Montag, 28. Februar 2011 - 13:27 Uhr

Logan Bailly: Nachdem der Belgier bei seinem Comeback gegen Schalke überhaupt nicht gefordert wurde, stand er in Wolfsburg schon deutlich mehr unter Beschuss. Bei den Gegentreffern war er machtlos - beim ersten Tor war er unterwegs in die andere Ecke, der Freistoß von Diego zum zweiten passte genau und Bailly streckte sich vergeblich. Darüber hinaus hielt er einen Flachschuss von Diego, ließ den Ball allerdings prallen und hatte Glück, dass ‚Rebounder‘ Mbokani im Abseits stand. In der zweiten Halbzeit begann er mit einem Pass in den Rücken von Dante und ins Seitenaus. Danach lief er einmal vogelwild an der Grundlinie zur Strafraumgrenze, um (vergeblich) eine Flanke von Schäfer zu unterbinden. Wirkliche Sicherheit strahlte der 25-Jährige nicht aus, eine sehr gute Reaktion zeigte er in der Schlussphase, als er einen gefährlichen Schuss aufs kurze Eck parierte. Note 4,0.
Tobias Levels: Schäfer und Cicero sorgten über Borussias rechte Seite für viel Bewegung und brachten Levels oftmals in arge Bedrängnis. Mehr als einmal wurde der 24-Jährige überlaufen und wusste mehrfach die Flanken von Schäfer nicht zu unterbinden – immer fehlte ein halber Meter. Mit Herrmann passte die Abstimmung überhaupt nicht, in der Zweikampfführung war Levels manchmal regelrecht plump. Im Aufbau- bzw. Offensivspiel zunächst völlig außen vor. Erst in der zweiten Halbzeit mit zwei, drei Situationen, als er sich an der Mittellinie durchsetzen und das Spiel fortsetzen konnte. Den wenigen Flanken aus dem Halbfeld fehlte es an Druck und Präzision. Note 4,5.
Martin Stranzl: Viel Arbeit für den Innenverteidiger, der sich oftmals mit Tempo auf ihn zukommender Gegenspieler gegenübersah. Einige Male konnte er erfolgreich blocken, jedoch gelang das nicht immer. Mehrmals rückte der Österreicher vor, um frühzeitig zu korrigieren. Hier fehlte ab und an das Timing. Vor dem 0:1 wurde er an der Mittellinie umgerannt und fehlte dann hinten. Zudem verursachte er einige Freistöße, einer führte zum 0:2 kurz vor der Halbzeit, als er allerdings durch ein ungenaues Anspiel von Herrmann zum riskanten Einsteigen genötigt wurde. Nach der Pause weniger beschäftigt, dafür in der Schlussphase als „Brechstange“ ganz vorne drin. Und da hatte der 30-Jährige mit einem Drehschuss am Fünfmeterraum und mehreren im letzten Moment noch geblockten Schüssen wirklich Pech. Note 3,5.
Dante: Auch der Abwehrchef musste früh mit ansehen, wie die Mannschaft immer mehr die Kontrolle verlor. Wie Nebenmann Stranzl konnte Dante kaum Luft holen angesichts der ständigen Wolfsburger Nadelstiche, die es nicht zuließen, sich zu ordnen. Dante räumte einiges ab, musste jedoch auch den einen oder anderen Gegenspieler passieren lassen. Zudem auch im Luftkampf (wie beim Pfostenkopfball oder dem nicht gegebenen Tor) nicht immer auf der Höhe. Ganz schlecht lief es bei der fehlerhaften Abstimmung mit Daems vor dem 0:1, als Dante letztlich zu spät herausrückte. Nach dem Seitenwechsel hinten weniger gefordert, jedoch nicht wirklich souverän. Die lange Pause und die fehlende Matchpraxis machen sich weiterhin bemerkbar. Note 4,0.
Filip Daems: Wie sein Pendant Levels auf der anderen Seite stand auch der Linksverteidiger permanent unter Druck. Riether und der nachrückende Pekarik spielten ihn teilweise schwindelig. Mehrfach verlor der 32-Jährige den Überblick, welchem Gegenspieler er sich denn nun widmen sollte. Bis er die Entscheidung traf, war es meist zu spät. Besonders frappierend das Verhalten des Belgiers vor dem 0:1. Zuerst begleitete er Riether nur, dann öffnete er ihm frühzeitig die Innenbahn, weil er sich nach Außen orientierte, Dante jedoch innen noch viel zu weit weg war, um Riether stören zu können. Nach der Pause etwas gefestigter, wobei der verwandelte Elfmeter letztlich die einzig wirklich gelungene Aktion blieb. Note 4,5.
Roman Neustädter: Zeigte die Formkurve des 23-Jährigen zuletzt gegen Schalke wieder leicht nach oben, stieß er in Wolfsburg deutlich an seine Grenzen. Nicht nur, dass er die größte Tormöglichkeit im ersten Durchgang leichtfertig vergab, er kam auch kaum in die Zweikämpfe, fast jeder Ball landete beim Gegner – selbst ein Pass über zwei Meter kam nicht an. Wie schon öfter beobachtet, fällt es ihm schwer, dem Geschehen zu folgen, wenn die Gegenspieler das Tempo hochhalten. Schon gegen individuell weitaus minder bemittelte Spieler als Diego hatte Neustädter Orientierungsprobleme, gegen den flinken Brasilianer war er hoffnungslos überfordert. Aber auch Polak oder Cicero überliefen ihn einfach. Beim 0:1 machte Neustädter ebenfalls keine gute Figur, weil er Diego leichtfertig laufen ließ und sich das Geschehen aus sicherer Entfernung anschaute. Mit seiner Schwerfälligkeit ist auf engem Raum nichts zu machen und Favre holte ihn schon nach 38 Minuten vom Feld. Note 5,0.
Håvard Nordtveit: War noch der beste Akteur einer schwachen Mannschaft. Auch der Norweger spielte nicht fehlerfrei – zweimal versprang ihm der Ball, einmal legte er ihn sich zu weit vor und mehrfach musste er nach eigenen Ungenauigkeiten hohes Risiko nehmen, um die Situation noch zu bereinigen. Weitaus öfter war er allerdings damit beschäftigt, die Fehler der Kollegen auszubügeln. Stark seine Rettungstat gegen Polak, als er einen frühen Rückstand verhinderte. Im Gegensatz zu Neustädter konnte er dem Tempo der Gegenspieler folgen und funkte wenigstens ab und an erfolgreich dazwischen. Mit seinem langen Einwurf bereitete Nordtveit die Situation vor, die zum Elfmeter führte. Mit einem guten Distanzschuss in der Schlussphase wäre ihm fast der Ausgleich geglückt, dazu gelangen ihm in dieser Drangperiode einige kluge Spielverlagerungen. Note 3,0.
Patrick Herrmann: Der 20-Jährige bekam auf der rechten Seite kaum ein Bein an den Boden. Nach vorne lief bis auf einen Kopfball ohnehin nichts und bei den wenigen anderen Aktionen war er zu überhastet. In der Mitarbeit nach hinten zwar fleißig, jedoch nur bei zwei, drei Tacklings an der Seitenlinie erfolgreich. Darüber hinaus verlor er oft den Überblick und hatte große Abstimmungsprobleme mit Levels. Sein „Krankenhauspass“ kurz vor der Pause nötigte Stranzl zum Foulspiel, das zum Freistoß zum vorentscheidenden 0:2 führte. Herrmann ist noch nicht so weit, in solch einer wackeligen Mannschaft zu bestehen. Die Auswechslung zur Pause war folgerichtig. Note 4,5.
Juan Arango: Nach seiner Galavorstellung vor einer Woche war die große Frage, ob Arango in Wolfsburg daran anknüpfen konnte. Er beantwortete sie zweifelsfrei mit „Nein“. Die gelungenen Aktionen im Spiel nach vorne lassen sich an einer Hand abzählen. Zwar lief er mehr nach hinten als noch unter Frontzeck, sein Defensivverhalten war allerdings wenig produktiv und für Hintermann Daems eher verwirrend denn hilfreich. Negativer Höhepunkt das ungeschickte Einsteigen, das zum verschossenen Elfmeter führte. Favre beorderte ihn daraufhin in die Mitte und entband ihn von der Defensivarbeit. Zur zweiten Halbzeit spielte der 30-Jährige wieder auf links, fand sich ob des abnehmenden Drucks der Gastgeber nun defensiv besser zurecht. Nach vorne blieb Arangos Leistung allerdings sehr überschaubar und auch in der Drangphase am Ende trug er nicht allzuviel bei. Note 4,5.
Marco Reus: Übernahm wieder die Rolle als hängende Spitze, startete jedoch sehr unglücklich in die Partie. Er fing mit einem Ballverlust und einem Fehlpass an und derartige Konzentrationsfehler traten auch im weiteren Verlauf immer mal wieder auf. Reus lies sich oft fallen und versuchte im Mittelfeld auszuhelfen, später tauschte er mit Arango die Position und arbeitete auf der linken Seite mit. Nach der Pause dann auf rechts unterwegs, wo er zunächst kaum Szenen hatte. Erst in der Schlussphase tauchte der 21-Jährige plötzlich wieder auf und hatte Pech, dass zwei gute Schüsse nicht zum Ausgleich führten. Note 4,0.
Mo Idrissou: Unter der Woche meldete der Kameruner mit großen Worten seinen Anspruch auf einen Platz im Sturmzentrum an. Den großen Reden folgten allerdings nur bescheidene Taten. Die besten Aktionen des Kameruners waren einige Ballgewinne in der eigenen Hälfte, als er im Stile eines Kevin Kuranyi dem Gegenspieler hinterher hetzte und das Leder eroberte. Offensiv gelang ihm jedoch überhaupt nichts. In der Luft abgemeldet, am Boden ohne Durchsetzungsvermögen. Und als es im ersten Durchgang eine gute Kontermöglichkeit gab, verdaddelte er diese leichtfertig. Nach einer Stunde musste er Hanke weichen. Note 4,5.
Thorben Marx: Ersetzte Roman Neustädter noch vor der Pause. Mit dem Ex-Herthaner kam etwas mehr Stabilität herein, weil seine defensiven Laufwege etwas zielgerichteter waren als die von Neustädter. Spielerisch vermochte Marx allerdings kaum etwas beizutragen. Erst in der Schlussphase zeigte er sich und spielte ein paar kluge Flachpässe auf die Seiten. Note 4,0.
Igor de Camargo: Durfte nach der Pause für Herrmann mitwirken und übernahm seine Rolle im Sturmzentrum. Doch der Brasilianer wirkte wie ein Fremdkörper. Die Abstimmung mit Idrissou war überhaupt nicht vorhanden, dazu leistete er sich einfache Ballverluste und unkonzentrierte Fehlpässe. Beim zeitweisen Powerplay am Ende mit dummen Foulspielen sogar eher ein Hemmschuh, denn ein Antreiber. Note 5,0.
Mike Hanke: Spielte in der letzten halben Stunde für Idrissou. Seine Aktionen wurden ständig von Pfiffen des Wolfsburger Publikums begleitet. Hanke ließ sich meist etwas fallen und inszenierte dann im Mittelfeld einige gute Kombinationen. Seine Ballsicherheit war positiv, selbst wenn er sich letztlich vor dem Tor nicht in Szene setzen konnte und auch am Ende nicht zum Abschluss kam. Note 4,0.