Sonntag, 28. Februar 2010 - 11:09 Uhr

Eigentlich waren die Gladbacher Borussen gegen den SC Freiburg auf einem guten Weg. Die Spielkontrolle lag deutlich bei den Mannen des VfL, es wurden sich gute Chancen erspielt und der mehr als verdiente Führungstreffer schien zu Beginn der zweiten Halbzeit nur eine Frage der Zeit.
»Freiburg stand die ganze Zeit hinten drin und geht plötzlich mit 1:0 in Führung«, wunderte sich Tobias Levels noch weit nach Abpfiff über die Wendung der Partie. »Das Tor fiel wie aus dem Nichts«, ergänzte Sportdirektor Max Eberl. »Dabei haben wir bis auf diese Flanke sonst nichts zugelassen und uns selbst einige sehr gute Möglichkeiten kreiert«.
Nach dem Rückstand hat sich die Mannschaft »kurz geschüttelt«, wie Max Eberl es umschrieb. »Und dann den Kopf oben behalten. Das war schon bemerkenswert«. Tatsächlich verfielen die Gladbacher nun nicht in Panik. »Wir haben uns nicht aus der Ruhe bringen lassen«, bestätigte Tobias Levels. »Wir spielten weiter Fußball, machten den Ausgleich und hatten die Möglichkeiten, das Spiel noch zu gewinnen«.
»Dafür muss man ein Tor mehr schießen als der Gegner. Doch ich erhebe keine Vorwürfe gegen irgendjemanden«, so der Rechtsverteidiger weiter. »Am langen Ende ist es schade, wenn du dir solche Chancen sehr gut heraus spielst und du sie nicht machst. Da fehlte das Quäntchen. Doch kein Vorwurf an die Stürmer«, ergänzte Max Eberl.
Die größte Gelegenheit zum Siegtreffer ließ der eingewechselte Karim Matmour liegen. »Ich wollte den Ball reinmachen. Nicht dass ihr denkt, ich habe extra daneben geschossen«, verteidigte sich der Algerier nach seinem Fehlschuss aus zehn Metern. »So ist Fußball – manchmal hast du ein wenig Glück, manchmal Pech. Ich nehme den Kopf hoch und irgendwann wird es wieder klappen«.
Wenn die Stürmer die besten Gelegenheiten liegen lassen, ist es ein großer Vorteil, wenn man einen torgefährlichen Defensivmann in den eigenen Reihen hat. Roel Brouwers sorgte mit seinem sechsten Saisontor zumindest für den einen Punkt. »Ich sah die Lücke, laufe rein und dann kommt die Super-Flanke von Juan. Ich war ganz frei und dann musst du den machen«, schilderte der Niederländer die Szene zum Ausgleichstor.
»Nach dem unverdienten Rückstand war es ganz schön hart, nochmal zurück zu kommen«, sagte Brouwers. »Wir hätten eigentlich gewinnen müssen, doch am Ende setzte Freiburg noch einen Konter, als wir mit zu vielen Leuten nach vorne spielten«.
Das Verhalten in den letzten Minuten wurde auch von Max Eberl kritisiert. »Da haben wir uns ein bisschen naiv angestellt. Das darf uns dann nicht mehr passieren, weil das immer noch ins Auge gehen kann«.
Freiburg machte das Tor nicht und so hatte am Ende das 1:1 Bestand. »Ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Sie hat ein sehr, sehr gutes Heimspiel gemacht«, meinte Max Eberl. Für einige Zweifler hatte er prominentes Beispiel parat. »Ich könnte auch so einen Tanz wie Louis van Gaal letzte Woche aufführen, als er rumgetobt hat ‚1:1 und ein gutes Spiel‘. Das sehe ich genauso. Freiburg stand sehr tief, das ist ihr gutes Recht. Wir spielten es dennoch gut aus und hatten unsere Torchancen. Und die nicht nur durch Standards oder glückliche Aktionen, sondern durch wirklich gezielte Spielzüge. Das wir daraus zu wenig Tore gemacht haben, ist das einzige, was nicht passte«.
Nach unten hat sich die Situation nicht verschlechtert und unter normalen Umständen sollte das Thema Abstiegskampf für den VfL erledigt sein. »Das ‚Sorgenfrei‘ wird uns von Außen aufgegeben«, warnt Eberl zwar noch. Doch er muss eingestehen, »dass wir natürlich eine scheinbar komfortable Position haben, die wir nicht aus der Hand geben wollen. Deswegen ist der Punkt gegen Freiburg im Nachhinein auch sehr wichtig für uns. Wir denken von Spiel zu Spiel und wollen die Meisterschaft so zu Ende bringen, wie wir sie bisher gespielt haben. Das ist die Aufgabe und der stellen wir uns. Nächste Woche haben wir ein wunderschönes Spiel vor 80.000 Zuschauern in Dortmund. Wenn alle gesund sind, werden wir auch dort versuchen, unsere spielerische Qualität zu zeigen und mit viel Kampf gegen eine doch starke Dortmunder Mannschaft aufzutreten«.