Sonntag, 08. Mai 2011 - 13:48 Uhr
Ganz klar – Borussia Mönchengladbach ist der große Gewinner des 33. Spieltags im Abstiegskampf. Drei der letzten vier Teams verloren, nur der VfL siegte und hat es nunmehr in der eigenen Hand, den direkten Abstieg zu vermeiden.
Dabei hatte es gegen den SC Freiburg lange nicht nach dem lebensnotwendigen Dreier ausgesehen. »Es war ein harter Kampf, die Freiburger haben uns das Leben mit ihrem 4-5-1 in der ersten Halbzeit richtig schwer gemacht«, sagte Tony Jantschke nach den 90 nervenzehrenden Minuten. »Freiburg steht nicht umsonst auf dem achten Platz«, ergänzte Kapitän Filip Daems. »Wir wollten den Ball laufen lassen, aber das klappte nicht, weil Freiburg im Mittelfeld ein gutes Pressing spielt«, so Daems weiter. »Wir sind nicht so in unser Spiel gekommen wie zuletzt und haben zu viele lange Bälle gespielt«, fügte Jantschke an.
So sah es auch Trainer Lucien Favre, der nach dem Schlusspfiff kräftig durchatmen musste. »Es war sehr, sehr schwer. Wir konnten uns nur ganz wenige Torchancen erspielen, es gab wenige Lücken und wir haben keine Lösungen gefunden«, so der 53-Jährige, der mehrfach korrigierend eingriff und Umstellungen vornahm. So richtig aufgehen wollten die taktischen Veränderungen jedoch nicht, denn Freiburg behielt das Geschehen weitestgehend souverän im Griff.
Dann folgte in der 66. Minute die Gelb-Rote Karte für Toprak und das Spiel erfuhr eine untypische Wendung. Freiburg war in Unterzahl plötzlich aktiver im Offensivspiel, drängte die Gladbacher zeitweise tief in die eigene Hälfte zurück. Während Freiburg auflebte, schienen die Borussen phasenweise wie gelähmt. »Wir waren überhastet und unruhig«, attestierte Lucien Favre. Einerseits lief die Zeit davon, andererseits hätte ein Gegentor wohl den Genickbruch bedeutet.
Es stand auf des Messers Schneide – bis zum Lucky-Punch in der 80. Minute. Mike Hanke nutzte gedankenschnell den Fehler von Freiburgs Schuster und fackelte keine Sekunde, sondern knallte das Leder flach ins Eck. Die Erlösung für Borussia und Hanke gleichermaßen. »Endlich hat er sein Tor gemacht«, freute sich Lucien Favre für den bislang im Gladbacher Trikot noch torlosen Winterneuzugang, der selbst eine »Riesenerleichterung« empfand.
»Nach diesem Treffer bin ich noch ruhig geblieben«, gewährte Favre einen kurzen Einblick in sein Gefühlsleben. »Es war ja noch lange zu spielen. Doch nach dem zweiten Tor war ich definitiv erleichtert«.
Das ging nicht nur dem Schweizer so, denn der Volltreffer von Marco Reus nur zwei Minuten nach dem 1:0 bedeutete die Entscheidung. Als dann noch die Ergebnisse der Konkurrenz die Runde machten, stand der Borussia-Park Kopf.
»Jetzt haben wir es selbst in der Hand«, strahlte Mike Hanke, der neben seinem Tor auch noch die Vorarbeit zum 2:0 beisteuerte. So nimmt das ‚Wunder von Mönchengladbach‘ Formen an. »Wenn man vor vier Wochen zehn Leute gefragt hätte, dann hätten wahrscheinlich neun davon gesagt, dass wir es nicht schaffen«, meinte Filip Daems. »Auch die sogenannten Experten. Aber es ist auch klar: sollten wir es schaffen, ist das eine Sache, die nicht jedes Jahr passiert«.
Für Tony Jantschke wäre es ohnehin mehr der Lohn für harte Arbeit, als nur ein reines Fußballwunder. »Ich denke nicht, dass uns irgendjemand von Dortmund, Hannover oder heute Freiburg etwas geschenkt hat. Wir haben uns das alles erarbeitet. Zum dritten Mal in Folge zu Null – wir verteidigen als Mannschaft richtig gut im Moment«.
Trotz des für Borussia »überragenden Wochenende« (Filip Daems) geht man beim VfL betont nüchtern mit der Situation um. »Es ist schön, es wieder in der eigenen Hand zu haben, anstatt hinterherlaufen zu müssen, wie noch vor dem Spiel«, so Daems. »Trotzdem kann es noch in alle Richtungen laufen. Es kann in den Himmel oder in die Hölle gehen«.
»Wir haben noch nichts erreicht«, mahnte Lucien Favre und fügte mit einem für seine Verhältnisse sehr bestimmten Tonfall an: »Es gibt überhaupt keinen Grund, euphorisch zu sein«.
Für den Schweizer geht der Klassenerhalt – sei es über die Relegation oder sogar mit dem Sprung auf Platz 15 – nur mit einem Sieg beim HSV. »Wir brauchen noch unbedingt die drei Punkte in Hamburg«, legte er sich fest.
Für seinen Trainerkollegen Robin Dutt ist die Sache allerdings klar. »Lucien, wir sehen uns nächstes Jahr auf jeden Fall in der ersten Liga wieder«, sagte der künftige Leverkusener Coach zum Abschied. Doch dazu muss mindestens noch ein Spiel erfolgreich gestaltet werden …