Samstag, 01. Mai 2010 - 17:24 Uhr

Borussias Trainer Michael Frontzeck musste in Hannover auf Thorben Marx verzichten, der angeschlagen ausfiel. Dazu fehlte der gelbgesperrte Raul Bobadilla, Patrick Herrmann musste gegenüber der Vorwoche auf die Bank. Ersetzt wurden die drei Akteure durch Marcel Meeuwis, Rob Friend und Karim Matmour.
Nach den zuletzt kämpferisch und spielerisch überzeugenden Auftritten gegen die Topteams aus Schalke und München ließen die Borussen in Hannover von Beginn an jegliche Leidenschaft und Einsatzbereitschaft vermissen.
Die Spieler trugen das Trikot mit der Raute allenfalls spazieren, mehr jedoch nicht. Obwohl das Team tief stand, bekamen sie überhaupt keinen Griff auf die Gegenspieler. Hannover hatte viel Platz und überhaupt keine Mühe, den Ball nach vorne zu tragen. Schon nach vier Minuten köpfte Ya Konan knapp vorbei, eine Minute später schoss Balitsch nur um wenige Zentimeter am langen Pfosten vorbei.
Weiter ging es nach zehn Minuten, als Hanke eine Hereingabe um eine Schuhspitze verpasste und Bailly erst im Nachfassen klären konnte. Der überfällige Treffer für Hannover fiel in der 16. Minute. Bruggink schlug einen Freistoß aus dem Halbfeld, Haggui lenkte den Ball mit dem Hinterkopf aus satten 15 Metern ins lange Eck.
Die Borussen fanden weiterhin nicht mal im Ansatz statt. Nach vorne ging rein gar nichts, hinten trottete man eher lustlos hinter den Hannoveranern her. Filip Daems, der Probleme am Auge hatte, musste nach 22 Minuten raus und wurde durch Jaures ersetzt. Und während Rob Friend draußen mit einem Cut an der Augenbraue behandelt wurde, ging Hannover mit 2:0 in Führung. Pinto zog aus weit über 30 Metern ab, Bailly verschätzte sich bei diesem eher harmlosen Flatterball komplett und faustete ihn sich quasi selbst in den Winkel.
Nur vier Minuten später verteilten die Gladbacher das nächste Geschenk an die Gastgeber. Schulz durfte mal wieder völlig ungestört flanken, in der Mitte verhielt sich Jaures gegen Ya Konan wie ein Anfänger und der Hannoveraner köpfte zum 3:0 ein.
Es war schon beschämend, was die Borussen da auf den Rasen der AWD-Arena ‚zauberten‘. Weiterhin kamen sie überhaupt nicht in die Zweikämpfe und in der gegnerischen Hälfte herrschte komplett tote Hose.
Hannover hatte nach Freistößen von Bruggink – jedesmal herrschte völliges Chaos im Borussenstrafraum – durch Hanke und Ya Konan weitere gute Möglichkeiten, ehe selbst der bislang in dieser Saison torlose Hanke treffen durfte. Ya Konan kam in Nachschuss aus kurzer Distanz an den Ball, schoss Bailly an und Hanke setzte den Abpraller aus kurzer Distanz zum 4:0 in die Maschen (39.).
Nach einer unglaublich desolaten und höchstpeinlichen Leistung waren die Borussen mit den vier Gegentoren im ersten Durchgang noch gut bedient. Zur zweiten Halbzeit hätte Michael Frontzeck bei entsprechenden Möglichkeiten sicher 11-Mal wechseln können, doch er beließ es bei einem Wechsel: Patrick Herrmann erlöste Karim Matmour.
Nach Wiederanpfiff versuchten die Gladbacher ein bisschen mitzuspielen, doch nach 53 Minuten setzte es den nächsten Tiefschlag. Hannover durfte sich wieder einmal unbedrängt durch die Gladbacher Hälfte kombinieren, der Ball wurde aus dem Strafraum zurückgelegt und Chahed konnte per Flachschuss aus 15 Metern zum 5:0 einnetzten.
Nach einer knappen Stunde wechselte Frontzeck zum dritten und letzten Mal aus und brachte Tony Jantschke für Juan Arango, der – wie fast alle anderen – völlig unsichtbar geblieben war.
Der Gladbacher Fanblock leerte sich rapide, was kaum verwunderlich war. Sie verpassten allerdings in der 69. Minute einen Treffer von Patrick Herrmann. Eher zufällig kam der Youngster in Position, als Eggimann unfreiwillig per Kopf vorlegte. Herrmann lief aufs Tor zu und versenkte gegen den aus seinem Kasten eilenden Fromlowitz eiskalt. Die verbliebenen Borussenfans skandierten sarkastisch ‚Auswärtssieg‘.
Schwarzer Humor war allerdings auch das einzige taugliche Mittel an diesem Nachmittag, denn schon fünf Minuten später schlug es wieder bei Logan Bailly ein. Bruggink zog nach Ablage von Hanke aus spitzem Winkel ab, Borussias Keeper war viel zu früh unten und schon stand es 6:1 für die Hannoveraner.
Zum Glück für den desolaten VfL wickelten die Hannoveraner den Rest der Partie nur noch ab. Chahed prüfte Bailly noch in der 82. Minute mit einem Flachschuss, ansonsten beließen es die Niedersachsen dabei, die letzten Minuten auszulaufen.
Es war ein völlig indiskutabler Auftritt der Gladbacher Borussen und die Art und Weise ist absolut unentschuldbar. Der letzte Platz in der Auswärtstabelle wurde damit zementiert und sollte – unabhängig vom heutigen Spiel – zu denken geben.
Kurzstatistik zum Spiel:
Hannover 96: Fromlowitz - Cherundolo, Eggimann, Haggui, C. Schulz - Balitsch – Pinto (60. Rausch), Schmiedebach – Bruggink (75. Stajner) - Ya Konan (46. Chahed), Hanke
Borussia Mönchengladbach: Bailly – Levels, Brouwers, Dante, Daems (22. Jaures) – Meeuwis, Bradley – Matmour (46. Herrmann), Arango (59. Jantschke) – Reus, Friend
weiter im Kader: Heimeroth (ETW), Kleine, Neustädter, Colautti
Tore: 1:0 Haggui (16.), 2:0 Pinto (23.), 3:0 Ya Konan (27.), 4:0 Hanke (39.), 5:0 Chahed (53.), 5:1 Herrmann (69.), 6:1 Bruggink (74.)
Gelbe Karten: - Levels, Jaures, Dante
Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)
Zuschauer: 49.000 (ausverkauft)