Donnerstag, 24. Februar 2011 - 14:22 Uhr
Es ist schon erstaunlich, wie in den letzten zwei Wochen die Stimmung umgeschlagen ist. Gefühlt war Borussia Mönchengladbach nach der Niederlage in St. Pauli nicht nur aussichtslos abgestiegen, sondern gleichzeitig ein Trümmerhaufen ohne Zukunftsaussichten.
Einen Trainerwechsel und einen Heimsieg später, sieht die Welt schon wieder anders aus. Lucien Favre wird schon gefährlich nahe an den Status eines Wundermannes gehievt und der Boulevard spricht bei manchen Spielern von „Helden“. Wohlgemerkt nach einem Sieg.
Natürlich war das Erfolgserlebnis gegen Schalke überlebenswichtig. Der Glaube, den Klassenerhalt doch noch packen zu können, ist wieder da. Da ist die Aufbruchstimmung im und um den Verein, das neue Selbstvertrauen für die Spieler und auch den Trainer, der mit einem positiven Einstand die Kritiker in Zaum hält, die ihn wegen vermeintlicher Defizite als Feuerwehrmann bereits abqualifiziert hatten.
Was das alles wert ist, wird sich schon am Freitag in Wolfsburg zeigen. Die Borussia hat die Möglichkeit, sich ganz nah ans rettende Ufer zu bringen und gleichzeitig den VW-Klub mit in den Abstiegsstrudel zu ziehen.
»Für Wolfsburg ist es ein wichtiges Spiel«, weiß Lucien Favre. »Für uns auch«. Der Schweizer blickt zurück auf eine »sehr gute, aber auch sehr kurze Trainingswoche«. Am Donnerstagnachmittag fahren die Gladbacher nach Wolfsburg, am Freitag wird vielleicht noch mal vor Ort trainiert. »Die Zeit bis zum Abendspiel ist lang«, sagt Favre.
Nicht mit in die Volkswagen-Arena wird Karim Matmour fahren, den ein grippaler Infekt lahmgelegt hat. Ansonsten kann Lucien Favre aus dem Vollen schöpfen. »Es ist schwierig, nach Schalke die Mannschaft zu ändern«, gibt der 53-Jährige zu. »Alle sind bereit und fit«.
»Ich bin mir noch nicht sicher«, sagt Favre bezüglich der Aufstellung. Igor de Camargo, den der Trainer »als Mensch und als Fußballer« lobt, steht nach abgelaufener Sperre wieder zur Verfügung. Ob für ihn allerdings das gegen Schalke überzeugende Duo Idrissou/Reus auseinandergerissen wird, ist mehr als fraglich.
Vieles spricht dafür, dass die Elf vom Schalke-Spiel beginnen wird. Auch, weil Lucien Favre die Partie so angehen will, wie zuletzt. »Wir müssen Vertrauen haben und spielen wie zuhause«, sagt er. In der eigenen Hälfte eingraben sollen sich seine Spieler nicht. »Wir müssen Risiko nehmen und nach vorne spielen«.
Mit den Wolfsburgern hat sich Lucien Favre intensiv beschäftigt. Wie er die teilweise überragenden individuellen Fähigkeiten z.B. eines Diego eindämmen will, erläutert Favre nicht. »Das muss man im Spiel sehen«, sagt er. »Wolfsburg hat ja nicht nur Diego«. Je nach Verlauf müsse man eben eingreifen und gegebenenfalls etwas umstellen, sagt der Schweizer und spricht damit einen wunden Punkt an, der seinem Vorgänger vorgehalten wurde.
Hochinteressant wird die Partie in Wolfsburg auf alle Fälle. Denn neben dem taktischen Geschick von Lucien Favre stehen vor allem die Spieler auf dem Prüfstand. Sie müssen zeigen, dass ihre Bereitschaft aus dem Schalke-Spiel, alles füreinander zu geben, nicht nur eine Eintagsfliege war und die neu geschürte Hoffnung tatsächlich einen Nährboden hat.