Donnerstag, 21. April 2011 - 14:15 Uhr
Wochenlang haben sich die Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach vor den jeweiligen Bundesligapartien gegen die Umschreibung „Endspiel“ gewehrt. Vier Spieltage vor Schluss geht das fast nicht mehr, doch Borussias Trainer Lucien Favre machte am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor der Partie gegen Borussia Dortmund noch einen kleinen Schlenker. »Zwischen Dortmund und Hannover müssen wir drei Punkte holen«. Heißt: Mindestens ein Sieg muss aus den nächsten beiden Partien her, sonst ist die Sache endgültig gelaufen.
Sollte ausgerechnet gegen Dortmund ein Sieg gelingen, darf dies getrost als Sensation eingeordnet werden. Der BvB strebt nicht nur in überragender Manier dem Meistertitel entgegen, er ist auch in fremden Stadien eine Macht. 35 Punkte holten die Dortmunder auf des Gegners Platz, nur zweimal verloren sie jeweils 0:1 – in Frankfurt und in Sinsheim. Die Gladbacher holten dagegen im heimischen Park nur schlappe 12 Zähler.
Die Vorzeichen sind also eindeutig, die Rollen klar verteilt. Das sieht auch Borussias Trainer Lucien Favre so, der bei seinen Ausführungen zum BvB ins Schwärmen geriet. »Dortmund ist mit Bayern München zusammen die beste Mannschaft Deutschlands. Seit zwei bis drei Jahren haben sie alles perfekt gemacht und kontinuierlich gearbeitet. Sie haben ein starkes Team, sind läuferisch herausragend und gut organisiert. Nach Balleroberung geht es sehr schnell nach vorne«.
»Aber das alles wissen wir«, fügte der Schweizer mit einem Lächeln an. »Sie haben auch ein paar Punkte, wo wir was machen können. Die hat jede Mannschaft auf der Welt«. Welche das sind und vor allem wie er sie nutzen will, ließ Favre offen. »Wir müssen gegen diese Mannschaft Geduld haben, gut verteidigen und organisiert bleiben«, beließ er es bei allgemeinen Aussagen.
Zumindest dürfte die Sache mit dem „gut verteidigen“ möglicherweise noch komplizierter werden als ohnehin schon. Denn Favre bangt um den Einsatz von Abwehrchef Dante. »Ob es geht, weiß ich nicht«, sagte der Trainer. Dante plagt sich mit einer Verhärtung im Oberschenkel herum und es wird sich wohl erst kurzfristig entscheiden, ob der Brasilianer rechtzeitig einsatzfähig ist.
Diese Frage stellt sich bei seinem Landsmann Igor de Camargo nicht. Der Brasilianer mit belgischem Pass wird im Kader stehen. Ob es für ihn nach seiner Verletzung bereits für einen Startelfeinsatz reicht, wollte Favre nicht sagen. Durch die Sperre von Mike Hanke spricht allerdings einiges dafür.
Auf Seiten der Dortmunder fehlt mit Nuri Sahin das »Herzstück im Mittelfeld«, wie sich Sportdirektor Max Eberl ausdrückte. Er ist sich allerdings sicher, dass der Ausfall des türkischen Nationalspielers für den BvB keine entscheidende Schwächung darstellt. »Sahin ist ein wichtiger Spieler, doch Dortmund hat sich in dieser Saison eine Selbstverständlichkeit geschaffen, dass sich jeder Spieler, der reinkommt, problemlos einfügt«.
Von einer positiven Selbstverständlichkeit ist die Niederrhein-Borussia meilenweit entfernt. Sie kann sich nur Hoffnungen auf ein Fußballwunder machen. Zumindest an Ansporn sollte es den Gladbacher Profis nicht fehlen. »Es gibt nichts schöneres für einen Fußballer, als in ein volles Stadion einzulaufen«, findet Eberl. »Eine solche Partie gegen den zukünftigen Deutschen Meister ist auch für die Spieler eine zusätzliche Motivation, alles zu geben«.
Die Atmosphäre im restlos ausverkauften Borussia-Park wird tatsächlich besonders sein, was zu einem großen Teil an den Anhängern der Schwarz-Gelben Borussia liegen wird. Allerdings sollen nicht so viele Fans aus Dortmund Karten gekauft haben, wie an manchen Stellen kolportiert wurde. Nach Recherchen der Gladbacher dürften zwischen 12.000 und 14.000 Menschen im „Biene-Maja-Outfit“ dabei sein.
»Ich hoffe, dass wir mit unserem Spiel so eine Atmosphäre wie gegen Köln schaffen und die Dortmunder Fans überstimmen können«, wünscht sich Max Eberl. Vielleicht leistet auch Jupp Heynckes mit Bayer Leverkusen für Unterstützung und gewinnt sein Heimspiel. Denn dann könnte der BvB in Gladbach auf keinen Fall die vorzeitige Meisterschaft perfekt machen. Wie die Nachmittagsspiele ausgehen, können die Zuschauer in Mönchengladbach übrigens auf den Leinwänden verfolgen. Das Stadion wird wegen des Andrangs bereits um 15.30 Uhr geöffnet und die Sky-Konferenz übertragen.
Wie dem auch sei – für Borussia Mönchengladbach geht es schlichtweg darum, die Hoffnung am Leben zu halten. Ganz egal, dass der Gegner die vermeintliche Übermannschaft aus Dortmund auf den letzten Schritten zum Titelgewinn ist ...