Dienstag, 05. April 2011 - 07:31 Uhr

Logan Bailly: Trotz seines kapitalen Fehlers gegen Kaiserslautern stand der Belgier in München im Tor, obwohl Lucien Favre sich bis zuletzt schwer tat, ihm öffentlich das Vertrauen auszusprechen. Dass das Nervenkostüm des Schlussmanns weiterhin grenzwertig angeknackst ist, wurde auch in der Allianz-Arena deutlich. Den ersten Schuss auf sein Tor ließ er klatschen und hatte Glück, dass der Rebound nicht verwertet werden konnte. Danach sprang er einige Male ohne jegliches Timing in hohe Hereingaben und wischte den Ball eher weg, als dass er richtig faustete. Da die Münchener jedoch nicht wirklich Druck aufbauten und vor allem nur wenig scharfe Flanken vors Tor zogen, verlebte der 25-Jährige noch einen relativ ruhigen Nachmittag. Beim Tor des Tages war er machtlos, in der Schlussphase kam er gegen Robben schlichtweg zu spät und hatte Glück, dass der Schiedsrichter nicht den fälligen Strafstoß gab, sondern Robben eine Karte für eine vermeintliche Schwalbe zeigte. Note 4,5.
Tony Jantschke: Der Rechtsverteidiger hatte es auf seiner Seite mit Ribéry zu tun, was naturgemäß kein Vergnügen ist. Obwohl in Sachen Schnelligkeit dem Franzosen unterlegen, machte Jantschke vieles durch gutes Stellungsspiel und vor allem geschicktes Zweikampfverhalten wett. Der 20-Jährige ließ sich nicht abkochen, sondern agierte sehr besonnen und ‚erwachsen‘. Bei eigenem Ballbesitz sehr unauffällig und mit dem einen oder anderen verunglückten Pass. Echte Offensivaktionen hatte Jantschke keine. Beim entscheidenden Treffer war er in der Vorwärtsbewegung und kam nach dem Fehlpass von Reus nicht mehr rechtzeitig hinter Ribéry her. Note 3,5.
Martin Stranzl: Bot eine aufmerksame und konsequente Leistung in der Innenverteidigung. Im direkten Duell kompromisslos und knallhart. Er rückte oft im richtigen Moment raus, verursachte mit seinem rigorosen Einsteigen allerdings zwei Freistöße in gefährlicher Distanz. Auch wenn der Schiedsrichter in diesen Situationen nicht zwingend hätte pfeifen müssen, so führt Stranzls wuchtige Herangehensweise vor dem Strafraum doch zu dankbaren Flugeinlagen der Angreifer. Beim Gegentor rückte der Österreicher eigentlich auch zeitig vor, rutschte jedoch weg und konnte so nicht mehr stören. Note 2,5.
Dante: Wie sein Nebenmann Stranzl machte auch der Brasilianer ein durchweg ordentliches Spiel. Im Zweikampf sicher und ohne die Schnörkel, die sich zuletzt etwas gehäuft hatten. In den Spielaufbau war der 27-Jährige mehr involviert als sein Nebenmann, wobei Dante hier vor allem in der Umschaltung einige Fehlpässe produzierte. Beim Gegentor war auch Dante machtlos, als er das Zuspiel von Ribéry nicht mehr unterbinden konnte. Note 3,0.
Filip Daems: Der Kapitän durfte sich im belgisch-niederländischen Duell mit Arjen Robben messen und machte es dem Ausnahmespieler keineswegs leicht. Unterstützt durch Arango, aber auch den oft rausrückenden Neustädter, konnte Daems Robben über weite Strecken aus der Partie nehmen. Der 32-Jährige arbeitete ruhig und konzentriert. Beim Siegtreffer der Bayern kam Robben über Borussias halbrechte Seite und als er nach dem Doppelpass zum Abschluss kam, vermochte Daems nicht rechtzeitig hin zu kommen. Note 3,0.
Roman Neustädter: Diesmal wieder auf der ‚Doppel-6‘ im Einsatz, fiel er vor allem durch ein großes Laufpensum und eine vernünftige Zweikampfführung auf. Er funkte oft dazwischen, störte wirkungsvoll, half auf der Seite mit aus und eroberte viele Bälle. In der Umschaltung klappte es dann allerdings weniger gut. Oft verpasste er den kurzen Verbindungspass und spielte stattdessen einen längeren Ball, der vom Gegner ‚abgefischt‘ wurde. Der 23-Jährige versuchte das Tempo zu variieren, traf jedoch oftmals die falsche Entscheidung. So konnte er – bis auf einen gelungenen Steilpass – dem Offensivspiel kaum Impulse geben. Note 3,5.
Håvard Nordtveit: Der Norweger agierte als zweiter 6er, konnte indes nicht ganz an die guten Auftritte der letzten Wochen anknüpfen. Das lag vor allem an seinem Passspiel, das für seine Verhältnisse deutlich zu fehlerbehaftet war. Tadellos dagegen seine Laufarbeit und das ständige attackieren der gegnerischen Mittelfeldspieler. Dass die Bayern kaum ein vernünftiges Kombinationsspiel aufziehen konnten, lag auch am erfolgreichen Störfeuer von Nordtveit. Beim Tor von Robben war er insoweit beteiligt, als er beim Doppelpass Robben in seinem Rücken ziehen ließ und sich – ohne Chance die Hereingabe zu blocken – in Richtung Ribéry orientierte. Note 4,0.
Patrick Herrmann: Die Idee, Jantschke den flinken Herrmann an die Seite zu stellen und somit das „linke Bayern-Duo“ Pranjic und Ribéry einzubremsen, funktionierte. Herrmann konnte sich vor allem mit seiner fleißigen Defensivarbeit und der einen oder anderen gelungenen Grätsche auszeichnen. Dagegen fiel er im Spiel nach vorne deutlich ab. Hier fehlte es an Durchsetzungsvermögen und Mumm. Als er mal über rechts durchkam, hätte er durchaus draufknallen können, anstatt eine flache Hereingabe zu probieren. Im zweiten Durchgang baute er auch läuferisch ab und wurde nach einer guten Stunde durch Matmour ersetzt. Note 4,0.
Juan Arango: Richtete seinen Fokus deutlich auf die Arbeit nach hinten und sorgte durchaus wirkungsvoll dafür, dass sich Philipp Lahm nur ganz selten mit seinen gefürchteten Flügelläufen zeigte. Dass Arango sogar mal eine Grätsche auspackte, darf schon als bemerkenswert registriert werden. Dagegen unterliefen dem 30-Jährigen am Ball einige Flüchtigkeitsfehler und in der Abstimmung mit den Kollegen kam es mehrfach zu Missverständnissen. Wenn es mal nach vorne ging, schlich Arango nur halbherzig hinterher. Seine Freistöße verpufften und auch den Ecken fehlte die letzte Schärfe. Note 4,5.
Marco Reus: Dafür, dass Borussias Offensivspiel praktisch nicht stattfand, hatte Marco Reus noch eine ansehnliche Anzahl an guten Szenen in der gegnerischen Hälfte. Mit seiner Schnelligkeit und seinem variablen Spiel holte er auch aus ‚toten Bällen‘ noch einiges heraus. Sein Schuss aus spitzem Winkel aufs Tornetz war so eine Situation. Auch in der Rückwärtsbewegung war Reus unermüdlich und ging weite Wege. Dass ausgerechnet ihm der Fehlpass vor dem Gegentreffer unterlief, ist schon ein stückweit tragisch. Die Bayern hatten den Passweg nach vorne gut zugestellt und die nachrückenden Matmour und Jantschke boten sich nicht zwingend an. Dennoch darf Reus natürlich nicht einen solchen Pass in die Beine von Robben spielen. Note 3,5.
Mike Hanke: Ball halten und auf die nachrückenden Mitspieler warten – so oder so ähnlich lautete die Aufgabenstellung für den ehemaligen Schalker. Leider ging dieses Vorhaben so gut wie gar nicht auf. Wenn Hanke mal den Ball behaupten konnte, wartete er oft vergeblich auf aufschließende Kollegen. Ohne Anspielstationen als dribbelnder Einzelkämpfer weit weg vom gegnerischen Tor war Hanke fehlbesetzt. Er gab zwar nie auf und setzte immer gut nach, doch letztlich hing er bis zu seiner Auswechslung nach 72 Minuten meistens in der Luft. Note 4,5.
Karim Matmour: Ersetzte in der letzten halben Stunde Patrick Herrmann auf der rechten Seite. Der Algerier konnte sich allerdings ebenfalls offensiv überhaupt nicht in Szene setzen. Hinten machte er zwar mit, doch wirkte es zwischen Jantschke und ihm nicht so abgestimmt wie zuvor mit Herrmann. Vor dem 0:1 wurde Matmour durch den Pass von Reus überrascht. Dabei hätte er sich durchaus anders anbieten können, als er sah, dass für Reus der direkte Weg nach vorne versperrt war. Note 4,0.
Mo Idrissou: Kam in den letzten zwanzig Minuten und strahlte mehr ‚Drohung‘ aus als Hanke. Pech hatte er bei seinem Seitfallzieher, als Keeper Kraft sehr gut reagierte, nachdem sich Idrissou stark durchgesetzt hatte. Nach dem Gegentor konnten die Borussen nicht mehr umschalten und so gab es auch für Idrissou keine verwertbaren Anspiele. Ohne Note.
Roel Brouwers: Kam in den Schlussminuten als letzte Option ‚Brechstange‘. Der Niederländer ging gleich vorne rein. Dumm nur, dass seine Kollegen selbst den verzweifelten hohen Ball in den gegnerischen Strafraum nicht mehr zustande brachten. Ohne Note.