Montag, 21. März 2011 - 07:38 Uhr

Logan Bailly: Nach seiner starken Leistung in Bremen wähnte man den Belgier eigentlich zurück in der Spur. Umso erschreckender und unerklärlicher seine Vorstellung gegen Kaiserslautern. Von Beginn an wirkte der 25-Jährige verunsichert. Einzig in einer Situation, als er einen langen Ball gut abschirmte und ins Aus laufen ließ, war er souverän. Ansonsten bei den wenigen Lauterer Offensivaktionen flatterig. Bei einem Freistoß von halbrechts kam er raus ohne an den Ball zu kommen, bei den Freistoßhereingaben in der Schlussphase der ersten Halbzeit hatte er regelrecht Angst und versteckte sich. Vor dem 0:1 faustete er schon fast ins eigene Tor, die nächste Ecke klatschte er dann tatsächlich in den Kasten. Mit einem ‚normalen‘ Torwartfehler hatte diese unglaubliche Einlage nicht viel zu tun. Das war ein unentschuldbarer Blackout. Zwar kann man Bailly nicht dafür verantwortlich machen, dass die Mannschaft danach ins Koma fiel und aufgab, dennoch war es natürlich eine Schlüsselszene. Im weiteren Verlauf schlief Bailly noch bei einem flachen Steilpass und wurde schließlich von den eigenen Fans verhöhnt. Note 5,0.
Tony Jantschke: Defensiv mit einer weitestgehend vernünftigen Leistung. Er stand relativ gut und strahlte eine gewisse Sicherheit aus in seinem Auftreten. Jantschke blockte oft im richtigen Moment und hielt Abstand, wenn nicht unbedingt drauf gegangen werden musste. Das Kopfballtiming des 20-Jährigen ist außergewöhnlich gut, auch im Rückwärtslaufen. Nicht hektisch, dafür beidfüßig, in der Abräumarbeit. Im Spiel nach vorne fehlte allerdings einiges. Zum einen ein wenig Glück und Präzision bei seinem Kopfball nach Arango-Freistoß, zum anderen konnte er zu wenig Drang entwickeln. Gerade nach der Umstellung auf Raute, als Offensivqualitäten der Außenverteidiger besonders gefragt waren, kam zu wenig. Für Flügelläufe fehlt die Schnelligkeit, dazu hat er noch deutliche Defizite bei den Flanken. Selbst wenn er unbedrängt flanken kann, fehlt es an Schärfe und Genauigkeit. Note 4,0.
Martin Stranzl: Der Österreicher verzeichnete Borussias einzige echte Torchance im Spiel, als er nach einer kurz abgewehrten Ecke per Lupfer vom Fünfmeterraum Pech hatte, dass Rodnei den Ball noch vor der Linie wegköpfen konnte. Ansonsten machte der Österreicher das, was er kann: Bälle erobern, wegschlagen und Zweikämpfe gewinnen, bevor sie richtig anfangen. Bei Ballbesitz war er mit einigen ungenauen Pässen jedoch keine Hilfe fürs konstruktive Aufbauspiel und ebenso missrieten viele seiner langen Bälle. Am Ende ging er mit nach vorne, die Brechstange wurde jedoch nicht ausgepackt. Note 4,0.
Dante: Kein gutes Spiel des brasilianischen Abwehrchefs. Er hatte einige Schwierigkeiten bei der Ballannahme und wirkte insgesamt ziemlich unkonzentriert. Mehrere Flüchtigkeitsfehler unterliefen dem 27-Jährigen, so als er berechtigterweise die Gelbe Karte sah, nachdem er zuvor selbst den Ball hergegeben hatte. Im Spielaufbau kamen die langen Pässe nur ganz selten an. Dante ließ sich vom Charakter des Spiels anstecken. Note 5,0.
Filip Daems: Machte zunächst Dampf und holte die erste Ecke heraus. Cool seine Brustablage auf den Torwart unter Bedrängnis. Im weiteren Verlauf mit weniger Aktionen, wobei er eigentlich auf der Außenbahn auch in der Offensive gefragt war. Im zweiten Durchgang, als Kaiserslautern aufkam, mit einigen Problemen. So ließ er sich einmal vom hakenschlagenden Ilicevic fast einen Knoten in die Beine dribbeln. Bei Umschaltmomenten mehrmals etwas zu langsam reagierend. Nach dem Rückstand fehlten ihm für mehr Betrieb nach vorne der Raum, die Möglichkeit und letztlich auch der Mut. Note 4,0.
Håvard Nordtveit: Stand wie erwartet wieder in der Startelf und mischte zunächst ordentlich mit. Er sah den startenden Fink, doch sein Pass war zu tief. Überhaupt war Nordtveits Passspiel nicht so sicher wie gewohnt. Dafür eroberte er nach Ballverlusten oft mit gutem Stellungsspiel das Leder wieder zurück. Im letzten Teil der Partie der einzige, der noch dazu ansetzte, das Ruder herumreißen zu wollen. Leider war er alleine und das Ruder zu schwer. In der Schlussphase wirkte er etwas irritiert und machte einige Frustfouls als er sich bewusst war, dass sich die Mannschaft aufgegeben hatte. Note 4,0.
Michael Fink: Suchte hin und wieder den Anschluss nach vorne, so startete er einmal gut durch, doch der Pass von Nordtveit kam nicht an. Ansonsten defensiv mit ordentlicher Laufarbeit, darüber hinaus trug er jedoch zu einem konstruktiven Spiel nichts bei. Ein paar Alibi-Außenristpässe, wenn niemand in der Nähe ist, reichen nicht aus. Tiefpunkt war eine Szene, als sich Fink bei einer Ballmitnahme selbst tunnelte. Ein Laufduell verlor er trotz Vorsprung und ließ sich einfach abdrängen. Letztendlich scheint es egal, ob Fink oder Marx ein wenig zerstört – beide fügen nichts hinzu. Note 5,0.
Marco Reus: Kaiserslautern hatte Borussias Offensivwaffe gut im Griff. Weder auf rechts, noch als zweite Spitze, konnte sich der 21-Jährige durchsetzen und nur selten freispielen. Die Räume waren sehr eng und Reus verzweifelte früh. Sichtbar auch daran, dass er viel reklamierte. Insgesamt eine unsichtbare Leistung, weil er sich nie aus dem Netz der roten (schwarzen) Teufel befreien konnte. Note 5,0.
Juan Arango: Fing einigermaßen gut an, wollte direkt kombinieren und mit schnellen Weiterleitungen Löcher reißen. Seine Freistöße aus dem Halbfeld waren ordentlich. Baute dann, spätestens mit der der Umstellung auf 4-4-2 mit Raute, gewaltig ab. In der zweiten Halbzeit war er überhaupt nicht mehr zu sehen und seine Auswechslung folgerichtig. Zur Verteidigung des Venezolaners muss allerdings die Frage erlaubt sein, mit wem er denn kombinieren soll? Reus war abgemeldet, Neustädter und Fink zum Kombinationsspiel nicht geeignet, Daems zu zögerlich und Idrissou alleine auf einer Insel. Nicht wirklich verwunderlich, dass bei Arango der Frust die Lust besiegt. Note 5,0.
Roman Neustädter: Der 23-Jährige entwickelt sich immer mehr zum Problemfall. Auf der Sechs, neben der Sechs, auf der Zehn – überall hat er es probiert und nirgendwo klappte es. Weder defensiv, noch im Kombinationsspiel oder im Anschließen nach vorne konnte er sich wirklich einbringen. Vor lauter Umstellungen wusste Neustädter am Ende selbst nicht mehr, welche Rolle er gerade ausfüllen sollte und irrte entsprechend orientierungslos herum. Es ist schon verwunderlich, wie er immer wieder ‚mädchenhaft‘ dribbeln darf. Neun von zehn Mal bedeutete dies einen Ballverlust. Note 5,0.
Mo Idrissou: Der Mann auf der Insel. Alleine gelassen und ohne Anschluss ans Spielgeschehen. Oft ging es durch die Mitte, doch meistens quer oder nach hinten. In die Spitze kamen nur wenige Anspiele, präzise waren sie nicht. Die seltenen Zuspiele konnte der Kameruner nicht richtig verarbeiten und seine Hereingaben waren immer Beute der Pfälzer. So blieb ihm nur, aussichtslosen Bällen hinterher zu rennen. Eine halbe Stunde vor Schluss wurde er durch Hanke ersetzt. Note 5,0.
Mike Hanke: Kam für Idrissou, kurz darauf fiel das Tor und das Gladbacher Spiel war tot. Hanke packte zwar mal die Grätsche aus, musste jedoch einsehen, dass nichts mehr ging. Ohne Note.
Patrick Herrmann: Kam in das besagte tote Spiel, ging auf die rechte Seite und bemühte sich. Mehr war nicht drin. Ohne Note.
Karim Matmour: Als letzte Offensivoption über links zumindest mit zwei Versuchen auf das Tor. Die waren zwar letztlich harmlos, dennoch waren es die meisten aller Borussen nach der Pause. Das sagt alles. Ohne Note.