Sonntag, 01. Mai 2011 - 14:50 Uhr
Eitel Sonnenschein herrschte am Sonntag am Borussia-Park. Die Stimmung unter den zahlreichen Schaulustigen beim Auslaufen nach dem Sieg in Hannover war positiv wie lange nicht mehr. Und das, obwohl Borussia Mönchengladbach nach wie vor mit einem Bein in der 2. Liga steht.
Doch dass die Mannschaft nach dem Erfolg gegen den gestern zum verdienten Deutschen Meister gekürten BvB beim Champions-League-Anwärter Hannover 96 nachlegen konnte, erhöht die Aussichten auf eine Last-Minute-Rettung. Selbst wenn die Konkurrenten Wolfsburg und Köln (ein „Dank“ an Jupp Heynckes für die verpatzte Schützenhilfe) ebenfalls überraschend dreifach punkten konnten.
Das wirklich bemerkenswerte an den letzten beiden Gladbacher Siegen ist die Art und Weise, wie die Mannschaft auftritt. Schon Dortmunds Trainer Jürgen Klopp lobte in der vergangenen Woche, dass »Gladbach nicht mal im Ansatz so spielt wie eine Mannschaft, die ganz unten in der Tabelle steht«. Tatsächlich überzeugen die Borussen als ‚Abstiegskämpfer mit Stil‘ – auch in Hannover.
»Wir waren ganz klar die bessere Mannschaft und haben verdient gewonnen«, sagte Mike Hanke nach dem Triumph an seiner alten Wirkungsstätte. Kapitän Filip Daems ergänzte: »Von Anfang an haben wir versucht das Spiel in die Hand zu nehmen und über die gesamte Spielzeit gesehen waren wir das gefährlichere Team«. Die Borussen gefielen mit geschlossener Arbeit gegen den Ball, bei der sie erstaunlich wenig Foul spielten und somit weitestgehend gefährliche Standardsituationen vermeiden konnten. Das gefürchtete Umschalt-Spiel der Hannoveraner wurde höchst aufmerksam unterbunden und die Slomka-Truppe mit deren eigenen Mitteln zunächst geärgert und schließlich besiegt.
»Wir haben das Spiel nicht nur einfach so, sondern überzeugend gewonnen«, sagte der erneut herausragende Martin Stranzl. »Eigentlich hätte der Sieg höher ausfallen müssen«, meinte Torschütze Marco Reus, der selbst noch drei weitere gute Möglichkeiten ausgelassen hatte. Entsprechend erleichtert war der 21-Jährige, dass sein Knaller den Siegtreffer bedeutete. Reus musste übrigens in Hannover noch in die Verlängerung: Erst zwei Stunden nach dem Spiel konnte er das Stadion verlassen, nachdem es zuvor bei der Dopingprobe nicht ganz so gut gelaufen war wie zuvor auf dem Platz.
»Wir haben uns natürlich über den Sieg gefreut, doch wir haben noch nichts erreicht«, lenkte Filip Daems den Fokus wieder auf die nach wie vor kritische Tabellensituation. »Klar geht noch was, doch dafür müssen wir am Samstag gegen Freiburg gewinnen«.
Weil auch die Konkurrenz punktet, wird die Borussia wohl die beiden letzten Partien gewinnen müssen. Aber zumindest können die Aufgaben mit gestärktem Selbstvertrauen angegangen werden. »Es ist auch für den Kopf wichtig, dass wir mit den zwei Siegen jetzt eine kleine Serie gestartet haben«, sagte Mike Hanke. »Wir haben gegen den Tabellenersten und den Dritten gewonnen und können jetzt mit breiter Brust das Spiel gegen Freiburg angehen«.
Die Frage bleibt, warum die Mannschaft erst jetzt ihr Potential abruft. »Dass wir stabiler stehen liegt nicht nur an den vier Jungs hinten, sondern daran, dass die gesamte Mannschaft mitmacht«, sagt Filip Daems. »Das war in der Hinrunde nicht immer der Fall«.
Und da ist natürlich Trainer Lucien Favre, der ohne viel Getöse an den richtigen Rädchen dreht. »Wir trainieren in der Woche viel taktische Sachen«, erläuterte Filip Daems. »Jeder Spieler weiß, was der Trainer von einem erwartet und das versuchen wir auch umzusetzen«.
»Das Vertrauen ist da und jeder weiß, wie er sich verhalten muss«, fügte Martin Stranzl an. »Das alles funktioniert in den letzten Spielen sehr gut. Natürlich ist das ein stückweit auch die Handschrift des Trainers. Wir machen im Training sehr viel im Defensivverbund. Da diese Sachen jetzt besser laufen, arbeiten wir nun auch wieder mehr in der Offensive«.
Lucien Favre hat Borussia Mönchengladbach fraglos in die Spur gebracht. Ob noch rechtzeitig, wird man spätestens in zwei Wochen wissen. »Jetzt müssen wir weiter Punkte machen«, sagt der Schweizer. »Egal gegen wen. Sonst sind wir tot«.