Donnerstag, 07. April 2011 - 07:36 Uhr
Wohl selten werden die Anhänger von Borussia Mönchengladbach mit einer derartigen Beklemmung auf das bevorstehende rheinische Derby gegen den 1. FC Köln geblickt haben, wie in diesem Jahr. Egal wie man es dreht und wendet: Einen Feiertag darf man nicht erwarten.
Denn während für die Borussia als Tabellenletzter mit zwei Niederlagen in Folge der Abstieg immer unausweichlicher erscheint, müssen sich die Kölner immer wieder kneifen um zu kapieren, dass sie auch im nächsten Jahr in der Bundesliga spielen dürfen. Sieben Heimsiege in Serie sind den Domstädtern gelungen, was die Basis für die nun so komfortable Situation ist. Als Initialzündung darf der 3:2-Sieg nach 0:2 Pausenrückstand gegen die Bayern gesehen werden. Zwar wissen die Kölner immer noch nicht, wo die Welle herkam, auf der sie bis heute reiten, doch sie taten es einfach.
Derweil warteten sie in Mönchengladbach vergeblich auf ein solches Schlüsselerlebnis. Im Gegenteil. Sobald sich eine schicke Welle für einen Erfolgsritt zusammenbraute, tauchten die Borussen traumwandlerisch sicher in den Negativstrudel ab, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.
Sicher, rechnerisch ist noch nichts verloren. Vier Siege aus sechs Spielen sind machbar. In der Theorie. Doch die Selbstaufgabe nach dem Gegentreffer gegen Kaiserslautern und der Auftritt ohne jeglichen Wagemut in München machen wenig Hoffnung auf die erforderliche Siegesserie.
Dabei galt schon vor dem Bayernspiel, dass die Borussen nichts mehr zu verlieren haben. Die disziplinierte Spielweise in der Allianz-Arena war fraglos die richtige Grundlage, doch spätestens nach einer Stunde hätte man das Risiko erhöhen müssen. Alles oder Nichts – selbst eine Klatsche hätte letztlich nichts geschadet, da das Torverhältnis ohnehin ein nicht mehr zu beachtender Faktor ist.
»Wir können nicht mal richtig untergehen. Wir versickern«, drückte es in diesen Tagen ein langjähriger Begleiter der Borussia treffend aus.
Und nun also das Derby. Auf den Rängen weitestgehend desillusionierte und frustrierte Borussenanhänger, über die kübelweise Hohn und Spott von Kölner Seite ausgegossen werden wird. Sie können diesen Schmähungen nur mit dem eigenen Stolz entgegentreten und darauf hoffen, dass die Repräsentanten ihres Klubs auf dem Rasen eine entsprechende Antwort geben.
Oft wird im heutigen Fußball von der „Ehre“ gesprochen. Am Sonntag müssen die Profis von Borussia Mönchengladbach den Nachweis erbringen, dass sie wissen, was das ist. Nicht nur, weil ein Sieg über Köln für ein weiteres Klammern an den Strohhalm zwingend notwendig ist. Es geht auch darum, den Verein Borussia Mönchengladbach und die Würde seiner Anhänger nicht den Kölnern zum Fraß vorzuwerfen. Das wäre ein weitaus größerer Schaden, als „nur“ ein weiteres verlorenes Spiel ...