Dienstag, 12. April 2011 - 07:28 Uhr

Marc-André ter Stegen: Gelungener Einstand für den 18-Jährigen im Profibereich. Besonders bemerkenswert sein selbstbewusstes Auftreten: keine Spur von Nervosität war auszumachen. Gefordert wurde er von den passiven Kölnern nur selten. Die erste Ecke faustete er im Getümmel gut weg – das war seine erste echte Bewährungsprobe. Darüber hinaus meist an der Strafraumgrenze als ‚Halblibero‘ mitspielend. Zuspiele verarbeitete er beidfüßig, zweimal ließ er einen Kölner mit einer Körpertäuschung ins Leere laufen, ehe Novakovic beim dritten Mal den Braten gerochen hatte und ter Stegen nur knapp einem Fauxpas entging. Danach ließ er diese Aktionen sein. Nach dem Pausenpfiff mehr unter Beschuss und hier mit einer starken Rettungstat gegen Podolski, als er rechtzeitig aus seinem Tor herauskam. Beim Gegentor machtlos, im weiteren Verlauf nur noch mit weniger gefährlichen Schüssen beschäftigt, die er sämtlich sicher parierte. Nichts spricht dagegen, dass Borussia eine neue Nummer 1 hat. Note 2,5.
Tony Jantschke: Drei Tage nach seinem 21. Geburtstag bot der Rechtsverteidiger eine sehr solide Partie. Nur in den zehn Minuten nach der Pause, als Köln vehement die Flügel bearbeitete und Jantschke sich oftmals mit zwei Gegenspielern auseinander setzen musste, geriet er etwas ins Schwimmen. So auch beim Anschlusstreffer, als er Peszko in seinem Rücken laufen ließ. Ansonsten löste Jantschke seinen Aufgaben sehr konzentriert und sicher. Er spitzelte die Bälle intelligent weg und macht fast nie ein unnötiges Foul. Er geht nie unüberlegt in die Zweikämpfe und weiß immer den Ball im Auge zu behalten. Wichtig, dass er in den entscheidenden Momenten seine Position hält und sich immer zunächst um seine Basisaufgabe kümmert. Im Offensivspiel gegenüber den Vorwochen mit einer Steigerung, vor allem bei den Flanken zeigte er sich verbessert. Note 3,0.
Martin Stranzl: Der Wintereinkauf entpuppt sich weiterhin als ein echter Volltreffer. Am Strafraum ließ er überhaupt nichts anbrennen und grätschte alles weg, was nach Kölnern roch. Das jedoch stets fair. Sein Stellungsspiel war erstklassig, dazu coachte er gut und war die Ruhe in Person. Auch in der Spieleröffnung mit schnellen und klaren Pässen, so wie vor dem 2:0. Vor allem das Zusammenspiel mit „Staubsauger“ Nordtveit war richtig gut. Der Österreicher ist ein ganz wichtiger Faktor, dass die Abwehr wesentlich an Stabilität gewonnen hat. Note 2,5.
Dante: Der Brasilianer wirkte nicht ganz so souverän wie sein Nebenmann Stranzl. Er tändelte ein wenig zu oft herum und hatte nach einem Fehlpass Glück, dass Lanig der Ball an die Hand sprang. Gegen Novakovic verschätzte er sich einmal böse und profitierte anschließend vom Pfiff des Schiedsrichters, der auf Offensivfoul des Kölners entschied. In der Anfangsphase versuchte es Dante im Aufbau oft mit weiten Schlägen, die zunächst nicht ankamen. Vor dem 3:0 war das Timing besser und Hanke konnte den langen Ball von Dante auf Reus ablegen. Im direkten Duell gegen den Mann war Dante wie gewohnt sicher und stabil. Note 3,5.
Filip Daems: Wieder eine souveräne Vorstellung des Kapitäns, der seine verbesserte Verfassung auch im Derby bestätigte. Der 32-Jährige stand gut und antizipierte richtig, ohne in Panik zu verfallen. In der Drangphase der Kölner von Vordermann Arango etwas zu sehr alleine gelassen, so dass er hier und da ins Wanken geriet. Das löste sich jedoch spätestens mit dem verwandelten Elfmeter in Wohlgefallen auf. Schon erstaunlich, wie cool Daems vom Elfmeterpunkt verwandelt. Note 3,0.
Håvard Nordtveit: Unterstrich auch gegen Köln, dass Sportdirektor Max Eberl mit der Verpflichtung des Norwegers den richtigen Riecher hatte. Ungemein laufstark agierte er hervorragend als „Staubsauger“ und Antreiber zugleich. Er holte sich immer wieder tief in der eigenen Hälfte die Bälle und zog das Spiel auf. Seine Pässe waren – bis auf wenige Ausnahmen – präzise. Auch unter Druck souverän – er weiß was er macht und vertraut auf seine vorhandenen Qualitäten. Nordtveit ist weit mehr als ein defensiver 6er, sondern vielmehr der intelligente Taktgeber im Mittelfeld. Positiv, dass seine Mühen mit dem ersten Bundesligatreffer belohnt wurden, als er nach schönem Doppelpass mit Reus das Tor mit Willen und einer Körpertäuschung erzwang. Note 2,5.
Roman Neustädter: Kam recht ordentlich in die Partie, arbeitete defensiv sehr fleißig mit und verdichtete mit Nordtveit das Mittelfeld. Neustädter gewann die meisten Zweikämpfe und hatte viele Ballkontakte. Wenn es Raum gab, blitzte sein Können auf. So bei einem Crossball quer übers Spielfeld zu Arango – und das aus dem Stand. Oder bei einer feinen Weiterleitung auf Reus. Sobald der Gegner allerdings etwas Druck aufbaut, wird der 23-Jährige schnell unruhig. So verpasste er Annahmen, für die er reichlich Raum und Zeit hatte und ließ stattdessen fast panisch die Bälle verspringen oder haute sie planlos kurz weg. Vor allem in Kölns Drangperiode war dies zu beobachten, als u.a. ein Fehlpass von ihm einen Gegenangriff einleitete. Nachdem sich das Spiel durch die beiden Tore wieder beruhigte, hatte auch Neustädter keine Probleme mehr. Note 3,5.
Marco Reus: Der Mann des Spiels, ohne Frage. Die Zahlen – zwei Tore und ein Assist – sprechen dafür, aber auch die Gesamtleistung des 21-Jährigen. Was er an Offensivwirbel veranstaltete, war schon erstklassig. Mit seinen Turbo-Antritten kaum zu verteidigen und ständig eine Gefahr für die Kölner Hintermannschaft. Oft ging er auch ohne Ball steil, was zwar nicht immer wahrgenommen wurde, dennoch sehr wichtig war um Löcher zu reißen und Gegenspieler mitzuziehen. Beide Tore waren herausragend und von der Marke „typisch Reus“. Er handelt schlichtweg in allem einen Gang schneller als die anderen 21 Spieler auf dem Platz. Und nach hinten arbeitete er fleißig mit, auch wenn er nach der Pause auf die Neuausrichtung der Kölner etwas spät reagierte und Jantschke ein wenig allein ließ. Doch darüber darf an solch einem Tag bei so viel entscheidenden Aktionen hinweggesehen werden. Note 1,5.
Juan Arango: Unter Lucien Favre interpretiert der Venezolaner seine Rolle auf der linken Seite deutlich defensiver als zuvor. Auch wenn er niemals ein Defensivspezialist wird, so unterstützt er Daems wirkungsvoll, was letztlich auch den Stabilitätsgewinn des Belgiers mit sich bringt. In der Anfangsphase versuchte Arango mit einigen Aktionen im dichten Kölner Defensivverbund etwas zu veranstalten, was allerdings nur ansatzweise gelang. Dafür sorgte er dann mit dem 1:0, was er technisch sauber machte, für den Türöffner. Im weiteren Spielverlauf hielt er sich zurück und beschränkte sich auf eine „kontrollierte Offensive“. Ein scharfes Zuspiel zu einer Chance von Idrissou blieb nach der Pause die bemerkenswerteste Aktion. Dafür war er unmittelbar nach dem Wechsel etwas überfordert, weil er eine Zeit lang nicht wusste, wie er mit der Umstellung der Kölner umgehen sollte und nicht richtig mitmachte. Note 3,5.
Mike Hanke: Auch der dritte Neuzugang des Winters war ein Schlüsselspieler beim Derbysieg. Mit seiner intelligenten Spielweise ein absoluter Teamplayer. Drei Assists sprechen für sich. Die Kopfballweiterleitung beim Eckball vor dem ersten Tor wurde im Training einstudiert, der Pass in den Lauf von Reus vor dem 2:0 war ein echter Leckerbissen. Und wie er aus einem eigentlich ‚toten‘ hohen Ball die Kopfballablage zum dritten Treffer zustande brachte, war wirklich stark. Daneben auffällig als Kombinationsspieler, der den Ball perfekt abschirmt und gut ablegt. Note 2,5.
Mo Idrissou: Stand etwas im Schatten von Hanke und Reus, war dennoch sehr wichtig für das Gladbacher Spiel. Mit seinen unorthodoxen Ballführungen beschäftigt er den Gegner und reißt Lücken, selbst wenn Idrissou manchmal selbst nicht zu wissen scheint, wohin die Reise gehen soll. Er betrieb großen Aufwand, blieb jedoch beim finalen Pass meist glücklos. Doch er verlangt der gegnerischen Abwehr viel ab, weil er immer unterwegs ist. In der Rückwärtsbewegung sehr fleißig und laufstark. Als das Spiel entschieden war, hatte Idrissou noch drei Möglichkeiten, einen eigenen Treffer beizusteuern. Dass ihm dies in der Schlusssekunde aus drei Metern nicht gelang, ist unglaublich, jedoch beim Stand von 5:1 nur eine Randnotiz. Note 3,5.
Patrick Herrmann: Ersetzte Juan Arango in der Schlussviertelstunde. Begann auf der linken Seite und dribbelte von dort einmal in den Strafraum hinein, übersah da allerdings den besser positionierten Mitspieler. Nach dem zweiten Wechsel rückte er auf die rechte Seite, wo er bei ein paar Angriffen dabei war, ohne sich letztlich entscheidend durchsetzen zu können. Ohne Note.
Thorben Marx: Kam für Hanke und sortierte sich im Mittelfeld ein. Marx spielte ein paar gescheite Pässe und schoss einmal mit soviel Effet, dass der Ball im Seitenaus verendete. Einen Assist hätte der 29-Jährige verbuchen können, wenn Idrissou in der Nachspielzeit die Beine richtig sortiert hätte. Ohne Note.
Michael Fink: In den letzten sieben Minuten dabei, ohne noch aufzufallen. Ohne Note.