Sonntag, 13. März 2011 - 13:42 Uhr
TF: Neuerdings habt ihr eine neue Freistoßvariante. Welchen Vorteil hat die?
Frank Geideck: Welche? Die zum Tor führte?
TF: Nein, die war ja direkt. Wir meinen die, wo der Ball stets einen Meter nach vorne gespielt wird, bevor er reingeschlagen wird. Wo liegt da der Nutzen?
Frank Geideck: In der ersten Halbzeit hatten wir den zentralen Freistoß, wo wir einen Trick probiert haben, indem zur Seite gespielt und der Ball rüber gechipt wurde. Wäre er ein bisschen höher gekommen, hätte es vielleicht funktioniert. Bei den angesprochenen Situationen bestimmen die beiden, die am Ball sind, also Arango und Reus. Sie entscheiden für sich, ob sie ihn lieber direkt spielen oder ob sie einmal antippen.
TF: Der eine Meter nach vorne soll da helfen?
Frank Geideck: Wenn der Spieler meint, er kriegt ihn damit besser vors Tor …
TF: Der Ball ruht doch so oder so …
Frank Geideck: Grundsätzlich ist es ja so, dass die Abwehr ein bisschen in Bewegung ist, wenn der Ball gespielt wird. Ein ruhender Ball gegen eine stehende Abwehr kann zwar auch gefährlich sein, wie bei unserem Tor, aber wenn der Ball in Bewegung ist, macht die Abwehr oft einen Schritt nach vorne.
TF: Gibt’s da eine Anweisung vom Trainerteam?
Frank Geideck: Nein, das machen die Spieler selbst. Diese kleinen Sachen entscheiden sie.
TF: Und die großen Sachen?
Frank Geideck: Solche Situationen wie in der ersten Halbzeit lassen wir einstudieren. Der Chip auf den zweiten Pfosten war leider etwas zu flach, doch solche Varianten können durchaus sinnvoll sein.
TF: Was hältst Du von kurzen Ecken?
Frank Geideck: Das ist das gleiche Thema, damit bringt man Bewegung in die Abwehr. Das hatten wir einmal, als Arango aus der Tiefe kam und die Bremer schliefen. Nach dieser kurzen Ecke hatte Stranzl eine große Chance am zweiten Pfosten. Wenn man die schnell ausführt, macht es Sinn. Zumal man einen Verteidiger bewusst aus einer Lücke rausziehen kann.
TF: Letztendlich gehört noch eine gute Portion Glück dazu, oder?
Frank Geideck: Ecken und Freistöße stehen und fallen damit, wohin der Ball kommt. Vor zig Jahren kam mal einer aus den USA vom American Football, der sehr standardisiert ist. Er hatte ein Buch geschrieben über Standardsituationen und wie die übertragen werden könnten. Doch beim American Football kann man mit der Hand wesentlich präziser sein. Beim Fußball kann ich mir Tricks ausdenken und Standards trainieren wie ich will, letztendlich ist die Frage, wo kommt die Ecke oder der Freistoß hin. Wenn der Ball einen Meter zu hoch oder zu tief kommt, ist es sowieso vorbei. Wenn die Kugel gut reingeschlagen wird, ist es egal, ob man direkt oder eine kurze Ecke spielt.
TF: Roman, das gleiche Thema aus Spielersicht. Warum die „angetippten“ Freistöße aus dem Halbfeld?
Roman Neustädter: Um zu schauen, wie die Abwehr sich verhält, wenn wir einen Ball anspielen, wieviele Spieler sich in die Mauer stellen. Vielleicht können wir sie dann zu zweit gegen einen ausspielen.
TF: Euer zweiter Mann fehlt damit jedoch im gegnerischen Strafraum, da habt ihr dann einen weniger …
Roman Neustädter: Der zweite Mann hat doch so oder so noch einen abzusichern. Es ist ja nicht so, dass Martin Stranzl, Dante oder ich da stehen. Da kommt einer hinzu, der absichern muss. Er tippt den Ball an, der andere stoppt, er schießt und danach wird direkt schon abgesichert. Im Strafraum macht das keinen Unterschied.
TF: Hattest Du den Eindruck, dass die Variante funktioniert hat?
Roman Neustädter: Was heißt funktioniert? Gefahr bringt es, wenn sie letztlich gut getreten sind. Und wenn irgendwann nur ein Mann in der Mauer steht, können wir es ja mal ausspielen. Das ist situationsabhängig.
TF: Der letzte Freistoß war direkt …
Roman Neustädter: Stimmt. Am Ende galt dann nur: so viele Männer wie möglich in den Strafraum. Es war sozusagen die letzte Chance, wir sind alle nach vorne. Juan schlägt einen überragenden Ball, der Torwart kann nicht rauskommen, Dante hält den Schädel hin und drin ist er! Einfach perfekt.