu. »Sie können sich vorstellen, dass das nicht leicht war«.
Zwar hatte seine Mannschaft bis dahin die Hausaufgaben gemacht und lag durch das Freistoß-Tor von Juan Arango verdient in Front. »Vor der Pause waren wir spielerisch sehr gut und das bessere Team«, lobte Favre. Doch nach einem relativ ordentlichen Start in den zweiten Durchgang drohten die Felle plötzlich wegzuschwimmen. Und parallel dazu überschlugen sich auf den anderen Plätzen die Ereignisse.
Einige Borussen waren nun von der Rolle. »Was wir in der zweiten Halbzeit gespielt haben, das war nicht okay«, ereiferte sich Martin Stranzl. »Das war nicht das, was wir uns vorgenommen hatten, nicht das, woran wir anknüpfen wollten«.
»Wir haben zu kompliziert gespielt, es gab zu wenig Bewegung und zu leichte Ballverluste«, erklärte Lucien Favre. »Dann ist es nur eine Frage der Zeit, wann du die Quittung bekommst. Natürlich war es extrem schwer, vor allem auf unserer rechten Seite, wo Elia überragend gespielt hat. Dennoch war es eine sehr große Enttäuschung für mich«.
»Vielleicht war der ein oder andere müde oder hat geglaubt, es geht schon so«, kritisierte Martin Stranzl. »Wenn der ballführende Spieler keinen Druck hat, dann kann er machen was er will. Du musst immer 100% geben, alles abrufen und nie denken, dass du einen Schritt weniger machen kannst«.
»Vielleicht war es der richtige Schuss vor den Bug vor den zwei wichtigen und schweren Relegationsspielen«, hofft der Österreicher. Es soll nur ja niemand glauben, dass die Sache gegen den VfL Bochum ein Selbstläufer wird. »Viele werden sagen, dass wir der Favorit sind«, weiß Lucien Favre. »Doch das ist nicht so. Es sind zwei Spiele, die Chancen stehen 50:50. Der Unterschied zwischen dem dritten der zweiten Liga und dem sechzehnten der ersten Liga ist so groß nicht. Doch der Druck liegt bei uns, aber da müssen wir durch«.
Dazu kommt, dass die Borussia am nächsten Donnerstag zuerst daheim antreten muss, bevor es am Mittwoch darauf ins Ruhrstadion geht. »Das ist egal, wir können es eh nicht ändern«, meinte Favre und Mike Hanke ergänzte: »Das ist kein Nachteil, wir müssen ohnehin beide Spiel 100% angehen. Volle Pulle drauf«.
Und so richtete auch Lucien Favre den Blick nach vorne. »Wir dürfen keine Sekunde negativ denken«, sagte der Schweizer. »Wir sind noch nicht durch, aber dennoch Gratulation an meine Spieler. Wir haben in der letzten Zeit 20 Punkte gemacht. Das ist schon etwas. Und jetzt haben wir noch zwei Spiele um den Abstieg zu vermeiden. Das ist nicht schlecht, würde ich sagen«.