Dienstag, 26. April 2011 - 08:52 Uhr

Marc-Andrè ter Stegen: Der 18-Jährige bestätigte in seinem dritten Bundesligaspiel den guten Eindruck der letzten beiden Wochen. Zwar war er einmal beim Getümmel im Anschluss an eine Ecke unterlegen und bevor Jantschke auf der Linie rettete, zweifelte er einen kurzen Moment und kam so zu spät gegen Lewandowskis Heber. Doch das blieben die einzigen kleinen Fehler einer ansonsten ausgezeichneten Leistung von ter Stegen. Es ist schon wohltuend, welche Normalität und Selbstverständlichkeit der junge Mann ausstrahlt. Er weckt Vertrauen beim Publikum und bei den Mitspielern, die ihn ohne Bedenken einbeziehen. Fußballerisch ist ter Stegen ein echter Gewinn, wie u.a. sein Klasse-Pass auf Daems in der ersten Halbzeit zeigte. Geraunt wird bei Rückpässen jedenfalls nicht mehr. Seine Reaktionsschnelligkeit stellte er mehrfach unter Beweis, so als er einen Götze-Schuss stilvoll zur Ecke lenkte oder kurz vor der Pause großartig gegen Lewandowski klärte. Beim Pfostenschuss von Schmelzer lenkte er den Ball noch entscheidend ab und sowohl bei Barrios Kopfball, als auch beim Subotic-Knaller am Ende war er zur Stelle. Note 2,0.
Tony Jantschke: Zu Beginn im Aufbauspiel etwas unruhig, fing er sich recht schnell und nahm am Direktspiel nach Balleroberungen teil. So konnten die Dortmunder die Gladbacher selten wie gewohnt unter Druck setzen, weil sich die wahren Borussen schon zügig heraus kombiniert hatten. Jantschke rettete ruhig nach dem Lewandowski-Lupfer vor der Linie und unterließ wilde Aktionen im Zweikampf. Selbst wenn er das eine oder andere Foul nicht vermeiden konnte, blieb er besonnen. Eine Leichtsinnigkeit kurz vor der Pause hatte eine Ecke zur Folge, als Brouwers retten musste. Das Offensivspiel des 21-Jährigen blieb sehr bescheiden, obwohl man merkte, dass er sich auch dort steigen will und wird. Gegen eine Klasse-Elf wie den BvB ist es allerdings keine Schande, sich zuallererst auf seine Hauptaufgabe zu konzentrieren. Note 3,0.
Martin Stranzl: Wieder waren alle Zutaten in der Österreichischen Suppe: seine fliegende Heckenschere, seine Kopfballgewinne, seine Antizipation. Der 30-Jährige spielte kompromisslos und ist eine echte Säule der Mannschaft. Clever, wie er bewusst einen scharf herein gegebenen Ball durch ließ, weil er wusste, dass keiner mehr drankommen würde. Im Spielaufbau war zwar nicht alles perfekt, doch insgesamt blieb er ohne nennenswerte Fehler und glänzte mit einer astreinen Partie gegen Stürmer, die wahrlich nicht zur Laufkundschaft der Liga gehören. Note 2,0.
Roel Brouwers: Man kann nur den Hut ziehen vor dem Niederländer, der nach einer so langen Zeit ohne Spielpraxis, mal abgesehen von den paar Minuten als ‘Hilfs-Joker-Stürmer’, eine saubere Partie ablieferte. Auf den 29-Jährigen ist Verlass, selbst wenn er bei der Götze-Chance direkt zu Beginn noch nicht ganz auf dem Posten war. Ansonsten sehr oft Sieger im Luftkampf, zudem klärte er mehrmals in brenzligen Momenten. Ruhig am Ball, dazu mit hoher Passgenauigkeit. Auf Roel Brouwers ist Verlass: gut, wenn man einen so unaufgeregten Mann im Kader hat. Note 3,0.
Filip Daems: Der Kapitän machte, wie seit Wochen, einen stabilen und soliden Eindruck. Er profitierte vom aufmerksamen und tief stehenden Arango. Die für ihn zu beackernden Räume sind nicht mehr so groß, weil die Mannschaft insgesamt kompakter steht. So konnte er gegen Dortmund viel mit Routine lösen und klären. Vereinzelt schaltete er sich auch mit nach vorne ein, legte das Hauptaugenmerk jedoch richtigerweise auf die Absicherung seiner Seite. Note 3,0.
Håvard Nordtveit: Der Norweger wusste vor allem vor dem Seitenwechsel nicht zu überzeugen. Er spielte ungenaue Pässe, ging nicht rechtzeitig in den Zweikampf und ließ einige Bälle kampflos an sich vorbeirollen. Einer seiner Ballverluste konnte zum Glück von Stranzl noch geklärt werden. Nach einer für ihn ungewöhnlichen Leistung, konnte sich der 20-Jährige in der zweiten Halbzeit etwas steigern und brachte mit seiner Technik in hektischen Situationen ein wenig Ruhe ins Spiel. Als Marx kam und das System umgestellt wurde, stabilisierte sich Nordtveit weiter. Note 4,0.
Roman Neustädter: Er bleibt der Mann, an dem sich die Geister scheiden. In der Ballannahme bzw. -mitnahme technisch oftmals grenzwertig, auch die Kontrolle hoher Bälle misslang sehr häufig. Einige Pässe grenzten an Schlampigkeit. Andererseits waren seine Balleroberungen und die Laufarbeit durchaus nützlich. Gegen Dortmund war der 23-Jährige emsig, mit großem Kampfgeist und der Wille war ohne Frage vorhanden. In der zweiten Halbzeit, als der Druck des BvB größer wurde, abgeklärter als zuletzt in vergleichbaren Phasen. Sein Vorteil gegenüber den Alternativen Fink und Marx scheint wohl die dynamischere Laufkraft zu sein. Note 3,5.
Patrick Herrmann: Der 20-Jährige vermochte nicht wirklich zu überzeugen. Er schlug eine flache Flanke, rutschte einmal in aussichtsreicher Position aus. Im Passspiel sehr wechselhaft, einmal schoss er Jantschke an, statt ihn anzuspielen. In den Offensivzweikämpfen war er hoffnungslos unterlegen. Herrmann wirkte da wirklich ängstlich und zwei Nummern zu schmal im Duell gegen ‚große Kerle‘. Er wurde früh in der zweiten Hälfte rausgenommen, nachdem die Dortmunder ihn zuvor schon fast komplett aus dem Spiel genommen hatten. Note 4,5.
Juan Arango: Wieder deutlich defensiver als noch in der Vorrunde und so für Daems eine gute Unterstützung. Im Spiel nach vorne wie immer mit einigen besonderen Momenten. Ein toller Pass auf Reus, später noch ein weiterer gut getimter langer Pass und Idrissou schickte er auch auf die Reise zum Führungstor. Der Venezolaner holte zudem den einen oder anderen Freistoß clever heraus. Das beherrscht er in den Situationen, aus denen nichts mehr rauszuholen ist, als ein Foul zu ziehen. Bemerkenswert, wie vielen aussichtslosen Bällen er hinterherlief. Selbst in der Schlussphase setzte er vorne nochmals energisch nach. Seine direkten Freistöße geraten weiterhin zu oft zu Fahrkarten, selbst wenn er Weidenfeller mit einem flachen ‚Flatterfreistoß‘ vor Probleme stellte. Etwas sehr cool war die Entscheidung des 30-Jährigen, in einer hektischen Situation im eigenen Strafraum in aller Seelenruhe einen Doppelpass zu spielen, um sich zu befreien. Note 3,0.
Marco Reus: Von den Dortmundern zurecht als Gladbachs größte Gefahrenquelle ausgemacht und sehr aufmerksam verteidigt. So steckte Reus anfangs oft fest und konnte sich kaum lösen. Er ging immer wieder steil und wartete auf lange Pässe, so als er den Arango-Ball direkt annahm und mit seiner Volleyabnahme knapp scheiterte. Kurz vor der Pause verpasste er die Chance zu einer Direktabnahme. Wenn Reus am Ball ist, spürt man beim Gegner eine gewisse gesteigerte Aufmerksamkeit. Auch im zweiten Durchgang zog Reus den einen oder anderen Sprint an, ehe der Trainer ihn auswechselte. Der 21-Jährige war entkräftet, auch weil er unter der Woche noch angeschlagen ausgesetzt hatte. Note 3,0.
Mo Idrissou: Bis zu seinem Treffer zum 1:0 war der Kameruner so etwas wie der ‚Buhmann‘ der Zuschauer. Da kam er zunächst nicht zu Kombinationen und als er sich einen Einwurf nehmen ließ, als ein Dortmunder noch an ihm vorbeisprintete, schien es nicht sein Abend zu werden. Doch beim Tor setzte er sich beherzt gegen Subotic durch und verlud Weidenfeller eiskalt mit dem Schuss ins kurze Eck. Nach der Pause wenig in Erscheinung getreten, weil sich das Geschehen doch größtenteils in Gladbachs Hälfte abspielte. Dennoch machte der 31-Jährige aus den spärlichen Aktionen bis zu seiner Auswechslung noch das Beste. Läuferisch war es mehr als in Ordnung. Note 3,5.
Thorben Marx: Kam für Herrmann in die Partie, spielte aber als 6er, weil Reus nach rechts ging und Idrissou als einzige Spitze vorne blieb. Marx half zwar dabei, das Mittelfeld zu verdichten, konnte sich jedoch nicht ins Spiel reinbeißen. Er kündigte seine Aktionen vorher förmlich an und so waren seine Pässe für die Dortmunder leichte Beute. Ein paar Mal reagierte er einfach zu langsam und zwei Ballverluste hätten fast den Genickbruch zur Folge gehabt. Ohne Note.
Karim Matmour: Lucien Favre wählte mit dem Algerier die konterstarke Option vor der Kopfballstärke Idrissous bei Standards hinten. Matmour veranstaltete in der kurzen Zeit einiges und brachte etwas frischen Wind. Einmal dribbelte er geschickt ins Eck, was er zusammen mit Marx am Ende besser nochmal gemacht hätte, um Zeit zu gewinnen. Ohne Note.
Sebastian Schachten: Kam in der Schlussphase, um die Größennachteile nach der Auswechslung von Idrissou bei gegnerischen Standards zu korrigieren und half mit, den Sieg über die Zeit zu retten. Ohne Note.