Montag, 01. März 2010 - 07:34 Uhr

Schon nach dem verlorenen Rückrundenauftakt gegen den VfL Bochum wies Borussias Trainer Michael Frontzeck darauf hin, dass mit Nürnberg und Freiburg noch ähnlich unangenehm zu spielende Gegner in den Borussia-Park kommen werden. Der Club wurde mit 2:1 besiegt, gegen Freiburg stand am Ende ein 1:1. »Von der Organisation spielten wir gegen Freiburg ähnlich wie gegen Nürnberg«, erklärte Frontzeck im Nachlauf der Partie. »Freiburg stand organisierter und hat uns weniger Räume gelassen«, schilderte der Trainer den ersten Unterschied zum letzten Heimspiel.
Der zweite war das fehlende eigene Führungstor. »Die Spiele laufen halt nicht immer so wie gegen Nürnberg. Uns fehlte das Glück, in Führung zu gehen und unser Spiel dann noch mehr durchzusetzen. Es war eine komplizierte und im ersten Durchgang von der Taktik geprägte Partie, in der wir dennoch die Chancen hatten, in Führung zu gehen«.
Roberto Colautti scheiterte »mit einer 100%igen Chance« an Torwart Pouplin, der allerdings auch hervorragend reagierte. »Er hat ein ganz starkes Spiel gemacht«, musste Frontzeck dem gegnerischen Keeper Lob zollen. »Beim Schuss von Bobadilla in der zweiten Halbzeit liegt er im Lattenkreuz und hält sensationell«.
Im eigenen Abschluss fehlte der letzte Tick, dazu verhinderte ein überragend aufgelegter gegnerischer Torwart ein verdientes Erfolgserlebnis. Statt dessen ‚fraßen‘ die Borussen ein Gegentor, das den Spielverlauf völlig auf den Kopf stellte. Eine einfache Flanke wurde zugelassen und der sonst so zuverlässige Dante verschätzte sich gegen Cissé ganz böse. Freiburg führte und keiner konnte erklären, wie das möglich war.
»Dabei waren wir zu Beginn der zweiten Halbzeit richtig gut im Spiel und hatten wesentlich mehr Offensivaktionen als zuvor«, ärgerte sich Frontzeck. »Mit dem Gegentor spielten wir Freiburg natürlich in die Karten und man musste Angst haben, dass wir uns nicht zu sehr öffnen«.
Doch Frontzecks Spieler bewahrten die Ruhe und verfielen nicht in Panik. »Es ist der Mannschaft hoch anzurechnen, dass sie nach dem 0:1 aus dem Nichts nicht die Nerven verliert, sondern weiterspielt. Sie haben sich nicht aus dem Takt bringen lassen«.
Der Gladbacher Trainer erinnerte an die Ereignisse beim Gegner vor Wochenfrist bei der Heimniederlage gegen Berlin. »Man hat in Freiburg letzte Woche gesehen, was los ist, wenn du nach einem Rückstand die Grundordnung verlierst. Da wollen wir auf keinen Fall hinkommen«.
Nichtsdestotrotz musste Frontzeck zwanzig Minuten vor Schluss die Grundordnung verändern. »Wir haben das Risiko erhöht, mit nur einem 6er, Reus hinter den Spitzen und beide Flügel offensiv besetzt«, erklärte der 45-Jährige. Es sollte sich auszahlen, vor allem weil der eingewechselte Rob Friend fortan als Turm in der Schlacht fast jedes Duell für sich entschied. »Rob war sicher ein belebendes Element«, lobte Frontzeck. »Mit ihm hatten wir nochmal ein anderes Stilmittel, was gut genutzt wurde«.
Eine Ballbehauptung mit gelungener Ablage von Friend stand an der Basis des Ausgleichtreffers. Dass Roel Brouwers den Stürmern vormachte, wie es geht, war für Frontzeck nur ein Randaspekt. »Speziell für die Stürmer ist es wichtig, wenn sie treffen. Aber mich stört es nicht, wenn Roel am Ende interner Torschützenkönig wird«.
Karim Matmour wird Brouwers wohl nicht mehr einholen, wenn er solche hochkarätige Gelegenheiten liegen lässt, wie in der Schlussphase, als er – nach Friend-Ablage - den Matchball vergab. Michael Frontzeck regte sich unmittelbar nach dem Fehlschuss des Algeriers immens auf, wollte seinen Schützling später öffentlich nicht an den Pranger stellen. »Es ist ärgerlich, dass wir solche Torchancen liegen gelassen haben. Aber ich denke, das macht keiner extra«.
Dennoch machte Frontzeck keinen Hehl daraus, dass ihn die zwei vergebenen Punkte wurmten. »Ich ärgere mich ohne Wenn und Aber, dass wir das Spiel verloren haben. Nur aufgrund der Tatsache, dass wir so ein Tor aus dem Nichts erhalten, musst du am Ende mit dem Punkt zufrieden sein. Dass ein Sieg verdient gewesen wäre, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren«.
Immerhin konnte der Trainer attestierten, dass der Punkt für die Lage der Borussia kein Beinbruch war. »Zehn Spieltage vor Schluss 30 Punkte – das ist ein gutes Fundament«, befand Frontzeck. »Und darauf aufbauend werden wir uns auf ein sehr attraktives Auswärtsspiel am nächsten Samstag in Dortmund konzentrieren«. Und vielleicht die gegen Freiburg liegen gelassenen Punkte mitnehmen.