Samstag, 19. März 2011 - 13:42 Uhr

Es war ein rabenschwarzer Tag für Borussia Mönchengladbach. »Das ist schwer zu verdauen heute«, sagte Cheftrainer Lucien Favre. Zuvor hatte er mit traurigem Blick auf dem Podium im Presseraum des Borussia-Park den Ausführungen von Trainerkollege Marco Kurz gelauscht.
Dabei hatte es zunächst gar nicht so ausgesehen, dass der Abend einen so desillusionierenden Ausgang nehmen sollte. »Die ersten fünfzehn-, zwanzig Minuten war es noch ganz gut«, sagte Favre. In diese Phase fielen die beiden Torchancen nach Standards durch Jantschke und Stranzl. Spielerisch war es allerdings auch hier schon recht dünn.
Lucien Favre änderte daher bereits nach einer knappen halben Stunde das Spielsystem vom 4-2-3-1 auf ein 4-4-2 mit Raute. Was zuletzt gegen Hoffenheim funktionierte und in Bremen verpuffte, brachte diesmal sogar einen Bruch ins Spiel. »Wir waren zu überhastet, hatten zu viele Ballverluste«, monierte der 53-Jährige. »Und wir haben zu wenig über die Seiten gespielt, in der Mitte war es zu eng«.
Mit der Umstellung auf die Raute hatte Favre allerdings selbst dazu beigetragen, dass sich das Geschehen auf die Mitte des Spielfeldes konzentrierte. Damit das 4-4-2 mit Raute auch offensiv funktioniert, sind Flügelläufe der Außenverteidiger gefragt. Doch weder Daems und schon gar nicht Jantschke waren in der Lage, gefährliche Flanken zu schlagen.
»Wir haben zu kompliziert gespielt und waren oft einen Schritt zu spät in der Antizipation, defensiv wie offensiv«, erklärte der Schweizer. Je länger das Spiel dauerte, desto offensichtlicher wurde das „Kopfproblem“ der Spieler. »Wir haben die Geduld verloren, dadurch resultierten viele Ballverluste. Und mit den Kontern von Kaiserslautern schwand das Vertrauen immer mehr«, so Favre weiter.
Daran änderte auch die Rückkehr zum ‚alten‘ Spielsystem mit Beginn der zweiten Halbzeit nichts. Das Offensivspiel blieb weiter harm- und einfallslos. »Wir haben Probleme, das Spiel zu machen«, räumte Favre ein.
Und als Kaiserslautern nach einer knappen Stunde etwas mutiger wurde, hatte Logan Bailly seinen großen Auftritt. »Es fällt schwer, mir das anzusehen«, sagte Lucien Favre beim Studium der Fernsehbilder. »Ich will das nicht kommentieren«.
Der unerklärliche Aussetzer des belgischen Nationaltorhüters, noch dazu mit Ansage, bedeutete nicht nur das 0:1, sondern war gleichbedeutend mit dem Genickbruch der Mannschaft. Statt einer wütenden Trotzreaktion brach das Team in alle Einzelteile auseinander. »Wir haben alles versucht, auch wenn es nach außen vielleicht nicht so rüber kommt«, sagte Martin Stranzl. »Du hast im Spiel großen Aufwand betrieben und wenn du dann gegen so eine Mannschaft zurückliegst, wird es sehr schwer«.
Lucien Favre versuchte noch zu korrigieren, änderte das System noch zweimal und brachte mit Hanke, Herrmann und Matmour drei frische Offensivkräfte. Genutzt hat es freilich nichts. »Am Ende haben wir mit vier Stürmern gespielt und es war katastrophal«, sagte Favre.
Kaiserslautern gewann schließlich mit biedersten Mitteln ungefährdet und verdient und hinterlässt in Mönchengladbach einen echten Trümmerhaufen. »Wir müssen Profis sein bis zum Saisonende«, appellierte Lucien Favre schon mal an die Ehre seiner Spieler. Auch Sportdirektor Max Eberl fuhr diese Schiene. »In den verbleibenden sieben Spielen müssen wir uns professionell verhalten und dann sehen, wie es weitergeht«, erklärte er.
Die Frage bleibt, wie man die letzten Partien angeht. Lucien Favre schloss aus, dass man im Harakiri-Stil „Alles oder Nichts“ spielen wird. Und dass er nun einfach einige junge Spieler hoch zieht und spielen lässt, ist für den Schweizer auch keine Lösung. »Damit tust du den Spielern keinen Gefallen. Du musst einen jungen Spieler im richtigen Moment bringen«.
Und so ließ sich der Trainer auch nicht dazu hinreißen, sich auf einen Torwartwechsel festzulegen. »Logan hat heute einen großen Fehler gemacht. Aber man darf nicht vergessen, dass er vorher gut gespielt hat«, stellte er sich zumindest öffentlich vor seinen Keeper. Einen Freifahrtsschein wollte er Bailly gleichwohl nicht ausstellen. »Jetzt sind zwei Wochen Pause und ich habe mir noch keine Gedanken über das Spiel in München gemacht. Warten wir es ab«.
Dass die Sache mit dem Klassenerhalt so gut wie erledigt ist, wollte Lucien Favre nicht großartig anzweifeln. »Ich bin realistisch optimistisch«, sagte er. »Es war schon vor meiner Ankunft kompliziert, jetzt ist es noch schwerer. Jeder kann die Tabelle lesen, aber es sind noch 21 Punkte zu vergeben«. In der Verfassung vom Kaiserslautern-Spiel werden die Borussen davon allerdings kaum genügend holen können …