Freitag, 25. Februar 2011 - 22:33 Uhr
Borussias Trainer Lucien Favre vertraute im ersten Auswärtsspiel unter seiner Regie auf die Elf, die am vergangenen Sonntag den FC Schalke besiegt hatte. Igor de Camargo, der gegen Schalke gesperrt war, nahm auf der Bank Platz. Dort fand sich auch Roel Brouwers wieder, der zuletzt nicht im Kader stand.
Beide Mannschaften starteten vorsichtig in die Partie, wobei die Borussen zunächst stets auf der Höhe waren und den Ball einige Male vielversprechend zirkulieren ließen. Doch mit der ersten Chance der Gastgeber kippte das Spiel komplett zugunsten der Wolfsburger. Nach einer Freistoßflanke von Diego kam Mbokani vor Dante zum Kopfball, der Ball klatschte an den Pfosten. Den Nachschuss von Polak blockte Dante dann gut ab (9.).
Wolfsburg war nun im Spiel, während die Gladbacher zusehends hinterherliefen. Es taten sich zum Teil große Lücken im Defensivverbund auf, die Polak fast genutzt hätte, doch Nordtveit störte im letzten Moment.
In der Folgezeit bekamen die Borussen kein Bein mehr an den Boden. Die noch gegen Schalke so gelobte Kompaktheit war überhaupt nicht vorhanden, man ließ sich immer wieder tief nach hinten drängen, ohne Zugriff auf Ball und Gegner zu bekommen. Wolfsburg machte viel Dampf über die Seiten, wo Levels und Daems die mit Tempo auf sie zulaufenden Gegenspieler nie in den Griff bekamen.
Nach den wenigen gewonnenen Zweikämpfen landete das Leder fast postwendend beim Gegner. Der Spielaufbau war fehlerbehaftet und wurde in teilweise lässiger Arroganz durchgeführt, die einem Tabellenletzten nun wahrlich nicht zusteht.
Nur ein Kopfball von Herrmann (!) nach Flanke von Levels, der in den Armen von Wolfsburgs Torwart landete, bedeutete Gefahr für die Kasten der Gastgeber. Ansonsten dominierten die Autostädter das Spiel und der Führungstreffer schien nur eine Frage der Zeit. In der 29. Minute wäre es fast schon so weit gewesen: Diego lupfte den Ball in den Strafraum, Arango lief Riether um und Schiedsrichter Dr. Drees entschied auf Elfmeter. Diego führte aus – und knallte den Ball mittig in die Wolken.
Die Wolfsburger wirkten nun kurzzeitig angeschlagen und die Borussen kamen ein ganz klein wenig auf. In diese Phase fiel die einzige echte Torchance der Gladbacher im ersten Durchgang. Nach einem langen Ball von Dante legte Reus zurück auf Neustädter, der aus 14 Metern frei zum Schuss kam, den Ball allerdings nicht richtig traf, so dass die Kugel deutlich am Tor vorbei ging (32.).
Nur vier Minuten später hatten sich die Wolfsburger wieder gefangen und markierten den Führungstreffer. Unterstützt durch ein wirklich lächerliches Abwehrverhalten der Gladbacher. Riether durfte unbedrängt über halblinks in den Strafraum spazieren, Daems orientierte sich vom ballführenden Mann weg und machte den Weg frei, während Dante ihm zu spät entgegen ging. Der Ex-Freiburger passte in die Mitte, wo weitere Unordnung herrschte und Diego blank stand, weil Neustädter nicht mitmachte und Stranzl, von Polak am Mittelkreis umgerannt, fehlte. Diego traf locker zum 1:0 ins Eck.
Bei den Borussen ging nun überhaupt nichts mehr und Lucien Favre reagierte bereits in der 38. Minute. Er ersetzte den überforderten Roman Neustädter durch Thorben Marx. Irgendwie musste man den knappen Rückstand in die Pause retten, um sich wieder neu aufzustellen. Doch auch das gelang nicht. Herrmann spielte im Mittelfeld einen ‚Krankenhausball‘, Stranzl konnte nur noch per Foulspiel klären und Diego zirkelte den fälligen Freistoß mit dem Pausenpfiff punktgenau zum 2:0 für Wolfsburg ins Eck.
Nach einer ganz schwachen Vorstellung gingen die Borussen mit einem verdienten Rückstand in die Kabinen. Dort blieb Patrick Herrmann, der (wie die meisten seiner Kollegen) zuvor kein Land gesehen hatte. Igor de Camargo kam und ging neben Idrissou in die Spitze, während Reus auf die rechte Seite rückte.
Wer nun eine Aufholjagd erhofft hatte, sah sich schnell enttäuscht. Wolfsburg hatte alles im Griff, die Borussen wirkten verunsichert und teilweise vogelwild im eigenen Strafraum. Favre zog nach einer Stunde mit Hanke für Idrissou seine letzte Wechseloption, doch es blieb weiterhin fast alles Stückwerk. Bis zur 73. Minute, in der Schiedsrichter Dr. Drees die Borussen nochmals zurück ins Spiel brachte. Nordtveit brachte einen langen Einwurf in den Strafraum, Polak stützte sich bei Stranzl auf und der Unparteiische entscheid zu allgemeinen Überraschung auf Elfmeter.
Filip Daems trat an und zielte, wie Diego zuvor, auf die Tormitte. Der Belgier schoss allerdings nicht so hoch wie der Brasilianer und so stand es plötzlich nur noch 1:2 aus Gladbacher Sicht.
Ein schon ‚totes‘ Spiel wurde wieder lebendig. Die Borussen warfen nun alles nach vorne, Stranzl rückte in den letzten zehn Minuten als ‚Brechstange‘ in die Spitze. Reus scheiterte zweimal nur ganz knapp mit abgefälschten Schüssen (81.), Nordtveit mit einem Hammer aus der Distanz ebenfalls (84.). Im Anschluss an die folgende Ecke bugsierte Stranzl am Fünfmeterraum den Ball aus der Drehung über den Querbalken.
Die Borussen versuchten alles, im Wolfsburger Strafraum herrschte teilweise gehöriges Durcheinander. Doch immer wieder konnten die Abwehrspieler die Schussversuche der Borussen blocken. Auf der anderen Seite hatten die Borussen Glück, dass der Schiedsrichter nach einem Kopfballtreffer von Kjaer nach Freistoßflanke von Diego auf Stürmerfoul entschied (83.).
Am verdienten Sieg der Wolfsburger änderte dies freilich nichts. Die Borussen wachten viel zu spät auf und enttäuschten über weite Strecken mit einer Leistung, die stark an den Auftritt beim letzten Auswärtsspiel in St. Pauli erinnerte.
Kurzstatistik zum Spiel:
VfL Wolfsburg: Hitz - Pekarik , Kjaer, A. Friedrich, M. Schäfer - Hasebe, Polak - Riether, Diego (89. Koo), Cicero - Mbokani (80. Mandzukic)
Borussia Mönchengladbach: Bailly – Levels, Stranzl, Dante, Daems – Neustädter (38. Marx), Nordtveit – Hermann (46. de Camargo), Arango – Reus, Idrissou (61. Hanke)
weiter im Kader: Heimeroth (ETW), Brouwers, Jantschke, Fink
Tore: 1:0 Diego (36.), 2:0 Diego (45. +1), 2:1 Daems (74./FE)
Gelbe Karten: Friedrich, Diego, Mandzukic – Reus, Stranzl, de Camargo
Schiedsrichter: Dr. Jochen Drees (Münster)
Zuschauer: 29.000