Donnerstag, 10. März 2011 - 14:19 Uhr
Das Verletzungspech zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison von Borussia Mönchengladbach. Jüngster Ausfall: Stürmer Igor de Camargo zog sich eine schwere Innenbanddehnung im linken Knie zu. Während der Brasilianer mit belgischem Pass gestern noch von einer Ausfallzeit von »drei bis vier Wochen« sprach, fiel die Prognose von Trainer Lucien Favre am Donnerstag düsterer aus. »Igor ist leider verletzt und es wird vier bis sechs Wochen dauern«, sagte der Schweizer.
In großes Gejammer wollte der 53-Jährige ob des Verlusts seines besten Angreifers nicht verfallen. »Es ist so und wir können es nicht ändern«, stellte er fest. »Wir müssen die Gedanken jetzt aufs Bremen-Spiel lenken«.
Im Hinblick auf das Duell an der Weser ist natürlich die erste Frage, wer Igor de Camargo ersetzt. »Ich überlege noch, wie ich die Lücke schließen kann«, meinte Lucien Favre. »Noch weiß ich es nicht. Aber ich zähle auf jeden Spieler«.
Vieles deutet darauf hin, dass es Mo Idrissou sein wird, der dies bereits gegen Schalke machte, als de Camargo gesperrt war. Dass stattdessen Mike Hanke beginnen wird, ist eher unwahrscheinlich. Der Neuzugang aus Hannover hat nach überstandener Grippe erst gestern mit dem Training begonnen. »Wir müssen noch klären, wie er sich fühlt«, sagte Favre. Vermutlich wird Hanke zum Kader gehören können, aber zunächst auf der Bank sitzen.
Dort könnte sich auch einer aus dem Mittelfeldtrio Marx, Fink und Neustädter wiederfinden, das am letzten Wochenende gegen Hoffenheim siegreich war. Denn auch Håvard Nordtveit hat seine Grippe überwunden und meldet sich spielfit. Da der junge Norweger in den bisherigen Spielen überzeugte, spricht vieles für seine Rückkehr in die Startelf.
Legt man die jüngsten Trainingseindrücke zugrunde, liegt ein Wechsel Neustädter – Nordtveit im Bereich des Möglichen. Damit würde das Zentrum gegen die flexiblen Bremer weitere Stabilität erhalten. Und dass die gegen Werder nötig ist, betonte Lucien Favre nochmals ausdrücklich. »Wir müssen sehr kompakt stehen, die Balleroberung ist sehr wichtig«, sagte er. »Und wir müssen mit viel Intelligenz spielen«.
Obwohl Werder Bremen rein tabellarisch mitten drin im Schlammassel steckt, sind die Norddeutschen für Lucien Favre kein Kandidat für den Gang in die zweite Liga. »Bremen hat für mich mit dem Abstieg nichts zu tun«, erklärte Borussias Trainer.
Dennoch ist die Brisanz der Partie im ausverkauften Weserstadion – knapp 5.000 Borussenfans werden erwartet – nicht wegzudiskutieren. Mit Blick auf das Heimspiel gegen Kaiserslautern am nächsten Wochenende ist klar, dass es zweimal um echte „Big-Points“ geht. Die sportliche Leitung will allerdings keinen unnötigen Druck aufbauen. »Ich nehme Spiel für Spiel, Kaiserslautern ist für mich noch kein Thema«, wiegelte Lucien Favre ab und auch Sportdirektor Max Eberl unterstrich, dass Bremen und Kaiserslautern keine »Schicksalsspiele« sind. »Mit diesem Begriff sollte man vorsichtig sein«, so Eberl. »Wir haben ja noch ein paar Spiele. So ist Bremen sicher eine wichtige Partie, aber wiederum nur ein Spiel von mehreren«.
»Wir haben gesagt, dass wir eine Serie spielen wollen«, sagte Eberl weiter. »Das heißt aber nicht, dass wir jedes Spiel gewinnen müssen, sondern dass auch Unentschieden zählen«. Remis hat die Borussia in der Rückrunde noch gar nicht gespielt und so könnte eine Punkteteilung zwischen den beiden Teams mit den meisten Gegentoren durchaus ein positives Ergebnis für die Borussia sein. Schließlich gab es zuletzt 1987 beim legendären 7:1 einen Erfolg der Borussia im Weserstadion. Und Bremen befindet sich aktuell fraglos im Aufwind. »Durch den Sieg in Freiburg haben sie Selbstvertrauen getankt und zudem kommt Wesley zurück«, zeigte Eberl Respekt.
Dass Werder Bremen in diese Spielzeit ein mehr als wackliges Gebilde ist, sollte allerdings nicht verschwiegen werden. Und hier gilt es für die Borussia anzusetzen. Zu verschenken hat man angesichts der Tabellensituation nun wahrlich nichts.