Donnerstag, 28. April 2011 - 14:42 Uhr
Es ist alles andere als ruhig in Mönchengladbach in diesen Tagen. Nachdem der schon fast als klinisch tot erklärte VfL durch den unerwarteten Sieg über Borussia Dortmund erstmals seit Monaten die Rote Laterne des Tabellenletzten abgegeben hat, ist die Hoffnung zurückgekehrt an den Niederrhein.
Mitten in diese Aufbruchstimmung platzte nach dem Osterwochenende die „Initiative-Borussia“, die mit der Benennung ihres Frontmanns Stefan Effenberg medialen Wirbel entfachte und in Fankreisen für viel Diskussionsstoff sorgte. Der erhofften Euphoriewelle durch den Erfolg über den BvB wurde dadurch einiges an Auftrieb genommen.
Während das Umfeld also abgelenkt wurde und sich in teilweise absurden Grabenkämpfen verstrickt, bereiteten sich Lucien Favre und seine Mannen relativ ungestört auf die schwierige Aufgabe bei Hannover 96 vor. Das Thema Effenberg sei für die Spieler keins, hieß es aus dem Mannschaftskreis. Und auch Lucien Favre wollte davon nichts wissen. »Ich konzentriere mich auf meine sportlichen Aufgaben, alles andere interessiert mich im Moment nicht«.
Und mit der sportlichen Aufgabe hat der Schweizer wahrlich genug zu tun. Denn ihm muss gelingen, was zuvor weder seinem Vorgänger, noch ihm selbst glückte: Einem hoffnungsvollen Auftritt ein weiteres erfolgreiches Spiel folgen zu lassen.
Dass dies ausgerechnet beim Überraschungsteam der Liga in Hannover funktionieren muss, ist kompliziert, aber nicht zu ändern. Nur noch drei Spiele sind zu absolvieren und die Rechnung, die Lucien Favre aufmacht, ist eindeutig. »Mit neun Punkten sind wir über dem Strich, mit sieben wohl in der Relegation. Vier oder fünf Punkte werden zu wenig sein«.
»Hannover ist stark, hat seine letzten fünf Heimspiele alle gewonnen«, weiß Favre um die Schwere der Aufgabe. »Doch das ist uns egal, wir müssen punkten«.
Bei diesem Vorhaben wird der Schweizer weiter auf die Dienste von Igor de Camargo und Dante verzichten müssen. Dazu wird Fabian Bäcker, der zuletzt gegen Dortmund auf der Bank saß, wegen einer Reizung am Knie nicht zur Verfügung stehen.
Dafür wird Mike Hanke nach abgelaufener Sperre wieder zurückkehren. Ob der Stürmer an alter Wirkungsstätte in der Startelf stehen wird, ließ Lucien Favre offen. »Hanke ist im Kader. Wie wir spielen werden, darüber werde ich erst die Mannschaft informieren«.
»Wir müssen intelligent nach vorne spielen und gut verteidigen«, gab Favre das Motto aus. »Hannover steht auf Platz 3 und kämpft um einen Champions-League-Platz. Sie haben eine sehr gut organisierte Mannschaft und Spieler, mit denen sie sehr schnell nach vorne kommen. Wenn man die Mannschaft sieht, ist es für mich kein Zufall, dass sie da oben stehen«.
Favre erwartet, dass auf seine Defensive mehr Arbeit zukommt als gegen den BvB. »Es kann sein, dass es schwieriger wird als gegen Dortmund, weil Hannover mit zwei schnellen Spitzen spielt«.
Die müssen in der ausverkauften WM-Arena in Hannover (4.000 Gladbachfans werden erwartet) kontrolliert und die eigenen Chancen genutzt werden. Damit der Borussia das gelingt, was Hannover vor einem Jahr vorgemacht hat. Da waren die 96er ebenfalls bereits so gut wie abgestiegen und retteten sich im Schlussspurt. »Hannover hat im letzten Jahr gezeigt, dass man bis zum Ende kämpfen muss«, sagte Sportdirektor Max Eberl. 12 Monate später klopft Hannover an die Tür der Königsklasse. »Was danach passiert ist zeigt, wie eng die Bundesliga geworden ist«, ergänzte Eberl. So eng, dass der Vorletzte beim Dritten nicht nur gewinnen muss, sondern es auch kann ...