Dienstag, 22. Februar 2011 - 07:30 Uhr

Logan Bailly: Zunächst schien das Comeback des Belgiers im Tor der Borussia einen ausgesprochen unglücklichen Verlauf zu nehmen. Die erste Aktion des 25-Jährigen bestand darin, den Ball aus dem Tor zu holen. Gegen Kluges präzisen Schuss in der 2. Minute war Bailly machtlos. In der Folgezeit erlebte er allerdings einen äußerst angenehmen Abend. Seine Vorderleute hielten so gut wie jede Gefahr von seinem Kasten fern. Ein Schuss an den kurzen Pfosten, der eher ein Roller war und eine Flanke, die er am Elfmeterpunkt abfangen konnte, waren die einzig nennenswerten Aktionen. Ansonsten war er als Anspielstation hier und da eingebunden und löste das sehr ordentlich. Wie weit Bailly tatsächlich ist, wird sich erst zeigen, wenn er wirklich gefordert wird. Note 3,0.
Tobias Levels: Biss und Engagement des Rechtsverteidigers waren wie immer vorhanden. Allerdings brachte er sich zu Beginn in zwei, drei Situationen selbst in Bedrängnis. So ermöglichte er mit einem verunglückten Zuspiel in der Vorwärtsbewegung einen gefährlichen Gegenangriff und nach einer langen Freistoßflanke von der Seite unterlief er den Ball und tauchte einfach darunter durch. Mit zunehmender Spieldauer fing sich der 24-Jährige und war gegen Jurado oder den nachrückenden Schmitz meist auf der Höhe. Im Spiel nach vorne kam sehr wenig. Sobald schnelles Kombinationsspiel gefragt war, touchierte Levels seine Grenzen. In der Schlussphase nochmals im Brennpunkt, als er bei Huntelaars Fallrückzieher nicht mehr eingreifen konnte und schließlich vehement einen Pfiff wegen eines vermeintlichen Foulspiels des Schalkers einforderte. Note 4,0.
Martin Stranzl: Der Innenverteidiger bot eine solide Partie, agierte schnörkellos und vor allem sehr „mannhaft“ in den Zweikämpfen. Für keinen Stürmer ist es ein Vergnügen, gegen den kantigen Österreicher anzurennen und – wie Raul und Huntelaar – ab und an böse abzuprallen. In den wichtigen Zweikämpfen war Stranzl mit seinen langen Beinen immer zur Stelle und auch seine eingesprungenen Grätschen waren effektiv. Die sehen zwar gefährlich aus, doch er scheint zu wissen, dass er den Ball trifft. In zwei Situationen nach der Pause war er kurzzeitig etwas orientierungslos und einmal spielte er einen Pass unbedrängt in die Füße eines Schalkers. Im Spielaufbau zurückhaltend und ohne Risiko. Als er es in der ersten Halbzeit mit einem Dribbling durchs Mittelfeld lief, ging es schief. Note 3,0.
Dante: Fing mit einem Doppelfehler an, als er nach Neustädters schlechtem Anspiel zunächst Kluge anschoss und dann den anschließenden Zweikampf um den Ball verlor. Dante berappelte sich zwar schnell, eine latente Unsicherheit blieb jedoch. Dies zeigte sich vor allem in seinem Passspiel – vieles war überhastet und ungenau. Nachdem das Spiel gedreht war, kam die Selbstverständlichkeit zurück in die Aktionen des Brasilianers. Er stand gut und packte zu, wenn es nötig war – so beim taktischen Foul gegen Huntelaar. Selbst wenn der 27-Jährige auch in der zweiten Halbzeit das eine oder andere Mal an der Grenze zur Lässigkeit agierte, wurde deutlich, dass er eminent wichtig für die Mannschaft ist. Note 3,5.
Filip Daems: Auch wenn nach dem Trainerwechsel über eine Ablösung des Kapitäns spekuliert wurde, ließ Lucien Favre dem Belgier die Binde und seinen Platz in der Startelf. Der 32-Jährige zahlte das Vertrauen mit einer ordentlichen Leistung zurück. Aufmerksam im Stellungsspiel, sehr fleißig bei der Laufarbeit ließ Daems Farfan kaum zur Entfaltung kommen. Dass vom schnellen Schalker wenig zu sehen war, darf sicher als Verdienst von Daems verbucht werden. Natürlich profitierte er davon, dass Vordermann Arango endlich effektiv mit nach hinten arbeitete. Das Zusammenspiel der beiden in den Offensivaktionen ist ohnehin vernünftig. So war Daems Pass in den Lauf von Arango vor dem Siegtor wirklich erstklassig. Note 3,0.
Roman Neustädter: Nach zuletzt eher bescheidenen Auftritten startete der Ex-Mainzer auch gegen Schalke höchst unglücklich. Sein zu kurzes Anspiel brachte Dante in Bedrängnis und führte zum Blitzrückstand. Neustädter machte allerdings ungerührt weiter und steigerte sich zu seiner besten Leistung nach dem Auftaktspiel in die Rückrunde in Nürnberg. Selbst wenn er in zwei, drei Situationen zu lässig und behäbig agierte, war er über die meiste Zeit aufmerksam im Zweikampf. So konnte er durch rechtzeitiges Eingreifen oder durch gutes Stellungsspiel bzw. Vorausahnung sehr viele Bälle erobern. Auch für das Pressing vor allem in der zweiten Halbzeit gebührt ihm ein Lob. Wacher muss er sein, wenn sich die Gegner in seinem Rücken anbieten. Und das Passspiel in die Tiefe muss präziser werden. Note 3,5.
Håvard Nordtveit: Nachdem er in St. Pauli als Innenverteidiger aushelfen musste, durfte der Norweger gegen Schalke wieder im defensiven Mittelfeld ran. Er bestätigte, dass er dort für die Mannschaft weitaus wertvoller ist. Er agierte fast immer mit Übersicht und einer ausgezeichneten Technik. Nordtveit ist ein Dampfmacher und Kämpfer, bringt aber vor allem die fußballerische Komponente ins Mittelfeld. Zudem sind seine Antritte mit dem Ball am Fuß sehr gefährlich. Hier fehlt es zwar noch ein wenig am Timing und der Abstimmung mit den Kollegen, doch auch offensiv wird von Nordtveit sicher künftig noch mehr kommen. Zwar unterliefen ihm auch zwei, drei vermeidbare Fehlpässe, seine starken Szenen überwogen jedoch deutlich. Highlight sicherlich sein Laufduell mit Farfan, als er den wahrlich nicht langsamen Schalker ablief und blitzsauber vor dem Strafraum klärte. Note 2,5.
Patrick Herrmann: Ging wie immer mit einer Menge Eifer und Elan an die Sache heran. Mit seiner Schnelligkeit und seiner Unbekümmertheit sorgte der 20-Jährige für Verwirrung bei den Schalkern. So unterschätzte Schmitz vor dem Ausgleich die Sprungkraft von Herrmann, so dass dieser den Treffer per Kopfballweiterleitung vorbereiten konnte. Im Spiel nach hinten sehr fleißig, inklusive seine bekannt guten Grätsche. Allerdings bereitete ihm das Stellungsspiel noch einige Mühe. In den Offensivaktionen zwar schnell, jedoch auch leicht ausrechenbar. Und je näher es dem Tor ging, desto hektischer wurde er. So waren die Flanken oft Glückssache und auch bei seinen Torchancen überwog die jugendliche Aufregung. So hätte er nach Zuspiel von Arango schon mit dem Pausenpfiff treffen können, ganz sicher hätte Herrmann allerdings zehn Minuten vor Schluss alleine vor dem Tor für die Entscheidung sorgen müssen. Am Ende war er schlichtweg platt. Note 3,5.
Juan Arango: Welch ein Comeback des Venezolaners, der eigentlich schon abgeschrieben war. In der ersten Halbzeit hatte er einen Riesenanteil am guten und flüssigen Kombinationsspiel. Fast alles ging von Arango aus, immer wieder brachte er mit seinen genialen Anspielen die Kollegen in Position. Der 30-Jährige blühte förmlich auf, hatte Pech mit einem Schuss nach gelungener Annahme und bereitete dann den Siegtreffer mit einem tollen Flankenlauf vor. In vollem Tempo ging er bis zur Grundlinie und flankte dann bewusst und punktgenau auf Idrissou. Erst in der letzten Phase der ersten Halbzeit, als er mit Herrmann die Seiten tauschte, kam es zu einem kleinen Bruch im Offensivspiel, weil Arango nun tiefer stand. Die Defensivarbeit, bekanntlich Arangos Achillesferse, erledigte er so gut wie noch nie in seiner Zeit bei Borussia. Da war nichts mehr von den Alibi-Läufen, mit denen er sonst den Gegenspielern hinterher trabte. Arango machte mit, half den Gegner zu doppeln und warf sich rein, wenn ein Kollege überspielt wurde. Im Verlauf des zweiten Durchgangs musste Arango diesem Aufwand Tribut zollen, denn seine Kräfte schwanden deutlich. So war er dann kaum noch in der Lage, Entlastungsangriffe zu inszenieren. Dafür schien er in der Defensive sogar über die eigene Schmerzgrenze zu gehen. Ein Kompliment für diesen Auftritt von Arango, auch wenn es befremdlich wirkt, dass er sich nicht früher so engagiert hat. Nun wissen alle, dass er es kann. Note 2,5.
Marco Reus: Wurde nach überstandenem Muskelfaserriss von Lucien Favre von der Seite auf die Position der hängenden Spitze verschoben. In dieser Rolle fühlte sich der 21-Jährige pudelwohl und sorgte von Beginn an für eine Menge Feuer am und im Strafraum der Gäste. Besonders auffällig die Laufarbeit und Spielintelligenz von Reus. Er lief sich immer in der Zone zwischen Innenverteidigung und Mittelfeld der Schalker frei, war stets anspielbar (er hätte durchaus noch öfter bedient werden können) und machte dann etwas Gescheites mit dem Ball. Hatte er zunächst noch Pech mit dem Lattenschuss, hämmerte er dann das Leder unwiderstehlich zum Ausgleich in die Maschen. Die Schalker konnten Reus erst nach dem Wechsel etwas einbremsen, als ihre Viererkette höher stand und Reus so der Raum genommen wurde. Infolgedessen kam er nicht mehr so ins Spiel und hätte sich vielleicht etwas mehr fallen lassen müssen. So fehlte jedenfalls über weite Strecken des zweiten Durchgangs ein Verbindungsspieler, so dass es kaum Konter- oder Entlastungsangriffe gab. Als sich Reus leicht verletzte, hätte er eigentlich ausgewechselt werden müssen, denn er spielte in der Folgezeit mit angezogener Handbremse. Note 2,5.
Mo Idrissou: Endlich durfte der Kameruner wieder als zentraler Stürmer auflaufen und stellte nachdrücklich unter Beweis, dass er im linken Mittelfeld verschenkt ist. Zusammen mit Reus und Arango mischte er die Schalker Hintermannschaft auf. Wie Reus hatte er zunächst Pech mit einem Aluminiumtreffer (Neuer lenkte den Kopfball ans Lattenkreuz), dann sorgte er mit seinem Kopfball für das Siegtor. Ganz stark, wie sich Idrissou mit einer kurzen Körpertäuschung den entscheidenden Tick Vorsprung verschaffte und zielstrebig durchstartete. Nicht von ungefähr, dass der 30-Jährige per Kopf traf, denn er war auch darüber hinaus der „König der Lüfte“. Und auch im eigenen Strafraum räumte er bei den wenigen Schalker Standards die hohen Bälle ab. In der zweiten Halbzeit ging, wie bei Reus, etwas die Bindung verloren und auch Idrissou schaffte es nicht, nachhaltig für Entlastung zu sorgen. Mit einem Kopfball nach einer Ecke verfehlte er den dritten Treffer nur knapp, seine gute Vorarbeit über die linke Seite zu Hermanns Großchance hätte die vorzeitige Entscheidung herbeiführen können. Note 2,5.
Karim Matmour: Kam in den letzten zehn Minuten für Patrick Herrmann, hatte jedoch keine nennenswerten Szenen. Bei zwei Kontermöglichkeiten blieb er im Ansatz stecken, dazu verpasste er es, in den letzten Minuten den Ball zu sichern. Ohne Note.
Thorben Marx: Ersetzte fünf Minuten vor Schluss den entkräfteten Reus und half mit, das Ergebnis über die Zeit zu bringen.
Michael Fink: Kurzdebüt im Borussia-Park für den Ex-Frankfurter. Kam in der letzten Minute, weil noch etwas an der Uhr gedreht werden sollte.