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Mittwoch, 03. Februar 2010 - 22:11 Uhr

Die Nummer 42 ist nun fast jedem Gladbach-Interessierten bekannt: Patrick Herrmann. Der Youngster machte im Wintertrainingslager auf sich aufmerksam und durfte gleich zu Beginn der Rückrunde in den ersten drei Spielen bei den Profis mitwirken. Die Nummer 17 schlummert dagegen noch als ein kleiner Geheimtipp vor sich hin.
Gemeint ist Bernhard Janeczek, der seine Qualitäten zuletzt bei einem Profi-Spiel während des Wintercups in Düsseldorf unter Beweis stellte. Sportdirektor Max Eberl, der vor einiger Zeit den Youngster von Rapid Wien zur Borussia lotste, schwärmt noch jetzt von der Vorstellung Janeczeks.
»Sich gegen Edin Dzeko und Grafite so zu behaupten, das war schon eine starke Leistung.«
Dabei hatte Bernhard Janeczek keinen leichten Einstand bei Borussia Mönchengladbach. Beim Testspiel gegen den FC Energie Cottbus unterlief ihm ein folgenschwerer Fauxpas, den er schnell verdaute und nach der Partie trotzdem Lob vom Sportdirektor bekam.
»Bernhard Janeczek hat sich von seinem Fehler in der ersten Spielhälfte nicht beeinflussen lassen und im zweiten Spielabschnitt sehr souverän agiert. Das hat mich beeindruckt.«
Schnell durfte Bernhard Janeczek das Übergangstrikot mit der Nummer 6 ohne Spielername gegen ein neues eintauschen. Borussia meldete den Spieler nach der Wintervorbereitung als spielberechtigten Kicker für die Bundesliga an und ließ seinen Namen über der Nummer 17 beflocken. Ab März, dann wird Bernhard Janczek 18 Jahre alt, gilt zugleich ein neuer Kontrakt. Der österreichische Innenverteidiger wird mitten in der Saison ein Profifußballer.
Als dieser darf sich zumindest Patrick Herrmann jetzt schon fühlen, wenngleich sein Profikontrakt erst ab Sommer in Kraft tritt. Die ersten Sporen hat sich der flinke Angreifer flott verdient, selbst wenn die Ausgangslage laut Max Eberl alles andere als leicht war.
»Patrick Herrmann wurde ja nicht nur bei einfachen Situationen ins Spiel gebracht. Gegen Bochum beim Stande von 0:2 leitete er das Anschlusstor direkt ein. In Berlin spielte Herrmann auswärts bei einem komplizierten Spiel und gegen Bremen kam er in die Partie, als nicht wirklich alles klar war.«
Borussias Youngster präsentierte sich selbstbewusst und forsch. Für die sportliche Leitung der Borussia nicht unerwartet.
»Diese Jungs haben jetzt schon die Qualität! Sie können ins kalte Wasser geworfen werden und mit ihnen ist sofort zu planen.«
Selbstverständlich ist der Verein gerade in der Lage, Spieler ohne großen Druck ins Haifischbecken zu werfen, schließlich bedroht ihn gerade aktuell keine akute Abstiegsgefahr. Und genau diese Situation möchte der Klub frühestmöglich ausnutzen.
»Junge Spieler entwickeln sich in einer Mannschaft, in der es stimmt, viel besser und schneller.«
Das Gegenbeispiel liegt nicht einmal lange Zeit zurück. Unter Jupp Heynckes wurde in einer sehr prekären Phase Innenverteidiger Tim Rubink aufgestellt. Die Mannschaft galt dem vernehmen nach als völlig zerstritten, die Abstiegsangst machte sich breit und ausgerechnet hier musste ein A-Jugend-Spieler auf der wichtigen Position des Innenverteidigers gegen einen Nationalspieler des Schlages Kevin Kuranyi antreten.
Die Folgen sind bekannt – Kuranyi traf, Rubink wurde nach 45 Minuten ausgewechselt und verschwand in der Versenkung. Borussia Mönchengladbach stieg am Ende der Saison sogar ab und verkaufte ein Dutzend Spieler, um die selbige Anzahl am Niederrhein neu unter Vertrag zu nehmen.
Zu einem erfolgreichen Debüt in der Bundesliga gehört auch gute Aufbauarbeit und diese kann sich ein Verein meist nur leisten, wenn es sportlich halbwegs läuft. In Mönchengladbach ist dies zur Zeit der Fall – doch was ist, wenn sich durch die Rückkehr von Profis nach auskurierten Verletzungen und Nationalmannschaftsabstellung auf einmal ein Youngster bei den Amateuren oder der Jugendabteilung wiederfindet?
»Damit umgehen zu können, ist auch ein Zeichen von Qualität. Wir zeigen den Spielern sehr transparent auf, was passieren kann. Wir – und hier beziehe ich das Trainerteam mit ein - reden viel mit unseren jungen Spielern und machen sie auf solche möglichen Szenarien aufmerksam. Doch die Jungs sehen gerade selbst, dass es schnell in jede Richtung gehen kann. An Bundesligaeinsätze hätten einige vor ein paar Wochen sicherlich nicht gedacht. Schon morgen können sie wieder zum 18er-Kader des Profi-Teams gehören.«
Borussia Mönchengladbach probiert sich im behutsamen Aufbau, ist sich dabei sehr wohl bewusst, im ständigen Dialog mit den Spielern zu sein. Bleibt es sportlich erfolgreich, kann diese Arbeit auf fruchtbaren Boden stoßen. Ist die Situation allerdings angespannt, so benötigt es viel gutes Zureden, Ruhe im Umfeld und auch eine gesunde Einstellung der Nachwuchskicker.
Den Vertrauensbeweis lieferte der VfL im Winter, als er keinen Spieler nachverpflichtete. Nun sind andere am Zug – Profis wie Nachwuchsspieler.
Siehe auch unseren Einwurf:
Kontinuität - Borussias bester Neuzugang
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