Dienstag, 23. Februar 2010 - 07:54 Uhr

47x abgelichtet - Echte Tradition traf auf angebliche Tradition
Logan Bailly: Viel Arbeit für Borussias Nummer 1 in Sinsheim. Der Belgier hielt seine Mannschaft mit großartigen Reflexen gegen Eduardo und Ibisevic zunächst auf der Siegerstraße. In der Luft vor allem nach der Pause sehr konzentriert und sicher. Beim Anschlusstor war er machtlos, beim Elfmeter in der Schlussminute ahnte er die Ecke, erreichte den Ball jedoch nicht mehr. Im ersten Durchgang sorgte der 24-Jährige für Herzrasen, als er zunächst das Leder aus dem Nichts wie eine heiße Kartoffel fallen ließ und Ibisevic fast profitieren konnte. Kurz darauf ließ er den Ball am Boden aus den Fingern gleiten. Verbesserungswürdig seine Abspiele: Nur 4 von 26 landeten beim Mitspieler. Note 3,0.
Tobias Levels: Nach abgelaufener Gelbsperre wirkte er hochmotiviert und beackerte mit Dampf seine rechte Seite. Defensiv hielt er gegen die sehr schnellen Gegenspieler gut mit und kam zeitig in die Zweikämpfe. Nur ein Foul wurde gegen ihn gepfiffen. Im Spiel nach vorne mit viel Elan. Der 23-Jährige preschte einige Male durch und belohnte sich mit der Flanke zum 2:0. Im ersten Durchgang gab es im Passspiel zwei, drei Missverständnisse mit Vordermann Reus, ansonsten strahlte Levels wieder eine Menge Selbstvertrauen aus. Note 2,5.
Roel Brouwers: Ein eher unauffälliges Spiel des Innenverteidigers. Er stand einige Male gut im Raum und fing Zuspiele ab, in direkte Duelle kam er höchst selten. Sein Passspiel war absolut in Ordnung, wobei er sich klugerweise zumeist für die risikolose Variante entschied. Bei Offensivstandards konnte sich der 28-Jährige nicht in Szene setzen. Nicht gut sah der Niederländer beim Anschlusstreffer aus, als Ibisevic in seinem Rücken entwischte und das präzise Zuspiel verwertete. Note 4,0.
Dante: Nach Monaten beständiger und oftmals herausragender Darbietungen lieferte der Brasilianer gegen Hoffenheim seine schwächste Saisonleistung ab. Nach einem souveränen Dribbling in der Anfangsphase unterliefen ihm kurz darauf drei Fehlpässe in unmittelbarer Folge. Die völlige Sicherheit fand der 26-Jährige danach nicht wieder. Wenn er in die Zweikämpfe kam, entschied er diese für sich. Einmal klärte er per Hacke, legte dabei jedoch unfreiwillig für Eduardo vor. Glück hatte Dante, als er in der zweiten Halbzeit über den Ball trat und dieser ihm unkontrolliert an die Hand sprang. Das passierte unbeabsichtigt, doch es gibt Schiedsrichter, die das ahnden. Beim Anschlusstreffer machte er den falschen Schritt nach vorne und kam so nicht mehr hinter Eduardo her. Insgesamt ein unglücklicher Auftritt, den man dem bislang überragenden Spieler der Saison allerdings zugestehen muss. Note 4,5.
Filip Daems: Ein kurioses Spiel und Borussias Kapitän war in vielen Situationen involviert. Positiv die Sicherheit, mit der er den Elfmeter präzise im Eck platzierte. Stark ebenso seine Rettungstat in der Schlussphase gegen Vukcevic. Dem gegenüber steht das verlorene Kopfballduell gegen Ibisevic zu dessen erster Chance, der Ballverlust vor dem Anschlusstreffer und ein Stellungsfehler bei dem Angriff, der letztlich zum Elfmeter in der Schlussminute führte. Das Handspiel kann man dem 31-Jährigen nicht anlasten – er wurde aus kurzer Distanz angeschossen und letztlich war es eine Konzessionsentscheidung des Referee. Der Belgier hatte insgesamt einen schweren Stand und es entstand viel Gefahr über seine Seite. Erneut fiel auf, dass er bei plötzlichen Richtungsänderungen – sei es ein Trick des Gegners, eine Körpertäuschung oder ein abgefälschter Ball – zu viel Zeit braucht, um sich neu zu orientieren. Note 4,5.
Marcel Meeuwis: Der Niederländer wartete mit einem riesigen Laufpensum auf und war mit wachem Auge stetig dabei, entstehende Brände vor der Abwehr zu löschen. Dabei ist und bleibt seine Spielweise speziell: Meeuwis sucht selten den direkten Zweikampf, sondern blockiert den Gegner so weit, dass dieser aus dem Bereich gedrängt wird, indem ein erfolgreicher Abschluss oder ein ‚tödlicher‘ Pass möglich sind. So entstehen keine unnötigen Freistoßsituationen, wobei Meeuwis in Kauf nimmt, dass der Gegner weiter in Ballbesitz bleibt. Wenn der 29-Jährige zupackt, dann meist mit Erfolg. Auch in der Luft mit gutem Timing. Am Ball sehr ruhig und stets die sichere Lösung findend. Mit seiner vorausschauenden Art sorgte er dafür, dass Bradley unbekümmert marschieren konnte. Die Gelbe Karte sah Meeuwis für ein notwendiges Foulspiel in der Schlussphase. Note 2,5.
Michael Bradley: Im Grunde hätte es der Abend des Michael Bradley sein können. Sehr fleißig und bissig kam der Amerikaner daher, eroberte mehrere Bälle und ging vor allem immer wieder mit nach vorne. Bei fast jedem Konter war der 22-Jährige dabei und stieß ganz in die Spitze rein, so wie bei seiner Großchance in der ersten Halbzeit, als er aus sechs Metern über das Tor schoss. Oder bei seinem ‚Matchball‘ beim Stand von 2:1, als er die Vorentscheidung vergab. Die ausgelassenen Torchancen kann man noch mit Pech abtun, Bradleys zahlreiche Ballverluste vor der Abwehr nicht. Er vertändelte einiges, eierte ein paar Mal gehörig vor dem eigenen Strafraum herum und produzierte drei, vier unglaubliche Fehlpässe, die eigentlich in der Bundesliga zum frühzeitigen Genickbruch führen. Nur dem reaktionsschnellen Bailly und dem unkonzentrierten Abschluss der Hoffenheimer hatte es Bradley zu verdanken, dass seine Fehler die Partie nicht vorzeitig zu Gunsten des Gegners entschieden. Note 4,5.
Marco Reus: Hoffenheim hatte sich auf Borussias Shooting-Star gut eingestellt. Mit schnellen Gegenspielern wurden die gefürchteten Antritte von Reus früh egalisiert, so dass diese Waffe zumeist stumpf blieb. Im Kombinationsspiel unterliefen Reus ein paar Missverständnisse mit Levels, an mehreren Ballstafetten war er dagegen erfolgreich beteiligt. Seine gefährlichste Aktion war ein guter Linksschuss nach Colauttis Pass, den Hildebrand parierte. Nach hinten arbeitete Reus aufmerksam mit, wobei er in der Schlussphase etwas müde wirkte und bei den Kontermöglichkeiten nicht ganz auf der Höhe schien. Note 4,0.
Juan Arango: Überzeugte einmal mehr mit seiner feinen Technik. Die Präzision seiner Pässe ist herausragend – so wie beim Cross-Ball auf Matmour kurz vor Bradleys Chance zum 3:1 oder dem Zuspiel auf Colautti, das Nilsson mit der Hand abfing. Selbst wenn der Venezolaner hin und wieder einen Tick zu leicht(sinnig) daher kommt, ist es eine Augenweide, ihm zuzusehen. Pech hatte der 29-Jährige mit seinem Schuss aufs Tornetz nach Doppelpass mit Bobadilla. Schwach dagegen sein Freistoßlupfer aus dem Stand. In der Arbeit nach hinten weiter verbessert und mit der nötigen Ernsthaftigkeit. Note 2,5.
Roberto Colautti: Wieder einmal mit einer fleißigen und mannschaftsdienlichen Darbietung. Den (natürlichen) Egoismus des Stürmers zeigte er beim Tor zum 2:0, als er den Fuß reflexartig hinhielt. Da er nicht im Abseits stand, war soweit alles in Ordnung. Colautti war an vielen Angriffen beteiligt, bereitete mit aufmerksamen Einsatz u.a. die Chance für Bradley im ersten Durchgang vor und wäre ohne Nilssons Handspiel alleine vor Hildebrand aufgetaucht. Bei gegnerischem Ballbesitz ließ er sich weit zurückfallen und half mit, die Räume zu schließen. Im Verlauf der zweiten Halbzeit etwas weniger eingebunden und in der Schlussphase durch Friend ersetzt. Note 3,0.
Raúl Bobadilla: Kam überhaupt nicht zur Geltung und konnte sich in vorderster Front kaum einmal durchsetzen. Positiv waren einige Ablagen im Kombinationsspiel, sein gelungener Kopfball, der auch ohne Colauttis Hilfe wohl im Tor gelandet wäre, sowie ein erfolgreicher Doppelpass mit Arango, dessen Schuss auf dem Tornetz endete. Ansonsten blieb der 22-Jährige bei seinen Versuchen ständig an den Gegenspielern hängen und vermochte sich nicht zu behaupten. Nach dem katastrophalen Abwurf von Hildebrand war mehr drin, als nur ein Roller neben das Tor, bei einer guten Gelegenheit zum Alleingang verzettelte er sich. Die Auswechslung nach 72 Minuten kam nicht überraschend. Note 4,5.
Karim Matmour: Begann mit einem Schuss, der schließlich im Seitenaus landete. Der Algerier hatte seine beste Szene beim Zuspiel auf Bradley, als dieser den Matchball vergab. Auch darüber hinaus mit gutem Passspiel, allerdings bescheidenem Zweikampfverhalten. Seine Schnelligkeit konnte er letztlich im Konterspiel nicht gewinnbringend einsetzen. Ohne Note.
Rob Friend: Ersetzte in den letzten sechs Minuten Roberto Colautti. Drei Ballkontakte waren für den Kanadier zu notieren. Ohne Note.
Thomas Kleine: Löste Arango in den letzten zwei Minuten ab – ein taktischer Wechsel, um Zeit zu gewinnen. Der Ausgleich fiel trotzdem noch - Kleine hatte keinen Ballkontakt. Ohne Note.