Samstag, 12. März 2011 - 20:30 Uhr
Borussias Trainer Lucien Favre musste im Weserstadion auf Igor de Camargo verzichten, der noch einige Wochen nicht zur Verfügung stehen wird. Ersetzt wurde der beste Stürmer der letzten Wochen durch Mo Idrissou.
Ansonsten ließ Favre seine Mannschaft gegenüber dem 2:0-Sieg vor einer Woche gegen Hoffenheim unverändert. Dante spielte trotz angebrochener Nase mit einer Schutzmaske, Mike Hanke und Håvard Nordtveit standen nach überstandener Grippe wieder im Kader, blieben aber zunächst auf der Bank. Im Falle von Nordtveit sicher eine kleine Überraschung.
Die Mannschaft begann in der gleichen Ausrichtung wie gegen Hoffenheim, also in einem 4-2-3-1 mit Idrissou als einziger Spitze. Doch vorne gab es nichts zu bestellen, denn Bremen machte gleich von Beginn an ordentlich Betrieb. Bereits ist der dritten Minute hätte die Schaaf-Truppe in Führung gehen können. Silvestre flankte von Borussias rechter Seite, weder Dante noch Stranzl waren bei Sandro Wagner, der frei zum Kopfball kam. Logan Bailly lenkte das Leder mit einem tollen Reflex via Pfosten ab.
Den Anfangsschwung der Werderaner überstanden die Borussen zwar, doch im eigenen Spiel nach vorne wollte überhaupt nichts gelingen. Eine sehr gute Freistoßmöglichkeit 18 Meter zentral vor dem Tor verschenkte man mit einem misslungenen Trick, ansonsten sorgte nur Marco Reus mit einigen Antritten für etwas Unordnung im Bremer Defensivverbund, der darüber hinaus völlig unterfordert blieb.
Bremen war das bessere Team, die Borussen brachten weder Entlastung nach vorne noch Stabilität ins Spiel nach hinten. Die Chancen für die Gastgeber häuften sich: in der 18. Minute spazierten die Bremer durch Gladbachs Mittelfeld, Wagner passte in den Lauf von Bargfrede, der frei vor Bailly abziehen konnte. Borussias Keeper blieb lange stehen und wehrte den Schuss mit einer hervorragenden Reaktion ab (18.). Nur eine Minute später hatte der Belgier Glück, dass Mertesacker nur das Außennetz traf.
Lucien Favre stellte wie schon in der Vorwoche frühzeitig auf ein 4-4-2 mit Raute um, schickte Reus nach vorne und beorderte Fink auf die rechte Halbposition. Eine Verbesserung brachte dies allerdings nicht. Nach wie vor gingen die mühsam erkämpften Bälle spätestens kurz hinter der Mittellinie verloren und Bremen kam immer wieder gefährlich auf. So in der 34. Minute, als Bailly nach einem Bargfrede-Schuss erneut gut abwehrte.
Doch fünf Minuten später war der Belgier geschlagen. Daems wurde an der Mittellinie von Frings regelwidrig gestoppt, Schiedsrichter Gräfe ließ allerdings weiterlaufen. Pizarro ließ Marx ganz alt aussehen und flankte aus dem Halbfeld. In der Mitte stimmte die Abstimmung zwischen Jantschke und Stranzl nicht, Wagner kam zum Kopfball und traf genau ins Eck.
Die Führung der Norddeutschen war mehr als verdient und sie hätten sie sogar vor dem Pausenpfiff noch ausbauen können. Borwoski nagelte den Ball eine Minute vor dem Pausenpfiff an den Querbalken.
So gingen die Borussen nach einer schwachen Vorstellung und ohne eine einzige Torchance in die Kabinen. Einzig positiv aus Gladbacher Sicht, dass der Rückstand nur ein Tor betrug.
Zur zweiten Halbzeit blieb Thorben Marx draußen, Håvard Nordtveit ersetzte ihn. An der Spielverteilung änderte sich zunächst nichts. Bremen war weiterhin dominierend, allerdings nicht mehr so druckvoll wie vor der Pause. Den Borussen gelang es weiterhin nicht, nach vorne für Gefahr zu sorgen. Nur in der 62. Minute gab es eine Torchance in Folge eines Bremer Ballverlustes in der Vorwärtsbewegung. Fink passte auf Neustädter, der am Strafraum zum Schuss kam, aber hoch über das Tor zielte.
Lucien Favre zog noch seine zwei Wechseloptionen, brachte Hanke für Idrissou und später Herrmann für Fink. In den letzten zehn Minuten stellte er auf Dreierkette um und schob Jantschke ins Mittelfeld.
Bremen beschränkte sich aufs Kontern, der eingewechselte Marin forderte Bailly, der den Schuss seines Ex-Kollegen über die Latte lenken konnte (79.) und als die Borussen schließlich komplett ins Risiko gingen, traf Aranautovic nur den Außenpfosten (89.).
Dazwischen hatten allerdings die Gladbacher – endlich – ihre ersten wirklichen Tormöglichkeiten. In der 86. Minute passte Neustädter auf Reus, der von der Strafraumgrenze abzog und Wiese zu einer Glanzparade zwang. Eine Minute später flankte Arango nach kurz ausgeführter Ecke an den zweiten Pfosten, wo Stranzl den Ball freistehend in die Wolken drosch.
Die Borussen hielten mit dem Mut der Verzweiflung den Druck hoch und wurden in der zweiten Minute der Nachspielzeit doch noch belohnt. Nach einem Foul von Wesley an Nordtveit gab es Freistoß aus dem rechten Halbfeld für den VfL. Arango zog den Ball scharf vors Tor, "Maskenmann" Dante setzte sich am Fünfer energisch gegen Prödl durch und wuchtete die Kugel in die Maschen.
Am Ende erreichte die Borussia einen sehr glücklichen Punkt in Bremen, der besonders für die Moral wichtig ist. Die Leistung, vor allem in der ersten Halbzeit, gilt es jedoch kritisch zu hinterfragen.
Kurzstatistik zum Spiel:
Werder Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Prödl, Silvestre - Frings - Bargfrede, Borowski (71. Wesley) - Trinks (58. Arnautovic) - Pizarro, Wagner (58. Marin)
Borussia Mönchengladbach: Bailly – Jantschke, Stranzl, Dante, Daems – Marx (46. Nordtveit), Fink (78. Herrmann) – Reus, Neustädter, Arango – Idrissou (64. Hanke)
weiter im Kader: Heimeroth (ETW), Brouwers, Levels, Matmour
Tore: 1:0 Wagner (39.), 1:1 Dante (90. +2)
Gelbe Karten: Prödl, Bargfrede, Marin -
Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)
Zuschauer: 40.500 (ausverkauft)