Sonntag, 06. März 2011 - 13:55 Uhr

Lucien Favre hatte seine Mannschaft gegen Hoffenheim nach der enttäuschenden Leistung in Wolfsburg kräftig durcheinander gewürfelt. Auf den noch besten Feldspieler der vergangenen Woche, Håvard Nordtveit, musste er notgedrungen verzichten. Daneben plumpsten Patrick Herrmann, Mo Idrissou und erstmals in dieser Saison auch Tobias Levels von der Startelf auf die Ersatzbank.
»Ich brauche alle Spieler«, betonte Lucien Favre und wollte die Umstellungen keinesfalls als Bestrafung für die schlechte Darbietung in der Autostadt gewertet wissen. »Ich musste die richtige Mischung für das Spiel gegen Hoffenheim finden und ich hatte den Eindruck, dass uns die neuen Spieler helfen können«.
Thorben Marx, Michael Fink, Tony Jantschke und Igor de Camargo rückten in die Startformation. Doch nicht nur das Personal wurde verändert, sondern auch die taktische Ausrichtung. Favre ließ seine Mannschaft im 4-2-3-1 System beginnen. Marx und Fink agierten als Doppel-6er vor der Viererabwehrkette, während Neustädter als offensiver Mittelfeldspieler auflief, unterstützt von Arango und Reus auf den Seiten. Zentral versuchte sich de Camargo als einzige Spitze.
So richtig rund lief es im neuen System allerdings nicht. »Wir hatten es schwer«, musste Favre zugeben. Und so fuchtelte der 53-Jährige dann schon früh im ersten Durchgang wie wild mit den Armen an der Außenlinie herum, um seine Mannen anzuweisen, das Spielsystem zu ändern.
Er stellte auf ein 4-4-2 mit Raute um. Marco Reus rückte neben de Camargo ganz nach vorne, Marx blieb alleiniger 6er, während Fink und Arango die Halbpositionen besetzten. Beziehungsweise besetzen sollten, denn hier hakte es augenscheinlich.
Arango hatte wohl nicht mitbekommen, dass er nun anders agieren musste, sondern blieb zunächst weiter auf der linken Außenbahn kleben. Derweil orientierte sich Fink, zunächst noch im Wechsel mit Marx, nur ganz halbherzig nach rechts, so dass das Gladbacher Spiel in dieser Phase ziemlich linkslastig war.
Die passiven Hoffenheimer konnten die Unordnung allerdings überhaupt nicht nutzen – im Gegenteil. Borussia kam in einer keineswegs überzeugenden ersten Halbzeit zu drei, vier guten Tormöglichkeiten und hätte die Führung verdient gehabt.
Zum Ende des ersten Durchgangs und spätestens mit Beginn der zweiten Hälfte hatten die Borussen sich im System mit der Raute eingefunden. Juan Arango spielte nun sehr aufmerksam auf der linken Halbposition. Zwar unterliefen dem 30-Jährigen im Spiel nach vorne einige Nachlässigkeiten, doch Lucien Favre lobte den Venezolaner ausdrücklich. »Er hat es taktisch sehr gut gemacht. Das sind Dinge für mich, die ich sehe«.
»Mit zwei klaren Stürmern war es besser«, sagte Favre weiter. »Wir sind ziemlich hoch geblieben, die Abwehrkette hat sich nach vorne geschoben, wir waren kompakter und besser bei der Balleroberung«.
Die Räume wurden geschickt verdichtet und Hoffenheim, das eigentlich mit Rudy, Vukcevic, Sigurdsson oder Babel über sehr schnelle Spieler verfügt, konnte diesen Vorteil überhaupt nicht ausspielen. Die Kraichgauer verfingen sich zumeist frühzeitig im dicht gestaffelten Gladbacher Mittelfeld.
Nach Ballgewinnen rückten die Gladbacher nun zielstrebiger nach vorne als noch im ersten Durchgang. Optimal lief es allerdings nicht, auch weil die Außenverteidiger - was bei einer Raute Pflicht ist – nur zaghaft über die Flügel vorrückten. So ging vieles durch die Mitte, wobei Hoffenheim hier unerwartet viel Raum hergab.
Als die Gäste nach einer Stunde etwas Mut zu fassen schienen und es für eine kurze Zeit schafften, die Borussen zurückzudrängen, wackelte der bis dahin so solide Defensivverbund des VfL ein wenig. Doch just in diese Phase hinein kam der Elfmeter zur Führung und die Borussia bog auf die Siegerstraße ein.
Das auch, weil die Gladbacher nicht wie so oft in dieser Saison nach einer Führung zurücksteckten. »Die Mannschaft wollte das 2:0«, lobte Favre. »Sie haben die Konzentration behalten und weiter gemacht«.
Belohnt wurden sie mit dem entscheidenden zweiten Treffer nur fünf Minuten nach der Führung. Igor de Camargo zeichnete sich dafür verantwortlich. Ein wichtiges Tor, auch für de Camargo persönlich, hatte er doch zuvor schon einige Gelegenheiten leichtfertig liegen lassen. »Dass wir überhaupt solche Chancen hatten, ist schon positiv«, meinte Favre.
»Es war ein verdienter Sieg«, sagte der Schweizer, der den Blick schon Richtung des Kellerduells in Bremen am nächsten Samstag richtete. »Ein ganz schweres Spiel für uns«, weiß Favre, der sich schon festlegte: »Werder Bremen wird nicht absteigen«.
Ob Borussias Trainer an der Weser mit dem Personal und dem System aus dem Hoffenheim-Spiel antreten wird, ist mehr als fraglich. »Alles ist offen«, sagte Favre. »Ich muss die richtige Balance finden«.