Dienstag, 09. Februar 2010 - 07:48 Uhr
Logan Bailly: Ein Auftritt mit Licht und Schatten am Mainzer Bruchweg. Sicher und präsent zeigte sich der 24-Jährige bis in die Schlussphase hinein bei hohen Bällen und Flanken, als er zugriff und keinen Kontakt mit den Gegenspielern scheute. Auf der Linie bei den wenigen Schüssen der Mainzer ebenfalls souverän. Beim Gegentor aus kurzer Distanz war der Belgier machtlos, als er zunächst noch gut reagierte und den Ball an die Latte lenkte. Als mitspielender Keeper mit zwei, drei guten schnellen Abschlägen, allerdings auch mit einer großen Streuung. Zwei Abschläge ins Seitenaus sorgten zudem für Stirnrunzeln. Am Ende wirkte Bailly etwas ‚zappelig‘, als er sich bei einem hohen Ball verschätzte und kurz darauf eher Volleyball spielte, als resolut zu fausten. Note 3,5.
Tobias Levels: Es überraschte nicht, dass Levels keine Probleme hatte, sich der körperlich intensiven Spielweise der Mainzer zu erwehren. Er begann gleich mit einer beherzten Grätsche und verschaffte sich Respekt. Defensiv löste er seine Aufgabe sicher und mit dem nötigen Biss. Hier und da überzog er es etwas, so dass er schließlich seine 5. Gelbe Karte sah und gegen Nürnberg fehlen wird. In seinen Offensivaktionen überzeugte der 23-Jährige mit einer Menge Dampf und Willen. Selbst wenn er die Aktionen nicht immer zuende bringen konnte, so gewann er mit seinen kraftvollen Antritten zumindest Raum. Dass sein Fehlen gegen Nürnberg nicht einfach zu kompensieren sein wird, sagt alles über die gewachsene Wertigkeit von Levels aus. Note 3,0.
Roel Brouwers: Auch wenn Mainz offensiv nicht gerade ein Feuerwerk abbrannte, hatte Borussias Innenverteidigung gut zu tun. Brouwers musste sich vor allem bei hohen Bällen mit dem kantigen Bancé herumschlagen, was ihm zumeist gelang. Auch am Boden kam er einige Male im richtigen Moment vor den Gegenspieler und erstickte so aufkommende Gefahr bereits im Keim. Bei eigenem Ballbesitz nicht immer ganz sattelfest, dazu rutschte er einmal weg, was einen Gegenangriff zur Folge hatte, den er letztlich selbst bereinigen konnte. Vorne verpasste er einmal in aussichtsreicher Position knapp den Ball, hinten konnte er vor dem Gegentor den Kopfball von Fatih nicht verhindern. Note 3,5.
Dante: Wie Kollege Brouwers viel beschäftigt, selbst wenn Mainz sich kaum in der Gladbacher Hälfte festsetzen konnte. Dante überzeugte – wie fast schon gewohnt – mit einer blitzsauberen Zweikampführung, gutem Stellungsspiel und großer Ball- und Passsicherheit. Der Brasilianer ist der Mann, der den Laden hinten zusammenhält, die Mitspieler stellt und antreibt. Und der erkennt, wenn einem Kollegen geholfen werden muss, wie Reus nach seinem Missgeschick beim Gegentor. Note 2,5.
Filip Daems: Nach wie vor ist beim Kapitän eine gewisse Zurückhaltung erkennbar. Zwar traute er sich in der ersten Halbzeit ein paar Mal nach vorne, fand jedoch keine Mittel, sich gegen die ‚doppelnden‘ Mainzer zu erwehren. So vermochte er lange nicht so vehement ‚anzuschieben‘, wie Levels auf der anderen Seite. Defensiv löste der 31-Jährige seine Aufgaben weitestgehend solide, jedoch nicht immer fehlerfrei. Er ließ sich hier und da zu einfach ‚abkochen‘. Weiterhin fehlt es ihm an Spritzigkeit und dem Vertrauen in die eigenen Aktionen. Note 4,0.
Thorben Marx: Gewohnt fleißig und laufstark beackerte der 28-Jährige das defensive Mittelfeld neben Michael Bradley. ‚Drecksarbeit‘ gab es am Bruchweg genügend zu erledigen und Marx rieb sich in diesen Duellen auf. Kämpferisch war es top, spielerisch jedoch eher dünn. Zwei, drei gute Pässe fanden ihren Abnehmer, ansonsten versandete einiges – vor allem, wenn es schnell gehen musste. Mit zunehmender Spieldauer und jedem gelaufenen Kilometer erhöhten sich die Ungenauigkeiten. Marx wurde später ausgewechselt, als eine offensivere Ausrichtung gefragt war. Note 4,0.
Michael Bradley: Vollbeschäftigung für den Amerikaner, der von Beginn an die Gegenspieler bearbeitete. Er machte viele Wege, lief die Passwege zu und ging in die Zweikämpfe. Am Ball mit hoher Passgenauigkeit und einigen guten Aktionen, u.a. mehrere gelungene Verlagerungen. Auch unter Bedrängnis standhaft. Bradley versuchte das Spiel anzutreiben, allerdings war im Verlauf des zweiten Durchgangs auch einiges an Sand im Getriebe. In der Schlussphase als alleiniger 6er gefordert, was er vernünftig löste. Note 3,0.
Marco Reus: Der 20-Jährige überzeugte in Mainz mit großem Elan und teilweise überragenden Antritten. Mit seiner Schnelligkeit und Zielstrebigkeit ist er für jede Abwehr nur sehr schwer auszuschalten. So wirbelte Reus mehrmals äußerst imposant durch die Mainzer Reihen. Doch nicht nur offensiv, auch nach hinten machte er sehr aufmerksam mit und ging extrem weite Wege. Dabei gelang es ihm mehrfach, dem Gegner den Ball einfach wegzuspitzeln und dann direkt den Vorwärtsgang einzulegen. Bei allem Lob sind zwei entscheidende Szenen zu erwähnen, die in die Hose gingen und letztlich spielentscheidend waren. Beim Mainzer Tor traf Reus auf der Linie stehend den Ball nicht richtig und ermöglichte Svensson den Abstauber und in der Schlussphase hatte er freie Schussbahn zum möglichen Ausgleichstreffer, schoss jedoch knapp am langen Pfosten vorbei. Note 3,0.
Juan Arango: Als einziger der Borussen wirkte er so, als ob ihn die intensive Spielweise der Mainzer überraschen und einschüchtern würde. Dass plötzlich zwei Mann auf ihn einstürmten, als er gerade den Ball angenommen hatte, schmeckte Arango offensichtlich überhaupt nicht. Zwar stellte er sich mit zunehmender Dauer besser darauf ein, doch befreit aufspielen konnte er nicht. Arango hatte zwei, drei gelungene Aktionen im Kombinationsspiel, doch insgesamt war es (zu) wenig, was von ihm kam. Auch seine Schussversuche – inklusive der im Niveau weiter sinkenden direkten Freistöße – blieben harmlos. Defensiv natürlich kein Vergleich zu Reus auf der anderen Seite, wobei Arango dennoch ein paar Mal ganz weit zurückging. Einmal klärte er aufmerksam, als Daems vorne den Ball verlor und die Seite offen war. Dass Arango in der Rückwärtsbewegung oft leichte Beute ist, zeigte sich u.a. beim Angriff der Mainzer, der zum Eckball vor dem Treffer durch Svensson führte. Hier ließ sich der 29-Jährige zu einfach überlaufen. Note 4,0.
Roberto Colautti: Im ersten Durchgang stellte der gebürtige Argentinier wieder seine Wertigkeit für das Mannschaftsgefüge heraus. Er ließ sich bei gegnerischem Ballbesitz weit fallen und war dann bei den Umschaltmomenten der Mann für den kurzen Fortsetzungspass. Vorne bediente er Bobadilla einmal mit einem sauberen Pass und dann mit einem tollen Kopfball in den Lauf zu dessen guten Chancen. Seine eigenen Aktionen in Richtung Tor blieben allerdings harmlos und mit zunehmender Spielzeit wurde Colauttis Fehlerquote höher. Im zweiten Durchgang misslangen am Stück vier Aktionen, was wohl auch mit einem körperlichen Substanzverlust zusammenhing. Folgerichtig die Auswechslung nach 64 Minuten. Note 3,5.
Raúl Bobadilla: Hätte er nur ein wenig der Coolness der letzten Woche mit nach Mainz genommen, würde sich Borussia über einen Auswärtssieg freuen. Gleich drei ganz hochkarätige Chancen ließ der Argentinier liegen. Bereits in den ersten Minuten konnte er aus kurzer Distanz den Mainzer Keeper nicht überwinden und als er nach Anspiel von Reus alleine auf den Torwart zulief, scheiterte er. Darüber hinaus bereitete er den Mainzer Abwehrspielern eine Menge Probleme. Er setzte seinen Körper gut ein und zog einige Male beherzt los. Selbst wenn die Chancenverwertung mangelhaft war, so war die schnörkellose Darbietung darüber hinaus ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Note 3,5.
Rob Friend: Ersetzte Roberto Colautti und war vor allem als ‚Brustspieler‘ gefragt. Einige Male legte er halbhohe Bälle gekonnt ab. Selber vermochte er sich nicht durchzusetzen. Weder im Laufduell, noch im Strafraum. Ohne Note.
Patrick Herrmann: Sollte nach seiner Einwechslung über rechts wirbeln und machte das ganz ordentlich. Zweimal kam er in eine sehr gute Schussposition, doch beide Male fehlte es an Druck und Präzision. Kein Vorwurf an Herrmann - da zeigt sich halt, dass er noch ein ganz junger Spieler ohne jegliche Bundesligaerfahrung ist. Ohne Note.
Fabian Bäcker: Spielte für 14 Minuten mit, verzeichnete dabei vier Ballkontakte und keinen Torschuss. Auffälligste Szene war ein Antritt im Mittelfeld, mit dem er einen Freistoß herausholte. Ohne Note.