Sonntag, 07. März 2010 - 22:29 Uhr

Michael Frontzeck ist nicht bekannt dafür, in einer Spielbeurteilung großartig um den heißen Brei herum zu reden. So wollte der 45-Jährige im Nachlauf zum 0:3 bei Borussia Dortmund auch nichts beschönigen. »Wir haben verdient verloren, auch in dieser Höhe«, gestand er ein. »Insgesamt hatten wir einen ganz schlechten Tag, konnten Dortmund nicht fordern und uns kaum eigene Chancen heraus spielen«.
Durch das frühe Gegentor, das von den Dortmundern nun wahrlich nicht erzwungen wurde, spielte man dem BvB in die Karten. Dortmund setzte die Priorität auf die Spielkontrolle in der Defensive und bekämpfte die Gladbacher Versuche leidenschaftlich. Der ballführende Akteur der Fohlen wurde ständig gedoppelt, im Fall von Arango sogar gleich von drei Schwarz-Gelben bestürmt. Und die Gladbacher Borussen fanden keine Mittel, der heftigen wie unangenehmen Gegenwehr zu begegnen.
»Zum einen haben wir es nicht effektiv und konsequent genug durchgespielt«, monierte Frontzeck. »Zum anderen haben wir uns in den letzten Monaten etwas erarbeitet, was die Kombinationssicherheit angeht. Das hat heute gefehlt. Wir sind eigentlich immer in der Lage, auch nach einem Rückstand wieder zu kommen. Das hat nicht funktioniert und war eigentlich der Hauptgrund, dass Dortmund sein Spiel durchbringen konnte, ohne dass sie Angst haben mussten, dass noch etwas passiert«.
Auch die Halbzeitansprache, in der Frontzeck etwas lauter wurde als gewohnt, brachte die Mannschaft nicht in zurück in die Spur. »Es ist nicht wesentlich besser geworden«, musste Frontzeck eingestehen. »Es hat in jedem Bereich etwas gefehlt und dann kannst du so ein Spiel nicht gewinnen«.
Schuldzuweisungen an einzelne Spieler sind ohnehin nicht Frontzecks Sache, nach den 90 Minuten konnte er zurecht das Team in ‚Kollektivhaftung‘ nehmen. »Es war von allen eine Leistung unter ihren Möglichkeiten«, sagte der Trainer.
Von außen hatte er kaum noch Möglichkeiten einzugreifen. Seine Wechsel – Matmour und Friend für Colautti und Bradley – waren folgerichtig. »Ich hätte sicher mehrere auswechseln können«, sagte Frontzeck mit etwas Galgenhumor. »Wir wollten noch etwas versuchen, Bradley hatte die Gelbe Karte und genauso wie Colautti am Mittwoch ein Länderspiel über 90 Minuten bestritten«. Nach dem 0:3 kam dann Tony Jantschke für Marco Reus. »Marco war noch angeschlagen und nach dem dritten Tor war die Partie im Grunde genommen durch. Tony sollte mit dafür sorgen, dass das Spiel nicht eine völlig andere Richtung nimmt«. Ein Debakel wurde schließlich vermieden. »Das hätte diese Partie dann auch wirklich nicht hergegeben«, meinte Frontzeck.
Der Trainer schloss aus, dass seine Spieler mit einem Schuss Überheblichkeit angetreten sind. »Es war keine Kopfsache«, sagte Frontzeck bestimmt. »Es war nicht so, dass wir vor 80.000 Zuschauern nicht gestrafft in dieses Spiel gegangen sind. Die Leistung hat nichts damit zu tun, dass wir dreißig Punkte haben und uns in Sicherheit wähnen. Ganz im Gegenteil: wir wussten, was auf uns zukommt. Wir sollten nicht den Fehler machen und denken, die Mannschaft sei zu bequem. Das ist sie mit Sicherheit nicht«.
Frontzeck nimmt seine Spieler öffentlich in Schutz, erwartet jedoch gegen Wolfsburg eine Rückmeldung des Teams. »Ich gestehe meiner Mannschaft zu, dass sie mal so einen Tag hat. Doch wir müssen die Lehren daraus ziehen. Wir werden das Spiel aufarbeiten, alles kritisch ansprechen und uns dann auf Wolfsburg vorbereiten. Wenn eine Reaktion kommt, kann man so ein Spiel wie in Dortmund mal beiseite stellen und es dabei belassen, dass man mal kollektiv einen schlechten Tag hatte«.
Klar ist jedoch auch, dass sich so ein ‚Larifari-Auftritt‘ wie in Dortmund gegen Wolfsburg nicht wiederholen darf.