Samstag, 16. April 2011 - 14:16 Uhr
Die Emotionen kochten auch noch weit nach Abpfiff des Spiels zwischen Mainz und Mönchengladbach hoch. Die Entscheidungen von Schiedsrichter Deniz Aytekin erhitzten die Gemüter der geschlagenen Borussen. Da war das nicht gegebene Tor von Mike Hanke, der wie weiland Lothar Matthäus gegen Leverkusens Rüdiger Vollborn den Ball in den leeren Kasten kickte, nachdem der Torwart das Spielgerät in der Annahme, die Partie sei unterbrochen, zur Ausführung eines vermeintlichen Freistoß hingelegt hatte.
Auch in Mainz war die Partie nicht unterbrochen, so jedenfalls die Wahrnehmung der Beobachter im Stadion und auch bei den Beteiligten. Dennoch gab der Schiedsrichter das Tor nicht. »Eine skurrile Situation«, wunderte sich Sportdirektor Max Eberl. Mike Hanke wurde deutlicher: »Der Schiedsrichter hat nicht abgepfiffen, meines Erachtens war es ein klares Tor. Danach war er auf jeden Fall ein bisschen angepisst«.
Und zwar so, dass er Hanke kurz darauf eine Gelbe Karte zeigte, als dieser gar nicht foulte. »Ich habe keine Ahnung, was er da gesehen hat«, wunderte sich Hanke. »Ich habe ganz klar den Ball gespielt«.
»Die Summe der Vergehen führte zu der Entscheidung«, erklärte Aytekin zu später Stunde in den Katakomben des Mainzer Stadions. Die „Vergehen“ waren allerdings auch in der Summe vergleichsweise harmlos. Max Eberl brachte diese Sichtweise in Rage. »Er wartet auf die nächste Situation um ihm Gelb zu geben. Wo sind wir denn? Das ist reines Alibi, nichts anderes!«.
Und dann ließ Aytekin nach der Pause jegliches Fingerspitzengefühl vermissen [siehe hierzu Einwurf: „Beschissen“] und zeigte Hanke nach seinem nächsten (Allerwelts-)Foul Gelb-Rot. »Ich treffe ihn auf jeden Fall«, gab Hanke zu. »Aber ich weiß nicht, ob man da sofort wieder Gelb geben muss. Es war mein erstes Foul nach der Gelben Karte. Ein Augenzwinkern oder eine Ermahnung hätte es vielleicht auch getan«.
Als zu ungestüm empfand Hanke sein Einsteigen nicht. »Es ist Fußball, kein Hallen-Hockey. Der lebt von Zweikämpfen. Ich bin nicht von hinten reingegangen, sondern von der Seite und wollte den Ball spielen. Ich treffe ihn und der geht theatralisch zu Boden«.
»Die Gelb-Rote Karte ist ein absoluter Witz«, echauffierte sich Max Eberl, der schwer mit sich rang, um die Fassung zu bewahren. Mike Hanke schaffte dies, auch in Bezug auf Eugen Polanski, der den Platzverweis mit seiner Schauspielkunst provozierte. »Ich unterstelle niemandem etwas«, sagte Hanke. »Dem Schiri nicht, dem Polanski nicht«.
Und eigentlich hätte Polanski die gerechte Strafe in der 70. Minute ereilen müssen, als er Marco Reus im Strafraum foulte. Elfmeter und möglicherweise sogar Rot für eine Notbremse waren fällig, doch Schiedsrichter Aytekin verweigerte den Gladbachern den Strafstoß. »Ein glasklarer Penalty«, sagte Borussias Trainer Lucien Favre und erntete damit von niemandem einen Widerspruch.
Selbst von Schiedsrichter Aytekin nicht, der nach dem Spiel Marco Reus zu sich in die Kabine holte. »Ich habe es mit ihm analysiert«, sagte Reus nur. Und wie hat er reagiert? »Er hat es zur Kenntnis genommen«, erklärte Aytekin. Immerhin gab der Referee seinen Fehler zu. »Reus und Polanski gehen mit hoher Geschwindigkeit zum Ball. Ich konnte aus meiner Sicht nicht klar erkennen, ob ein Foul vorlag. Ich hatte Zweifel. In der Super-Slomo sind wir zur Erkenntnis gekommen, dass es ein Elfmeter war«.
Diese Erkenntnis kam für die Gladbacher zu spät, sie können sich dafür nichts mehr kaufen. »Er gibt eine Gelb-Rote Karte wegen einer Farce und als Eugen Polanksi zu spät kommt, gibt er keinen Elfmeter. Er kann doch nicht auf der einen Seite konsequent sein und auf der anderen wie eine Wurst«, ereiferte sich Max Eberl.
Wohl wissend, dass mit der Niederlage in Mainz die Hoffnungen auf den Klassenerhalt nur noch theoretischer Natur sind. Besonders ärgerlich, weil die Borussen nach einer zumindest defensiv guten ersten Halbzeit nach dem Seitenwechsel bis zum Platzverweis das bestimmende Team waren und Mainz in der eigenen Hälfte unter Druck setzten. Das Spiel kippte gerade zugunsten des Tabellenletzten, als der Schiedsrichter vorentscheidend eingriff.
Dass André Schürrle drei Minuten vor Schluss mit einem Sonntagsschuss die Gladbacher Niederlage besiegelte, passte zum gänzlich verkorksten Abend der Borussia. »Wir sind bitter enttäuscht«, sagte Lucien Favre. »Das tut richtig weh«, ergänzte Max Eberl. Und damit ist eigentlich alles gesagt ...