Sonntag, 29. August 2010 - 17:28 Uhr

Borussias Trainer Michael Frontzeck musste in Leverkusen auf den verletzten Karim Matmour (Achillessehne) verzichten, zudem hatte sich das erhoffte Debüt von Igor de Camargo aufgrund dessen Kapselriss unter der Woche zerschlagen.
Dagegen konnte der zuletzt angeschlagene Logan Bailly zwischen den Pfosten stehen. Davor positionierte sich die gewohnte Viererabwehrkette und die ‚Doppel-6‘ Thorben Marx und Michael Bradley. Auf den Seiten begannen Patrick Herrmann und Juan Arango. Marco Reus agierte als hängende Spitze, während Mo Idrissou wie schon gegen Nürnberg den Stoßstürmer gab. Raúl Bobadilla blieb erneut nur der Platz auf der Bank.
Die Borussen kamen gut in die Partie und agierten von Beginn an sehr konzentriert. Hinten arbeitete man mit großem läuferischen Aufwand, nach vorne zeigte man zumindest einige Ansätze.
Nach knapp zehn Minuten verzeichneten die bis dato optisch überlegenen Gastgeber ihre erste Torchancen. Zunächst war es Barnetta, der mit dem Außenrist zwei Meter am Tor vorbei zielte (9.), danach kam Kießling nach eine Flanke aus dem Halbfeld frei zum Kopfball, Bailly war rechtzeitig im bedrohten Eck (11.).
Die Borussen blieben bissig und vor allem mit den Kontern stets gefährlich. Belohnt wurden sei in der 20. Minute, nachdem ein Foul an Arango an der linken Außenlinie nicht geahndet wurde. Mo Idrissou protestierte zunächst, holte sich dann jedoch mit einem tollen Einsatz gegen Vidal den Ball zurück. Der Kameruner lief in den Strafraum, passte flach in die Mitte, wo Patrick Herrmann Kadlec entwischte und das Leder aus kurzer Distanz hoch ins Tor drosch.
Leverkusen wirkte geschockt ob des Rückstands und die Borussen hätten fast daraus Kapital schlagen können. Nach einer Ecke von Reus köpfte Arango den Ball in der Mitte eher unfreiwillig in Richtung zweiten Pfosten, wo Bradley heranstürmte, die Kugel jedoch nicht mehr drücken, sondern nur über den Querbalken hieven konnte (22.).
Nur zwei Minuten später war die Freude über den Führungstreffer dahin. Castro konnte – von Bradley nicht energisch gestört – aus dem Halbfeld flanken, Derdiyok gewann das Kopfballduell gegen den nicht optimal zum Gegenspieler postierten Daems und lenkte das Spielgerät unhaltbar für Bailly ins Eck.
Ein ärgerlicher Gegentreffer für den VfL, der allerdings weiterhin im Spiel blieb. Das Geschehen wogte hin und her und die Zuschauer bekamen eine äußerst attraktive Partie zu sehen. Kießling köpfte nach einer neuerlichen Flanke aus dem Halbfeld aus rund 14 Metern an die Latte (34.), Arango traff nach Weiterleitung von Idrissou nur das Außennetz (37.).
Und dann wurde es richtig turbulent in der BayArena. Borussia fuhr einen mustergültigen Konter, Herrmann legte zurück auf Bradley und Leverkusens Keeper Adler konnte den noch leicht abgefälschten Schuss des Amerikaners zur Ecke lenken. Diese flog weit in Richtung zweiter Pfosten, wo Reus einen Direktschuss abließ, den Adler mit starker Fußabwehr im kurzen Eck parieren konnte. Es folgte der nächste Eckball, der zunächst aus dem Leverkusener Strafraum abgewehrt wurde. Marx zog aus dem Rückraum einfach ab, Adler ließ den Flachschuss nach vorne abklatschen und Roel Brouwers staubte zum 2:1 für den VfL ab (40.).
Auf der anderen Seite war es Barnetta, der Bailly nach einem verunglückten Schlag nach vorne um ein Haar mit einem Schuss fast von der Mittellinie überwand, doch im Gegenzug setzten die Borussen noch einen drauf. Reus passte auf Arango, der im Strafraum schon fast an Hyypiä vorbei war, dann ins Straucheln geriet. Der Ball landete bei Idrissou, der mit Hyypiä kollidierte. Schiedsrichter Stark hatte kein Foul erkannt, der Ball rutschte derweil aus dem Strafraum heraus. Siebzehn Meter vor dem Tor hielt Patrick Herrmann einfach drauf und sein Sonntagsschuss klatschte in den Winkel.
Mit einer 3:1-Führung vor begeisterten Gladbacher Anhängern in der BayArena ging es in die Pause.
Beide Teams kamen in unveränderter Besetzung zurück. Die Borussia begann gleich mit einem Konter über Idrissou, der auf dem rechten Flügel auf Reus zurücklegte. Der zog direkt von der rechten Strafraumkante ab, der Ball segelte aufs Tornetz (47.)
Kurz darauf schien die Partie entschieden zu sein. Juan Arango versenkte einen Freistoß aus 25 Metern halblinker Position wunderbar im Eck – die Borussia führte mit 4:1 (56.). Doch fast postwendend stellte Leverkusen den alten Abstand wieder her. In einem Laufduell im Strafraum zwischen Marx und Vidal geriet der Leverkusener ins Straucheln und Schiedsrichter Stark entschied auf Elfmeter. Den verwandelte Vidal sicher zum 2:4 (58.).
Doch wiederum nur 120 Sekunden später setzten die Borussen wieder einen drauf: nach einer Flanke von Reus nahm Arango den Ball direkt ab, Adler ließ den Ball abprallen, und Mo Idrissou traf zum 5:2.
Leverkusen wirkte nun deutlich geschockt, zumal die Borussen in der 69. Minute für den vermeintlichen Todesstoß sorgten. Wieder ein Konter, Arango spielte in den Lauf von Reus, der einfach alleine in Richtung Strafraum startete und den Ball aus halblinker Position zum 6:2 in den Winkel knallte.
Doch auch damit war der Drops noch nicht gelutscht. Nach einem langen Ball in den Gladbacher Strafraum rasselte Bailly außerhalb des Fünfmeterraums mit Kießling zusammen, ließ den Ball fallen und der Nationalspieler schob zum dritten Leverkusener Treffer ein (70.).
Und wer weiß, was an diesem verrückten Nachmittag passiert wäre, hätte der eingewechselte Jörgensen nicht eine Minute später nur ganz knapp am Tor vorbei gezielt. So aber kam Leverkusen trotz allem Bemühen und noch ein, zwei haarigen Situationen im Gladbacher Strafraum nicht mehr zurück. In der Schlussphase spielten es die Borussen dann aus und beendeten die Horrorserie in Leverkusen mit einem sensationellen 6:3!
Kurzstatistik zum Spiel:
Bayer 04 Leverkusen: Adler - Castro, Reinartz, Hyypiä, Kadlec – Vidal (71. Balitsch), Ballack (63. Bender) - Renato Augusto, Barnetta (63. Jörgensen)– Derdiyok, Kießling
Borussia Mönchengladbach: Bailly – Levels, Brouwers, Dante, Daems – Marx, Bradley – Herrmann (80. Schachten), Arango (75. Bobadilla) – Reus (85. Neustädter), Idrissou
weiter im Kader: Heimeroth (ETW), Anderson, Meeuwis, Bäcker
Tore: 0:1 Herrmann (20.), 1:1 Derdiyok (24.), 1:2 Brouwers (40.) , 1:3 Herrmann (44.), 1:4 Arango (56.), 2:4 Vidal (58./FE), 2:5 Idrissou (60.), 2:6 Reus (69.), 3:6 Kießling (70.)
Gelbe Karten: Castro - Marx
Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)
Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)