Dienstag, 08. März 2011 - 07:32 Uhr
Logan Bailly: Ob Borussias Keeper noch durch seine Knieblessur beeinträchtigt wurde, lässt sich nach den 90 Minuten gegen Hoffenheim nicht sagen. Denn der 25-Jährige wurde im gesamten Spiel nicht wirklich gefordert. Die Statistik weist null Hoffenheimer Schüsse aufs Tor aus. Einzig bei ein paar hohen Bällen musste der Belgier eingreifen, was er unter dem Beifall der Fans sehr sicher machte. Im ersten Durchgang gab es ein Missverständnis mit Dante, als Bailly etwas zu zögerlich aus dem Tor kam, nach der Pause stimmte die Abstimmung mit Dante ein weiteres Mal nicht. Am Ende steht ein Spiel ohne Gegentor und das zählt. Note 3,0.
Tony Jantschke: Schon erstaunlich, mit welchem Selbstverständnis der 20-Jährige bei seinem Startelfdebüt in dieser Saison agierte. Bei der Ballannahme erkennt man, dass er Vertrauen in seine fußballerischen Qualitäten hat. Im Zweikampfverhalten ruhig und ohne Risiko, aber entschlossen und auch im Luftkampf überzeugend. Trotz Größennachteilen war er durch gutes Timing fast immer Sieger in den Kopfballduellen. Spielerisch ordentlich und mit gutem Verständnis mit Fink und Marx. Bei seinen wenigen Vorstößen kamen allerdings kaum brauchbare Flanken heraus. Dafür sorgte Jantscke mit gutem Stellungsspiel dafür, dass die Abstände zu den Mitspielern klein blieben. Er hatte stets ein Auge auf das Gesamtbild und spielte intelligent und bemerkenswert routiniert. Dabei war es erst das vierte Bundesligaspiel über 90 Minuten. Die letzten drei davon gewann Borussia. Note 3,0.
Martin Stranzl: Wieder eine sehr konzentrierte und kompromisslose Vorstellung des Innenverteidigers. So leicht kommt am Österreicher niemand vorbei. Und wenn ein Gegenspieler meint, er könne anfangen zu zaubern, fegt Stranzl gewaltig dazwischen, wie einmal von hinten gegen Babel. Auf ihn zulaufende Gegenspieler ließ er in schöner Regelmäßigkeit „abprallen“ oder er holte die vertikale Grätsche heraus. Für einen Stürmer dürfte es wahrlich etwas angenehmeres geben, als gegen den kantigen Österreicher zu spielen. Auch im Luftkampf agierte der 30-Jährige überlegt. Im Spielaufbau vermied er weitestgehend das Risiko. Note 2,5.
Dante: Der Brasilianer war über die gesamte Spielzeit sehr aufmerksam und packte stets im richtigen Moment zu. Wie Stranzl rückte er einige Male frühzeitig ins Mittelfeld auf, um den Gegenspieler schon bei der Ballannahme zu stellen. Der 27-Jährige wirkte konzentrierter als zuletzt, erst beim Stande von 2:0 jonglierte er etwas überheblich herum, anstatt humorlos auf Resultat zu spielen. In der Schlussphase bekam der Brasilianer einen unbeabsichtigten Tritt ins Gesicht und musste kurz vor Ende ausgewechselt werden. Note 2,5.
Filip Daems: Eine stabile Vorstellung des Kapitäns auf der linken Seite. Er verhinderte vieles im Ansatz, indem er frühzeitig dazwischenfuhr oder richtig stand. Diesmal mit hoher Genauigkeit im Passspiel. Als Hoffenheim nach einer Stunde kurzzeitig das Tempo anzog und die Borussia etwas nach hinten gedrängt wurde, unterliefen Daems unter Druck zwei Nachlässigkeiten, die ohne Folgen blieben. Nach dem Führungstreffer durch den Elfmeter, bei dem der Belgier etwas Glück hatte, war der 32-Jährige bis zum Ende stets auf der Höhe. Note 3,0.
Thorben Marx: Startete zunächst neben Michael Fink auf der Doppel-6, nach der Umstellung im Verlauf der ersten Halbzeit agierte der ehemalige Bielefelder als alleiniger 6er in der Raute. Da die Mannschaft insgesamt gut arbeitete und die Zentrale verdichtete, profitierte auch Marx. Er eroberte die Bälle leichter als zuletzt, weil er weniger hinterherlaufen musste. So stand er oft mittendrin und konnte nach Herzenslust rackern und grätschen. Am Ball gefiel der 29-Jährige mit einigen ‚entzerrenden‘ Zuspielen auf die Seiten. Bei der einzigen Torchance von Hoffenheim durch Firminho fälschte Marx den Schuss im letzten Moment noch entscheidend ab. Note 3,0.
Michael Fink: Startelfdebüt für den Ex-Frankfurter im Borussia-Park. Er begann neben Thorben Marx als 6er, sollte dann nach der Systemänderung als rechter Mann in der Raute spielen. Fink orientierte sich jedoch vermehrt in die Mitte, da Hoffenheim das Spiel nicht breit machte. Er ackerte mit hohem Aufwand, zerstörte viel und brachte eine gewisse Galligkeit ins Mittelfeld. Fink ist keiner, der zurückzieht. Im Spiel nach vorne mit ein paar gelungenen Aktionen – so bereitete er eine Chance von de Camargo vor -, jedoch auch mit einigen Fehlpässen. Insgesamt eine stabile und solide Vorstellung. Note 3,0.
Roman Neustädter: Etwas überraschend stand er nach seiner schwachen Vorstellung in Wolfsburg wieder in der Startformation. Diesmal allerdings in weitaus offensiverer Rolle. So agierte er im 4-2-3-1 als zentraler Mann hinter der einzigen Sturmspitze de Camargo. Mit seiner Freiheit wusste er allerdings nur wenig anzufangen. Neustädter war zwar viel in Bewegung, fand jedoch keine Bindung. Erst als Reus als zweite Spitze mitmischte und sich Neustädter etwas fallen ließ, klappte es besser. In der Rückwärtsbewegung bekam er nun besseren Zugriff auf die Gegner und in einigen Aktionen zeigte der 22-Jährige eine feine Ballbehandlung als Verbindungsspieler zwischen Mittelfeld und Angriff. Darüber hinaus allerdings mehrfach leichtsinnig und nicht konsequent genug. Zum Glück hatte er diesmal mit Marx und Fink zwei Spieler im Rücken, die den einen oder anderen Ballverlust korrigieren konnten. Für die offensive Rolle strahlte Neustädter letztlich nicht genug Torgefahr aus. Note 3,5.
Marco Reus: Begann auf rechts und rückte nach der Umstellung relativ schnell in die Spitze neben de Camargo. Dort deutlich besser im Spiel und mit einem gefährlichen Aufsetzer nach einem starken Antritt. Der 21-Jährige ist mit seinen Tempodribblings kaum zu verteidigen, sorgt immer für Gefahr oder holt Freistöße heraus. Reus ist ständig auf Hochtouren, geht früh auf den Gegenspieler – und das mit Kalkül. Stark sein Pass auf de Camargo vor dem Elfmeter, genial seine Flanke zum Kopfball des Brasilianers, als er mit Höchstgeschwindigkeit durchstartete und ohne zu schauen punktgenau flankte, weil er wusste, wo sein Kollege hingelaufen war. Reus ist der Spieler, der Borussias Angriffsspiel unberechenbar macht. Note 2,5.
Juan Arango: Hatte zwar mit einem Schuss nach Flanke von de Camargo die erste Torgelegenheit für Borussia und leitete mit einem schnell ausgeführten Freistoß auch die „Hinterkopfballchance“ von de Camargo ein, doch darüber hinaus hatte Arango etwas Mühe, ins Spiel zu finden. Einige Anspiele missglückten und es schlich sich der eine oder andere technische Fehler ein, den man von Arango nicht gewohnt ist. Nach der Umstellung auf die Raute blieb Arango zunächst noch einige Zeit an der Außenline kleben. Als er dann weiter einrückte, spielte er ausgesprochen aufmerksam und effektiv mit. Sehr geschickt in den Zweikämpfen und mit einigen guten Aktionen nach vorne, selbst wenn er die Flüchtigkeitsfehler nicht ganz in den Griff bekam. Vor dem 1:0 fing er den Pass auf Rudy ab und leitete den Angriff ein, der zum Elfmeter führte. Und auch wenn seine Freistöße nicht gut waren, so verbuchte er mit der Ecke zum 2:0 einen Assist nach ruhendem Ball. Bis zum Ende machte der 30-Jährige einen fitten Eindruck. Das liegt auch daran, dass er nicht so weite Wege machen muss, wenn das Spielfeld klein gehalten wird. Note 3,0.
Igor de Camargo: Trotz einer guten Flanke zur Chance von Arango in der Anfangsphase hatte der 27-Jährige zunächst Schwierigkeiten, ins Spiel zu kommen. Mit der Unterstützung durch Reus lief es besser. Seine erste Gelegenheit war der „Hinterkopfball“ nach Arango-Freistoß, den er jedoch nicht platzieren konnte. Insoweit kein Vorwurf, den er sich allerdings für seinen überaus lässigen Abschluss in der 35. Minute gefallen lassen muss, als er eine 100%ige Chance liegen ließ. Positiv, dass er weitermachte und im zweiten Durchgang zum Matchwinner avancierte. Den Elfmeter holte er raus, indem er das Ziehen von Torwart Starke dankbar annahm und sein wuchtiger Kopfball zum 2:0 war wie aus dem Lehrbuch. Stark, wie er förmlich in der Luft stand. Auch sein Kopfball nach Reus-Flanke war ein echtes Highlight. Insgesamt war de Camargo ballsicherer als zuletzt und entwickelt sich mit vier Toren bei seinen letzten fünf Einsätzen immer mehr zum Knipser. Note 3,0.
Roel Brouwers: Kam zwei Minuten vor Schluss für den verletzten Dante, musste aber nicht mehr eingreifen. Ohne Note.
Mo Idrissou: In der Schlussminute eingewechselt für de Camargo um an der Uhr zu drehen. Ohne Note.
Sebastian Schachten: In der zweiten Minute der Nachspielzeit für Fink gekommen, durfte er immerhin ein Kopfballduell bestreiten und gewinnen. Ohne Note.