Montag, 07. März 2011 - 10:00 Uhr
Ebenso nüchtern wie die Stimmung nach dem Spiel, verlief die erste Halbzeit, in der das Geschehen auf dem Rasen noch sehr von taktischem Geplänkel und gegenseitigem Abtasten geprägt war. Die Hoffenheimer-Elf stand weitgehend tief in der eigenen Hälfte und machte es so der Borussia anfangs schwer ihre Stärken im Tempofußball auszuspielen. »In der ersten Halbzeit war es schwer, trotzdem hatten wir zwei, drei Chancen«, resümierte Borussias Trainer Lucien Favre die ersten 45 Minuten nach dem Spiel und bemängelte gleichzeitig die fehlende Geschwindigkeit seiner Mannschaft in einigen Spielsituationen. »Ab und an hätten wir schneller spielen können«.
In den wenigen Situationen in denen es der Borussia gelang ihr schnelles Angriffsspiel aufzuziehen, wurde es auch prompt brandgefährlich vor dem Hoffenheimer Tor von Tom Starke. Neben zwei gefährlichen Schüssen von Arango und Reus in der 7. und 32. Minute, war es vor allem die vergebene Großchance von Igor de Camargo, die den Fans der Borussia wieder einmal einige graue Haare beschert haben dürfte. Auch wenn sich der Brasilianer mit belgischem Pass dadurch nicht aus der Ruhe bringen ließ. »Manchmal vergibt man eine Chance, so ist es nun mal. Aber dann darf man den Kopf nicht hängen lassen und muss weiter arbeiten«, gab sich der spätere Matchwinner nach Abpfiff, wohl auch aufgrund seines späteren Treffers, gelassen.
Ähnlich wie schon im Schalke Spiel, behielt die Fohlen-Elf allerdings in der zweiten Hälfte die Nerven und fand gegen eine defensiv sowie offensiv schwache Hoffenheimer Truppe immer besser ins Spiel.
Neben der Ballsicherheit und der so oft zitierten aber nur selten erreichten Kompaktheit, scheint Favre den Spielern nun auch wieder ein gewisses Selbstvertrauen in die eigenen Stärken eingehaucht zu haben. »Wir stehen kompakter und sind aggressiver. Der neue Trainer hat viel Taktisches mit uns trainiert und viel mit uns gesprochen. Er gibt uns ein bisschen mehr Vertrauen, das ist wichtig«, zeigte sich Abwehrchef Dante von der Arbeit seines neuen Trainers beeindruckt.
Dass aber vor allem auf die Offensive Verlass ist, bewiesen Marco Reus und Igor de Camargo im zweiten Durchgang. Nach einem Traumpass von Reus lief de Camargo in der 64. Spielminute frei auf das Hoffenheimer Tor zu und konnte nur durch ein Foul des herausstürmenden TSG Keepers gestoppt werden. Den fälligen Elfmeter konnte Mannschaftskapitän Daems zwar nur denkbar knapp verwandeln, doch das interessierte in diesem Moment weder den Belgier selbst noch die gut 35.000 Zuschauer im Borussia-Park. »Andere Elfmeter von mir waren vielleicht sicherer geschossen, jetzt war Starke noch dran«, freute sich der wiedererstarkte Linksverteidiger über die wichtige Führung.
Normalerweise hätte man nach dem Führungstreffer als leidgeprüfter Anhänger wieder das Zittern anfangen müssen, da die meisten Heimspiele eben nach einer solchen Führung kippten. Aber dieses Mal war alle Vorsicht und aller Pessimismus schnell dahin, als die Mannschaft weiter nach vorne spielte und sich nicht nervös in die eigene Hälfte zurückzog. »In der Vergangenheit ist es zu oft passiert, dass wir in Führung lagen und uns dann zu sehr hinten rein drängen lassen haben. Wie gegen Schalke haben wir heute auch versucht weiter auf das Tor zu gehen«, brachte Daems die neue Devise unter Trainer Favre auf den Punkt.
Folgerichtig fiel nur fünf Minuten nach dem Führungstreffer bereits die Entscheidung nach einem Eckball von Juan Arango. Dieser flankte exakt auf den sträflich alleinstehenden de Camargo, der ohne Mühe den Ball zum 2:0 Endstand einköpfte. »Ich hoffe, dass ich dem Klub und der Mannschaft weiter so helfen kann. Egal ob es ein Pass oder ein Tor ist, für mich ist es wichtig, dass Borussia drei Punkte holt«, übte sich der Brasilianer nach seiner vergebenen Großchance aus der ersten Hälfte in Bescheidenheit.
Obwohl das Spiel gegen erschreckend schwache Hoffenheimer nach dem Lustlos-Kick von Wolfsburg wieder ein wenig Grund zur Hoffnung geben sollte, taten alle Beteiligten gut daran, nicht allzu euphorische Siegesstimmung zu verbreiten. So waren sich Spieler, Trainer und Sportdirektor einig, dass nun endlich eine Serie her muss, um den dritten Abstieg in der Vereinsgeschichte doch noch abwenden zu können. »Der Sieg tut uns gut, aber es ist auch nur ein Schritt. Ich werde jetzt den Teufel tun und irgendetwas loben. Wir müssen im Lauf bleiben und nach diesem Sieg bewusst den Ball flach halten«, formulierte Max Eberl die Marschroute für die kommenden Abstiegsgipfel gegen Bremen und Kaiserslautern.
Einziger Wehmutstropfen des gelungenen Nachmittags war die verletzungsbedingte Auswechslung von Abwehrchef Dante. Kurz vor Ende der Partie musste er nach einem Tritt ins Gesicht mit blutüberströmtem Trikot und nach vergeblicher Behandlung am Spielfeldrand ausgewechselt werden. Zuvor hatte sich der Brasilianer die lädierte Nase selbst gerichtet. Bleibt mit Hinblick auf die wohl wichtigsten beiden Wochen der Saison zu hoffen, dass Dante soweit wieder hergestellt werden kann, dass er schon in Bremen wieder zur Verfügung steht.