Mittwoch, 23. März 2011 - 07:47 Uhr
Als Borussias ehemaliger Trainer Michael Frontzeck im Winter seine Mannschaft neu ordnete, auf die Neuzugänge Martin Stranzl, Mike Hanke und Håvard Nordtveit baute sowie den defensivschwachen Juan Arango auf der linken Seite durch Mo Idrissou ersetzte, spielte auch ein weiterer „gefühlter“ Neuzugang ein Rolle in den Überlegungen. Roman Neustädter kam in der Vorrunde gerade einmal auf 5 Teileinsätze und sollte laut Frontzeck »weitestgehend unbelastet« in die neue Halbserie gehen.
Spätestens, als der eigentlich als Basisspieler eingeplante Michael Bradley Anfang des Jahres seine Wechselpläne vehement voran trieb, bot sich Roman Neustädter nach 1½ Jahren Schattendasein die Möglichkeit, die Bühne Bundesliga richtig zu betreten. Und mit seinem Siegtreffer in der Auftaktpartie beim 1. FC Nürnberg erwischte der 23-Jährige gleich einen Traumeinstand.
Doch was in den folgenden Wochen mit Roman Neustädter passierte, hinterlässt viele Fragezeichen. Schon unter seinem Förderer Frontzeck wusste er in den Partien nach Nürnberg kaum wirklich zu überzeugen. Als Lucien Favre kam, blieb Neustädter für viele Beobachter überraschend im Team. Und obwohl Neustädters Leistungen in den ersten vier Spielen unter Lucien Favre alles andere als berauschend waren, stand er auch gegen Kaiserslautern 90 Minuten auf dem Platz.
Seine Spielweise spaltet Experten wie Fans gleichermaßen. Gelobt wird sein Stellungsspiel in der Zentrale und die Aktionen, in denen er mit dem Rücken zum Gegner steht und sich schnell dreht, den Ball mit- und Fahrt aufnimmt. Kritisiert wird neben fehlender Dynamik das mangelnde Durchsetzungsvermögen, technische Mängel bei der Ballannahme und vor allem ein an Schlampigkeit grenzendes Passspiel mit großer Streuung.
Gegen Kaiserslautern brachte Roman Neustädter die Zuschauer mit unzähligen Ballverlusten nach divenhaften Dribblings gegen sich auf.
Objektiv gesehen dürfte es Zeit werden, dass Roman Neustädter eine Pause erhält. Doch Lucien Favre hat ein Problem, das bei Borussia – wie so viele – hausgemacht ist. Denn dem Schweizer fehlen schlichtweg die Alternativen. Er switcht zwischen dem 4-2-3-1 und 4-4-2 mit Raute hin und her. In jeder dieser Ausrichtungen benötigt es einen zentralen Umschaltspieler mit Offensivqualitäten. Und hier ist Roman Neustädter der einzige, während sich mit Thorben Marx, Michael Fink, Håvard Nordtveit und auch Tony Jantschke die defensiven Mittelfeldspieler stapeln.
Der einzige aus dem ursprünglichen Kader, der diese Rolle noch hätte ausfüllen können, flüchtete im Winter und wärmt nur die Ersatzbänke in der Premiere-League: Michael Bradley.
Bleibt die Frage, ob Lucien Favre an Roman Neustädter festhält und ihn ‚auf Teufel komm raus‘ durchdrückt oder ob er eine Alternativlösung basteln kann. Einfach wird beides nicht.