Freitag, 19. Februar 2010 - 22:25 Uhr

Borussias Trainer Michael Frontzeck konnte in Sinsheim wieder auf Rechtsverteidiger Tobias Levels zurückgreifen, dessen Gelbsperre abgelaufen war. Dagegen musste der Coach weiter auf Mittelfeldspieler Thorben Marx verzichten, der auf unbestimmte Zeit ausfällt.
Für Levels musste Tony Jantschke aus der Startelf weichen, die ‚Marx-Vertretung‘ übernahm wie schon in der Vorwoche Marcel Meeuwis. Auch die weitere Besetzung blieb gegenüber dem 2:1-Sieg gegen Nürnberg unverändert.
Die Borussen starteten sehr gut in die Partie und spielten in der ersten Minute bereits zwei ordentliche Angriffe, ohne das die Hoffenheimer überhaupt kontrolliert an den Ball kamen. Auch in den nächsten Minuten war die Partie ausgeglichen, ehe die Gastgeber das Heft etwas deutlicher in die Hand nahmen.
Die erste Gelegenheit hatte die Rangnick-Truppe in der 12. Minute, als Ibisevic nach einer Freistoßflanke von Eduardo vor Daems ans Leder kam und knapp neben den Kasten köpfte.
Die Gladbacher spielten ordentlich mit, doch genau das entwickelte sich zu einem Problem. Man kombinierte zwar im Ansatz gefällig aus der eigenen Hälfte, ohne sich jedoch am oder im Strafraum der Hoffenheimer zu zeigen. In der Rückwärtsbewegung ging man ebenso spielerisch zu Werke und produzierte dabei eine Menge gefährlicher Aktionen. So wie Dante, der im Duell gegen Ibisevic die fußballerische Lösung suchte und Eduardo den Ball vor die Füße legte. Der Brasilianer zog aus zehn Metern ab, Bailly rettete per Fußabwehr. Die folgende Ecke köpfte Demba Ba knapp am Gladbacher Gehäuse vorbei (23.)
Es gab mehrere Nachlässigkeiten auf Seiten der Gäste, die zu teilweise unglaublichen Fehlpässen führten. Hoffenheim stand den Borussen allerdings in Nichts nach. Auch die Kraichgauer leisteten sich zahlreiche Unzulänglichkeiten. So in der 31. Minute Kapitän Nilsson, der nach einem langen Pass von Arango vor Colautti an den Ball kommen wollte und das Leder deutlich mit der Hand spielte. Schiedsrichter Stark entschied auf Strafstoß, schickte Nilsson allerdings nicht mit der Roten Karte vom Feld, obwohl er als letzter Mann eine klare Torchance verhindert hatte. Stark beließ es bei Gelb, wobei er sich auch hinsichtlich der Elfmetersituation verschätzte: Nilsson spielte den Ball außerhalb des Strafraums.
Wie dem auch sei – Filip Daems verwandelte den Elfmeter sicher mit einem Flachschuss ins Eck zur Gladbacher Führung, die nach dem Spielverlauf sicher etwas glücklich war. In der Folgezeit entwickelte sich ein kurioses Spiel mit diversen Aussetzern auf beiden Seiten. Zunächst vertändelte Vorsah im Strafraum den Ball, der von Colautti zu Bradley gespitzelt wurde. Borussias Amerikaner schoss aus sieben Metern über den heranstürzenden Hildebrand, jedoch auch weit über den Querbalken (38.).
Zwei Minuten später unterlief Bradley ein katastrophaler Fehlpass vor dem eigenen Strafraum. Ibisevic kam zum Schuss, Bailly rettete mit einer starken Parade. Keine sechzig Sekunden später verpatzte Baillys Gegenüber Hildebrand einen Abwurf völlig, Bobadilla versuchte sich aus 16 Metern aus der Drehung – der Ball trudelte am Tor vorbei.
So ging es nach einer eigenartigen ersten Halbzeit mit einer knappen Führung für den VfL in die Kabinen. Die Borussen kamen in unveränderter Besetzung zurück, agierten nun defensiv wesentlich konzentrierter und hatten die verstärkten Angriffsbemühungen der Gastgeber gut unter Kontrolle. Und im eigenen Offensivspiel zeigte man die nötige Zielstrebigkeit: Levels flankte von der rechten Seite, Bobadilla platzierte einen Flugkopfball aufs lange Eck und Colautti - knapp nicht im Abseits stehend - drückte den Ball letztlich aus kurzer Distanz über die Linie (52.).
Eine vermeintlich komfortable Führung für die Borussia, zumal Hoffenheim in der Folgezeit richtiggehend angeschlagen wirkte. Die Gladbacher waren nun das deutlich bessere Team, ließen jedoch die Konsequenz vermissen, um den Sack endgültig zu zu machen. Arango (56.) vergab eine gute Gelegenheit und weitere nicht richtig zu Ende gespielte Angriffe gab es in dieser Phase.
Anstatt Hoffenheim den endgültigen Knockout zu versetzen, brachte man die Kraichgauer gut zwanzig Minuten vor Schluss wieder ins Spiel. Filip Daems verlor vor der Mittellinie nach einem ungenauen Anspiel von Bradley den Ball an Demba Ba und dann ging es über Eduardo rasend schnell in den Gladbacher Strafraum. Bradely konnte nicht mehr entscheidend folgen und stören, Dante ließ sich überlaufen und in der Mitte stand Brouwers schlecht gegen Ibisevic, der keine Mühe hatte, die flache Hereingabe von Eduardo im Tor unterzubringen.
Hoffenheim war plötzlich wachgeküsst und setzte nun vollends auf die Offensive. Glück hatten die Borussen in der 73. Minute, als Dante nach einem gehörigen Durcheinander im eigenen Strafraum der Ball an die Hand sprang, Schiedsrichter Stark jedoch weiterlaufen ließ.
Auf der anderen Seite hätten die Borussen in der 76. Minute alles klar machen müssen. Der mittlerweile für Bobadilla eingewechselte Matmour passte in den Lauf des mitgelaufenen Bradley, der blank vor Hildebrand stand, jedoch mit einem zu schwachen Schuss am Torhüter scheiterte.
So wurde es eine hektische und spannende Schlussphase. Michael Frontzeck brachte noch Friend (für Colautti) und Kleine (für Arango), doch es reichte nicht, den Sieg über die Zeit zu retten. In der 89. Minute schoss Ibisevic Daems aus kurzer Distanz an die Hand und Schiedsrichter Stark entschied nun auf Handelfmeter für Hoffenheim. Carlos Eduardo verwandelte zum 2:2 Endstand.
Borussia hatte die drei Punkte zum Greifen nah, doch man gab sie vor allem deshalb aus der Hand, weil man nach dem 2:0 nicht konsequent nachlegte und in der Schlussphase beste Kontergelegenheiten ungenutzt ließ. Doch bei allem Ärger über den späten Ausgleich – ein Punkt in Hoffenheim ist sicherlich in Ordnung ...
Kurzstatistik zum Spiel:
1899 Hoffenheim: Hildebrand – Gulde (69. Tagoe), Simunic, Nilsson (46. Vukcevic), Eichner – Compper, Vorsah - Carlos Eduardo – Maicosuel, Ibisevic, Ba
Borussia Mönchengladbach: Bailly – Levels, Brouwers, Dante, Daems – Meeuwis, Bradley – Reus, Arango (87. Kleine) – Bobadilla (71. Matmour), Colautti (84. Friend)
weiter im Kader: Heimeroth (ETW), Jantschke, Herrmann, Jaurès
Tore: 0:1 Daems (31./HE), 0:2 Colautti (52.), 1:2 Ibisevic (69.), 2:2 Eduardo (89./HE)
Gelbe Karten: Meeuwis - Nilsson Simunic, Ibisevic
Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)
Zuschauer: 30.150 (ausverkauft)