Donnerstag, 31. März 2011 - 14:24 Uhr
Fraglos kam die Länderspielpause für Borussia Mönchengladbach wie gerufen. Nach dem kollektiven Schock, den die katastrophale Niederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern verursachte, war es bitter nötig, das Erlebte sacken zu lassen.
Das skurrile Eigentor durch Logan Bailly und die anschließende Selbstaufgabe fast des gesamten Teams sind auch zwei Wochen später nicht verdaut, dennoch fällt es mit etwas zeitlichem Abstand leichter, seriöser mit dem Ist-Zustand umzugehen.
Dass Borussia mit mehr als einem Bein in der zweiten Liga steht, wird auch der größte Optimist beim Blick auf die Tabelle und das Restprogramm nicht verleugnen können. Andererseits hat gerade diese Saison gezeigt, wie unberechenbar und vollkommen verrückt die Bundesliga ist. Sicher ist nur, dass gar nichts sicher ist.
Und nur unter diesem Aspekt erscheint es überhaupt vertretbar, dass Borussia Mönchengladbach am Samstag (15.30 Uhr) in der Allianz-Arena bei Bayern München antritt. Schon unter „normalen“ Umständen wäre das Spekulieren auf einen Erfolg in der bayerischen Landeshauptstadt verwegen (1 Sieg in 42 Spielen). Doch angesichts der aktuellen Situation benötigt es schon einer überdimensionierten Vereinsbrille, um ernsthaft auf einen 3er zu hoffen.
»Natürlich können wir nicht einfach sagen, „wir fahren da hin und gewinnen“«, sagt dann auch Sportdirektor Max Eberl. »Die Trauben hängen in München hoch. Doch man sollte auch nicht den Fehler machen, die Bayern als Unerreichbar darzustellen«.
Sein Trainer Lucien Favre blickt auf »zwei sehr intensive Wochen« mit seiner Mannschaft zurück. Bis auf Tony Jantschke, der mit der U21 unterwegs war und vorzeitig angeschlagen zurückkehrte, hatte der Schweizer seine Basisspieler beisammen.
Großartige Veränderungen gegenüber den letzten Partien sind für München nicht zu erwarten. Das Spielsystem wird beibehalten und in Sachen Personal allenfalls nur etwas modifiziert. Ein Harakiri wird es nicht geben. Fraglich ist noch der Einsatz von Tony Jantschke, der aber zumindest im Kader stehen dürfte. Dagegen wird es für den unter Favre nur als Einwechselspieler berücksichtigten Karim Mamtour nach einem grippalen Infekt eng.
Weiter nicht auszuschließen ist ein Wechsel im Tor, nachdem sich Logan Bailly mit seinem Blackout gegen Kaiserslautern eigentlich selbst disqualifiziert hat. Lucien Favre ließ auch am Donnerstag die Katze nicht aus dem Sack und wollte sich öffentlich nicht festlegen, wer in München zwischen den Pfosten stehen wird.
Bestätigen konnte Favre immerhin, dass es für die Borussen in München eigentlich »nichts zu verlieren« gibt. Die Marschroute ist klar: »Wir wollen und müssen eine Topleistung bringen, intelligent verteidigen, nicht zu tief stehen und wenig Fouls begehen«.
Die bei seinem Amtsantritt aufgestellte Hochrechnung, dass zum Klassenerhalt sechs Siege benötigt werden, hat für den Schweizer immer noch Bestand. Es fehlen also noch vier. »Das Programm ist schwer, das weiß jeder. Doch wir wollen und müssen unsere Punkte machen«. Oder wie es Max Eberl ausdrückt: »Wir werden bis zum Schluss versuchen, das Unmögliche möglich zu machen«.