Dienstag, 15. März 2011 - 07:33 Uhr
Logan Bailly: Bremen ist fraglos ein gutes Pflaster für den belgischen Nationalkeeper. Zwei Jahre nach seiner Glanzvorstellung, als er der Borussia ein 1:1-Remis im Weserstadion sicherte, wiederholte Bailly dieses Kunststück. Schon direkt zu Beginn rettete er mit starkem Reflex via Pfosten gegen einen Kopfball von Wagner, im Verlauf der ersten Halbzeit folgten noch einige Glanztaten, u.a. zweimal gegen Bargfrede. Beim Gegentor war der 25-Jährige machtlos, ansonsten der Garant dafür, dass es mit dem knappen Rückstand in die Pause ging. Einmal zögerte er bei einem langen Steilpass etwas, so dass Dante zur Ecke klären musste. Daneben spielte er jedoch sehr aufmerksam mit und verarbeitete die Rückgaben – auch mit seinem schwächeren rechten Fuß – sehr gut. Nach dem Wechsel nicht mehr so stark gefordert, aber stets Ruhe ausstrahlend. Auffällig die Sicherheit bei Flanken, die er mit großer Selbstverständlichkeit pflückte. Note 2,0.
Tony Jantschke: Fing mit einem Fehlpass an, als er in Ballbesitz von Silvestre sofort unter Druck gesetzt wurde und ließ kurz darauf einen Ball ins Seitenaus rutschen. Der 20-Jährige hatte ziemliche Mühe, seine Seite dicht zu halten. Einige Flanken konnte er nicht verhindern, dazu verursachte er mehrere Eckstöße. Positiv, dass er die Ruhe behielt und sich nicht zu übertriebenem Einsteigen locken ließ. Einmal versuchte Pizarro ihn quasi dazu zu nötigen, doch Jantschke biss bewusst nicht an. Im Laufe des Spiels wurde er sicherer und konnte vor allem im Luftkampf überzeugen. Das Passspiel klappte besser, wobei er in der zweiten Halbzeit einmal zu lange zögerte, und den mittig freistehenden Reus zu spät anspielte. Ein klarer Minuspunkt die Flanken von Jantschke: sie gerieten sämtlich zu kurz und zu flach. In den letzten zehn Minuten spielte er im Mittelfeld, als auf Dreierkette umgestellt wurde. Note 4,0.
Martin Stranzl: Hochbetrieb für Borussias Innenverteidiger, der sich zusammen mit Dante einer Angriffswelle nach der anderen gegenüber sah. Der Österreicher hatte so seine Schwierigkeiten mit dem wendigen Pizarro, warf sich allerdings immer mit vollem Einsatz dazwischen. Er räumte eine Menge weg, u.a. rettete er in höchster Not, nachdem Dante über den Ball trat. Vor allem vor der Pause wurde er oft zur Entscheidung veranlasst, frühzeitig rauszurücken. Beim Gegentor sah der 30-Jährige nicht gut aus, wobei die Flanke sehr gut geschlagen war und immer länger wurde. In der Schlussphase hatte er nach Arango-Hereingabe den Ausgleich auf dem Fuß, verzog jedoch deutlich. Note 3,5.
Dante: Die Maske, die er aufgrund des Nasenbeinbruchs tragen musste, beeinträchtige den Brasilianer offensichtlich. Wie Stranzl sah er sich zunächst dem Dauerdruck der Bremer ausgesetzt und musste viele Situationen am Limit klären. Das was ‚durchrutschte‘, war fast unvermeidlich. So musste Stranzl einmal retten, nachdem Dante über den Ball getreten hatte und dem Lattenknaller kurz vor dem Pausenpfiff ging ein verlorenes Kopfballduell voraus. Dafür klärte Dante mit letztem Einsatz gegen Pizarro, der Stranzl abgeschüttelt hatte. Im Aufbauspiel aufgrund geringer Anspielmöglichkeiten manchmal etwas zu zögerlich und dadurch mit einigen riskanten Aktionen. Nach der Pause weniger gefordert und dann mit dem wichtigen Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit, als er mit aller Konsequenz durchstartete. Note 3,5.
Filip Daems: Wie der gesamte Abwehrverbund vor allem in der ersten Halbzeit stark gefordert. Sowohl Bargfrede als auch der nachrückende Fritz sorgten auf seiner Seite für Betrieb. Daems versuchte mit wechselndem Erfolg dagegen zu halten. In der Vorwärtsbewegung wollte kaum etwas gelingen. Vor dem Gegentor versuchte er sich an der Mittellinie durchzusetzen, wurde dann von Frings gefoult, was nicht geahndet wurde. Auch im zweiten Durchgang wollte er nach vorne kombinieren, wobei dies doch sehr durchsichtig und forciert wirkte. In der Schlussphase beim Rettungsversuch vor dem Pfostenschuss von Arnautovic einen Tick zu spät. Note 4,0.
Thorben Marx: Gegen die flexiblen Bremer hatten die Mittelfeldspieler große Probleme, wirklichen Zugriff zu bekommen. Viel lief über die Außen, so dass Marx oft verschieben musste. Er verlor dann mehrere Zweikämpfe bzw. kam überhaupt nicht mehr in das direkte Duell. Hier machte sich die fehlende Spritzigkeit bemerkbar. Negativer Höhepunkt der verlorene Zweikampf gegen Pizarro vor dem Gegentor, als er sich sehr ungeschickt anstellte. Unglücklich auch seine Rolle beim Freistoßtrick , als er den Chip-Pass auf den zweiten Pfosten spielen sollte, was nicht gelang. Insgesamt zu wenig und deshalb die nachvollziehbare Auswechslung zur Pause. Note 4,5.
Michael Fink: Die Statistik weist etwas bessere Zweikampfwerte als bei Marx aus, doch großartig unterschied sich die Leistung der beiden ehemaligen Bielefelder nicht. Zunächst neben Marx auf der Doppel-6, nach der Umstellung dann rechts in der Raute, lief auch Fink der Musik oft nur hinterher. Auf den ersten Metern wirkt Fink ausgesprochen langsam. Der Wille war fraglos da, dennoch stellten ihn die flinken Bremer oftmals vor vollendete Tatsachen. Im Spiel nach vorne mit einem guten Pass auf Neustädter, darüber hinaus allerdings ohne nennenswerte Aktionen. In den letzten zwölf Minuten durch den offensiveren Herrmann ersetzt. Note 4,5.
Juan Arango: Zu Beginn auf der linken Außenbahn noch mit ein paar Aktivitäten, danach als linker Mann in der Mittelfeldraute vor allem mit Fokus auf die Defensive unterwegs. Das machte der Venezolaner im Rahmen seiner Möglichkeiten ordentlich. Vorne wurde er „Opfer“ des neu einstudierten Freistoß-Tricks. Trotz der eher wenigen Aktionen war der 30-Jährige am Ball relativ sicher und an den entscheidenden gefährlichen Situationen beteiligt. Sein perfekt getretener Freistoß aus dem Halbfeld ermöglichte den Last-Minute-Ausgleich. Note 4,0.
Roman Neustädter: Der 23-Jährige ließ ein paar Mal seine fußballerische Klasse aufblitzen. Einige Drehungen am Ball waren gelungen, dazu spielte er einen tollen Direktpass zur Reus-Chance. Daneben gab es jedoch eine längere Mängelliste. Öfter versprang ihm der Ball oder es unterliefen ihm wirklich schlampige Abspiele. Er vermochte das Leder kaum zu sichern und schaffte keine Tempowechsel. Auffällig, dass er den Bällen oft nicht entgegen kommt, sondern auf die Kugel wartet. Das hemmt den Spielfluss. Sinnlos manche Körpertäuschung, bei denen er den Ball durchlaufen lassen will, ohne dass ein Kollege reagieren könnte. Die Laufbereitschaft ist vor allem in der Rückwärtsbewegung hoch, die Effizienz nach vorne dagegen kaum vorhanden. Nur einmal trat er in vorderster Front in Erscheinung, doch sein Schuss flog in Richtung des sich im Oberrang befindenden Gladbacher Fanblocks. Note 4,5.
Marco Reus: Begann auf rechts, rückte dann erneut schon sehr früh in die Spitze. Schaffte es als einziger, die Bremer zumindest etwas zu beschäftigen. So sorgte er für Prödls gelbe Karte. Werder hatte sich gut auf Reus eingestellt und attackierte ihn frühzeitig mit mehreren Spielern. Reus geriet dabei nicht in Panik, sondern suchte eine rasche Lösung. Die fand er zwar nicht oft, doch es macht immer den Eindruck, dass er sich freispielt, wenn er die Lücke zum Durchbruch sieht. Im weiteren Spielverlauf unterliefen Reus einige Ungenauigkeiten und leichte Ballverluste. In der Schlussoffensive drehte er dann nochmals auf und hatte Pech, dass Wiese seinen schönen Schuss parieren konnte. Note 4,0.
Mo Idrissou: Der Stürmer hing komplett in der Luft und konnte nur selten ins Geschehen eingreifen. Er half defensiv mit aus, ließ sich oft bis ins Mittelfeld fallen. Vorne allerdings ohne einen Stich. Am Boden konnte er sich nicht durchsetzen und auch in der Luft, sonst eigentlich seine Domäne, kauften ihm Mertesacker und/oder Prödl den Schneid ab. Nach 64 Minuten musste der Kameruner für Hanke weichen. Note 4,5.
Håvard Nordtveit: Unverständlich, dass er nicht von Beginn an spielte. Mit ihm kam eine gewisse Dynamik ins Mittelfeld und es wurden auch mal Bälle abgelaufen. So nahm er Marin einmal humorlos das Leder ab und fuhr noch mehrmals beherzt dazwischen. Sein klares Passspiel sorgte dafür, dass das Geschehen weiter vom eigenen Tor weggehalten werden konnte. In der Nachspielzeit holte Nordtveit mit seinem Einsatz den Freistoß zum Ausgleich heraus. Note 3,5.
Mike Hanke: Mit ihm kam etwas mehr Ruhe und Ballsicherheit in die vorderste Front. Allerdings kam auch der Ex-Nationalspieler nicht zum Abschluss. Einmal wurde er steil geschickt, bekam jedoch nicht genug Druck hinter den Ball. Ohne Note.
Patrick Herrmann: Durfte in der Schlussoffensive mitmischen und sorgte für etwas Unruhe auf der rechten Seite. Der 20-Jährige kam sogar in gute Schussposition, zog allerdings viel zu überhastet ab. Den Ball hätte er zumindest aufs Tor bringen müssen. Ohne Note.